Ausbildungsabbruch, Psychische

Ausbildungsabbruch: Psychische Belastung betrifft 40% der Kandidaten

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie von Bertelsmann Stiftung und IW zeigt: Mentale Probleme fördern Ausbildungsabbrüche, mindern die Produktivität und belasten Betriebe finanziell.

Psychische Belastungen gefährden Ausbildungsplätze und verursachen hohe Kosten
Ein leerer, modern gestalteter Arbeitsplatz in einem Büro mit weichem Tageslichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Laut einer im Frühjahr 2026 durchgeführten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stellen psychische Belastungen mittlerweile das Hauptrisiko für die Beendigung von Ausbildungsverhältnissen dar.

Die Studie, für die 929 Auszubildende befragt wurden, zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der mentalen Gesundheit und der Kontinuität der beruflichen Qualifizierung auf. Demnach geben 40 % der Auszubildenden, die über einen Abbruch ihrer Lehre nachdenken, psychische Probleme als entscheidenden Grund an.

Starker Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Verbleib im Betrieb

Die Daten verdeutlichen, dass der emotionale Zustand der Nachwuchskräfte unmittelbar mit ihrer Bindung an das Ausbildungsunternehmen korreliert. Den Ergebnissen zufolge fühlen sich 20 % der Befragten häufig emotional belastet. Etwa 15 % der Auszubildenden geben an, ein stark eingeschränktes Wohlbefinden zu haben; eine weitere Auswertung beziffert diese Gruppe auf etwa jeden siebten Teilnehmer (14 %).

Innerhalb dieser Gruppe mit geringem Wohlbefinden ist die Neigung zum Ausbildungsabbruch besonders hoch: Rund 74 % (genau 73,6 %) der Betroffenen ziehen in Erwägung, ihre Ausbildung vorzeitig zu beenden.

Im Gegensatz dazu liegt dieser Anteil bei Auszubildenden mit einem stabilen psychischen Wohlbefinden lediglich bei 12 %. Zudem gaben die Autoren der Studie an, dass bereits ein Drittel der Auszubildenden aufgrund mentaler Probleme krankgeschrieben war.

Wirtschaftliche Folgen durch Produktivitätsverlust und hohe Abbruchkosten

Die psychische Verfassung der Auszubildenden hat auch messbare Auswirkungen auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betriebe. Etwa 62 % der Unternehmen berichten von spürbaren Produktivitätseinbußen, die durch psychisch belastete Nachwuchskräfte entstehen.

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Ein tatsächlicher Ausbildungsabbruch stellt für die Betriebe zudem eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Die durchschnittlichen Kosten für einen solchen Abbruch werden in der Untersuchung mit rund 20.000 Euro beziffert.

Trotz der wirtschaftlichen Relevanz und der persönlichen Belastung bleibt das Thema in vielen Betrieben ein Tabu. Den Daten zufolge sprechen 35 % der Auszubildenden nicht über ihre Probleme, da sie berufliche Nachteile befürchten. Diese Kommunikationsbarriere erschwert es Unternehmen, frühzeitig gegenzusteuern und Unterstützungsangebote zu etablieren.

Kommunikationshürden trotz hoher allgemeiner Zufriedenheit

Ein differenziertes Bild ergibt sich beim Blick auf die allgemeine Arbeitssituation. Während die psychische Belastung für einen Teil der Auszubildenden ein massives Problem darstellt, äußerten sich 90 % der Befragten insgesamt zufrieden mit ihrer Ausbildung. Dies deutet darauf hin, dass die mentale Belastung oft unabhängig von der grundsätzlichen Berufswahl oder der Qualität der fachlichen Ausbildung wahrgenommen wird.

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Ergänzende Daten der DGB-Jugend zeichnen ein noch dringlicheres Bild der Lage. Dort wird berichtet, dass sich mittlerweile jeder zweite Auszubildende psychisch belastet fühlt.

Experten der beteiligten Institutionen raten dazu, die Prävention und die psychologische Begleitung in der betrieblichen Ausbildung zu stärken, um sowohl die Fachkräftesicherung als auch die wirtschaftliche Stabilität der Unternehmen langfristig zu gewährleisten.

Die frühzeitige Identifikation von Belastungsfaktoren könnte dazu beitragen, die hohen Abbruchquoten und die damit verbundenen Kosten für die Volkswirtschaft zu senken.

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