Ausbildungsmarkt, IW-Studie

Ausbildung: Jeder sechste Azubi hat keinen deutschen Pass

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, wie stark ausländische Jugendliche inzwischen zur Stabilisierung der beruflichen Ausbildung beitragen. Der demografische Rückgang bei deutschen Jugendlichen wird dadurch jedoch nur teilweise ausgeglichen.

Ausländische Jugendliche stützen Ausbildung

  • Das IW beziffert die Zahl ausländischer Auszubildender 2025 auf rund 254.967.
  • Die Zahl deutscher Auszubildender sank seit dem Höchststand 2008 um 23 Prozent auf rund 1,3 Millionen.
  • Der Anteil ausländischer Auszubildender stieg von 5,3 Prozent im Jahr 1999 auf 16,3 Prozent im Jahr 2025.
Graffiti-Entfernung (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

IW beziffert Anteil ausländischer Azubis auf 16,3 Prozent

Jeder sechste Auszubildende in Deutschland hatte 2025 keinen deutschen Pass. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hervor, über die die „Rheinische Post“ berichtet.

Ausländische Jugendliche schließen Lücke teilweise

Nach IW-Angaben helfen ausländische Jugendliche zunehmend dabei, die demografiebedingte Lücke auf dem Ausbildungsmarkt zu schließen. Der Rückgang deutscher Jugendlicher sei jedoch weiterhin größer als der Zuwachs bei ausländischen jungen Menschen.

2025 blieben erneut Zehntausende angebotene Ausbildungsstellen unbesetzt. Zugleich sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge.

Zahl deutscher Auszubildender sinkt seit 2008

Die Zahl deutscher Auszubildender zwischen 15 und unter 35 Jahren erreichte 2008 mit rund 1,7 Millionen ihren Höchststand. Bis 2025 sank sie laut Studie um 23 Prozent auf rund 1,3 Millionen.

Ausländische Azubis mehr als verdreifacht

Die Zahl ausländischer Auszubildender in dieser Altersgruppe stieg demnach seit ihrem Tiefpunkt 2004 von rund 71.338 auf rund 254.967 im Jahr 2025. Ihr Anteil an allen Auszubildenden erhöhte sich von 5,3 Prozent im Jahr 1999 auf 16,3 Prozent im Jahr 2025 und hat sich damit mehr als verdreifacht.

Das IW führt Besetzungsprobleme nicht nur auf fehlende Eignungen oder andere Schwierigkeiten zurück. Auch ein demografisch schrumpfendes Bewerberpotenzial, das ausschließlich deutsche Jugendliche betreffe, spiele eine Rolle.

Ausbildung bleibt auf Zuwanderung angewiesen

Der Zuwachs bei ausländischen Auszubildenden habe den Rückgang deutscher Auszubildender zwar nicht vollständig ausgeglichen, dessen Wirkung aber spürbar abgefedert. Dadurch sei die Ausbildung in den vergangenen zehn Jahren auf einem vergleichsweise stabilen Niveau gehalten worden.

Die Zahlen beschreiben eine doppelte Entwicklung am deutschen Ausbildungsmarkt: Die Zahl deutscher Auszubildender im Alter von 15 bis unter 35 Jahren sinkt seit Jahren deutlich, während mehr junge Menschen ohne deutschen Pass eine Ausbildung beginnen. Dadurch wächst die Bedeutung von Zuwanderung für die Fachkräftesicherung, auch wenn sie den demografischen Rückgang bislang nicht vollständig ausgleicht.

Für Unternehmen verschiebt sich damit die Zusammensetzung des Bewerberpools. Ausbildungsbetriebe sind stärker darauf angewiesen, Jugendliche mit unterschiedlichen Bildungsbiografien, Sprachkenntnissen und Aufenthaltsgeschichten zu erreichen und dauerhaft zu unterstützen. Entscheidend sind dabei nicht nur zusätzliche Ausbildungsplätze, sondern auch verlässliche Berufsorientierung, Sprachförderung und Hilfen beim Übergang von der Schule in den Betrieb.

Demografie prägt den Ausbildungsmarkt

Der Rückgang deutscher Jugendlicher verweist auf einen längerfristigen Strukturtrend und nicht auf eine kurzfristige Schwankung. Wenn weniger junge Menschen nachrücken, können selbst eine stabile Ausbildungsleistung und steigende Bewerberzahlen aus dem Ausland die Lücke nur begrenzen. Unbesetzte Stellen bleiben deshalb zugleich ein Problem der Passung und der verfügbaren Jahrgänge.

Für die kommenden Jahre wird damit die Integration ausländischer Jugendlicher zu einem zentralen Faktor der beruflichen Bildung. Gelingt der Übergang in Ausbildung und Beschäftigung, profitieren Betriebe und Sozialversicherungssysteme; scheitert er häufiger, verschärft sich der Fachkräftemangel trotz vorhandener Ausbildungsangebote.

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