Ausbildung digital: Handwerkskammern führen BLok und Blockchain-Zertifikate ein
19.06.2026 - 07:30:56 | boerse-global.de
Das Ziel: weniger Bürokratie für Betriebe und Azubis.
Digitale Berichtshefte für Azubis
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Die Handwerkskammer Magdeburg stellte am 18. Juni die Software „BLok“ für den digitalen Ausbildungsnachweis bereit. Pro Ausbildungsvertrag wird ein einmaliges Entgelt von 30 Euro netto fällig, die Wartung bleibt kostenfrei. Das System erlaubt eine ortsunabhängige Dokumentation und ist direkt mit dem Ausbildungsrahmenplan verknüpft. Die Führung des Nachweises ist Pflicht – ohne ihn gibt es keine Zulassung zur Gesellenprüfung.
Die IHK Gießen-Friedberg hat ihre internen Abläufe komplett umgestellt. Sämtliche Ausbildungsunterlagen laufen jetzt über das „Asta-Infocenter“. Vertragsverwaltung, Prüfungsanmeldung und Ergebnisse sind dort zentral abrufbar. Papierformulare und alte Extranetzugänge entfallen damit.
Fälschungssichere Meisterbriefe aus der Blockchain
Die HWK Düsseldorf geht einen Schritt weiter: Sie präsentierte am 18. Juni den ersten digitalen und fälschungssicheren Meisterbrief. Das Dokument nutzt kryptografische Verfahren und eine Blockchain-ähnliche Struktur. Das soll die Verifizierung erleichtern und Missbrauch verhindern. Der digitale Nachweis ergänzt die traditionelle Papierurkunde, ersetzt sie aber nicht. Andere Kammern können das System übernehmen.
Modernisierte Berufsbilder und neue Prüfungen
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Auch die Inhalte der Ausbildungen verändern sich. Der Beruf Bauzeichner heißt jetzt „Bautechnische/-r Konstrukteur/-in“. In der dreijährigen Ausbildung spielen digitale Kompetenzen eine große Rolle. Bei der Abschlussprüfung entfallen laut IHK Nord Westfalen rund 15 Prozent der Bewertung auf die Anwendung des digitalen Informationsmodells.
Bayern reformiert seine Prüfungskultur. Ab 1. August 2026 sind alternative Leistungsnachweise wie digitale Portfolios, Erklärvideos oder Debatten möglich. Die Zahl der verpflichtenden schriftlichen Leistungsnachweise sinkt. Lehrkräfte dürfen Künstliche Intelligenz explizit einsetzen.
Politik treibt Entbürokratisierung voran
In Österreich kündigte die Regierung am 17. Juni eine Novelle des Verwaltungsverfahrensgesetzes an. Ziel ist der Ausbau der zentralen Dateninfrastruktur „dadeX“. Für 2027/28 sind 15 Millionen Euro Budget vorgesehen. Das „Once-Only-Prinzip“ soll Verfahren beschleunigen – Bürger und Unternehmen legen Daten nur noch einmal vor. Allein die Abschaffung der EWR-Anmeldebescheinigung spart jährlich rund 70.000 Behördenwege.
Sachsen stärkt die handwerkliche Weiterbildung finanziell. Der Meisterbonus wurde seit Jahresbeginn auf 3.000 Euro erhöht. Hintergrund: ein massiver Generationenwechsel. Im sächsischen Handwerk stehen in den kommenden zehn Jahren rund 19.000 Unternehmensübergaben an.
