Ausbildung in Frankfurt: Über 500 Stellen sind noch unbesetzt
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Handwerkskammer Frankfurt/Oder Region Ostbrandenburg hat auf dem Gelände des Templiner Gymnasiums eine Lehrberufeschau veranstaltet. Zehn beteiligte Unternehmen und Institutionen präsentierten dort ihre Ausbildungsangebote direkt vor Ort.
Wie aus einem Bericht von nordkurier.de hervorgeht, richtet sich das Format der Lehrberufeschau gezielt an Gymnasien, Oberschulen sowie Förderschulen. Im Jahr 2026 fand zudem bereits eine zweite Veranstaltung dieser Reihe in Prenzlau statt.
Hohe Nachfrage nach technischen Handwerksberufen
Bei den Schülerinnen und Schülern stießen vor allem technische Berufe auf großes Interesse. Stark nachgefragt waren insbesondere Ausbildungen zum Kfz-Mechatroniker, Elektroniker sowie Anlagenmechaniker. Berufsfelder wie Bäcker oder Friseur verzeichneten hingegen ein geringeres Interesse. Als ein Grund dafür gelten Arbeitszeiten, die einige Betriebe allerdings bereits angepasst haben.
Die Handwerkskammer verwies in diesem Zusammenhang auf ein allgemein wachsendes Interesse an einer dualen Handwerksausbildung als Alternative zum Studium. Zudem betonte die Kammer den Stellenwert beruflicher Abschlüsse: Eine Meisterausbildung ist einem akademischen Bachelorabschluss offiziell gleichgestellt.
Feste Bildungspartnerschaften und neue Schulkooperationen
Um dem Fachkräftemangel frühzeitig zu begegnen, intensivieren Betriebe und Schulen bundesweit ihre direkte Zusammenarbeit. So unterzeichneten die Gemeinschaftshauptschule Herbertskaul in Frechen und der pharmazeutische Großhändler Noweda nach knapp drei Jahren Zusammenarbeit eine langfristige Kooperationsvereinbarung.
Vermittelt wurde das Projekt durch die KURS-Initiative der Bezirksregierung Köln und der Industrie- und Handelskammern der Region. Für die Hauptschule ist dies bereits die vierte Kooperation; bestehende Partner sind die Kreissparkasse Köln, die IBIS-Hotelkette und Bauhaus.
Geplant sind künftig Betriebsbesichtigungen, Begegnungen mit Auszubildenden sowie Vorstellungen von Berufsbildern. In einem Workshop informierten bereits zwei Noweda-Auszubildende über Berufe im Groß- und Außenhandel sowie in Lager und Logistik, während zwei Auszubildende der Kreissparkasse Köln ihr Berufsbild vor über 50 angemeldeten Neunt- und Zehntklässlern vorstellten.
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Auch im süddeutschen Raum werden Partnerschaften formalisiert. Die Dachser SE mit Hauptsitz in Kempten und die Humpis-Schule Ravensburg, ein berufliches Schulzentrum mit kaufmännischem Schwerpunkt in den Bereichen Spedition, Logistik sowie Groß- und Außenhandel, fixierten ihre zuvor jahrelang informell bestehende Zusammenarbeit nun vertraglich.
Ziel der Partnerschaft des Logistikkonzerns, der europaweit mehrere zehntausend Mitarbeiter beschäftigt, sind praxisnäherer Unterricht und Nachwuchsgewinnung.
Am sächsischen Campus Klingenthal führte die Oberschule im Schuljahr 2026/27 erstmals Praxislerntage für die Klassenstufe 9 ein. Im 14-tägigen Rhythmus absolvieren die Jugendlichen dabei einen festen Praxistag in Unternehmen; die Schule sucht dafür nach weiteren Partnerbetrieben.
Ungewöhnliche Recruitingformate und regionale Messen
Neben schulischen Kooperationen setzen Arbeitgeber vermehrt auf zielgruppengerechte Rekrutierung. Die Bäckerei Pappert veranstaltete im Café am Backhaus in Eichenzell-Rönshausen das Event „Azubeatz“, bei dem Musik und Gespräche auf Augenhöhe formelle Vorstellungsgespräche ersetzten.
In Frankfurt am Main lud die Wirtschaftsförderung Frankfurt zu einem „Azubi-Speeddating“ in 48 Metern Höhe im Riesenrad auf der Dippemess ein. 27 Schüler führten dort mit zwölf Betrieben – darunter Fraport, Siemens und die Feuerwehr – jeweils zehnminütige Gespräche.
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Wie eine Sprecherin der Frankfurter Wirtschaftsförderung, Beatrice Kaufeler, mitteilte, waren im August 2026 in Frankfurt noch über 500 Ausbildungsstellen unbesetzt. Aus einem vorherigen Durchgang im April gingen laut Veranstaltern zunächst zwei Ausbildungsverhältnisse hervor.
Auch Großveranstaltungen zur Berufsorientierung binden Schulen intensiv ein. Vom 24. bis 25. September 2026 richteten der Arbeitskreis Schule und Wirtschaft Wismar-Nordwestmecklenburg und der Kreisjugendring Nordwestmecklenburg die 31. Berufsinfobörse Wismar in der Stadthalle aus.
Unter dem Motto „Leinen los – Zukunft Ahoi“ kamen rund 2.500 Schüler und Lehrkräfte aus mehr als 30 Schulen mit fast 70 regionalen Ausstellern zusammen, die über 170 Ausbildungs-, Studien- und Weiterbildungswege vorstellten. Parallel dazu nahmen an der Hochschule Wismar rund 360 angemeldete Schüler der Klassen 10 bis 12 am 11. Karriere-Navigator teil.
Einblicke in lokale Handwerksbetriebe
Im westfälischen Drensteinfurt fand 2026 die dritte Auflage des Projekts „Schulbank trifft Werkbank“ statt. Neunt- und Zehntklässler der Teamschule erhielten dabei an drei Tagen Einblicke in zehn Handwerksbetriebe, zwei weniger als im Vorjahr.
Nach der Aktion 2025 hatten sich vier Teilnehmende für eine Lehre vor Ort entschieden. Während der neunte Jahrgang dreiwöchige Praktika absolviert, sind für die zehnte Klasse zweiwöchige Praktika vorgesehen. Im Elektrobetrieb von Andreas Holtkamp lernen derzeit sechs angehende Elektroniker, die bisher alle übernommen wurden.
Das Projekt wird 2027 einmalig aussetzen und danach ausschließlich für Zehntklässler angeboten. Ergänzend veranstaltet die Stadt Drensteinfurt am Montag, den 5. Oktober, von 17 bis 19 Uhr ein Handwerkerforum in der Aula der ehemaligen Hauptschule, bei dem auch Ausbildungsplätze zum Straßenwärter vorgestellt werden.
