Ausbildung, Auszubildenden

Ausbildung: 22% der Auszubildenden erwägen Abbruch wegen Belastung

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Miele, Hettich und weitere Arbeitgeber erweitern ihre Ausbildung durch Praxisprojekte, digitale Angebote und Unterstützung für die psychische Gesundheit.

Ausbildung im Wandel: Unternehmen setzen auf Verantwortung und Gesundheit
Holzrahmen eines Bienenstocks in einer sonnigen Wiese zur Veranschaulichung betrieblicher Ausbildungsprojekte. Illustration mit AI erstellt.

In der modernen Berufsausbildung gewinnt die Vermittlung von persönlichen Kompetenzen und sozialer Verantwortung zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche Unternehmen ergänzen die fachliche Qualifizierung mittlerweile durch praxisnahe Projekte, die über das klassische Berufsbild hinausgehen. Dieser Trend zeigt sich aktuell bei verschiedenen Arbeitgebern, die mit innovativen Ansätzen auf die Bedürfnisse der Nachwuchskräfte reagieren.

Eigenverantwortung durch Imkerei und Team-Events

Ein Beispiel für diesen Ansatz findet sich am Miele-Standort in Bünde. Dort betreuen Auszubildende vier Bienenstöcke und übernehmen die Verantwortung für das Schleudern des eigenen Honigs. Das Projekt zielt darauf ab, die Selbstständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein der jungen Erwachsenen zu fördern.

Ähnliche Wege zur Stärkung des Teamgeists verfolgt der Möbelbeschlagspezialist Hettich. Zum Ausbildungsstart, bei dem das Unternehmen insgesamt 56 neue Nachwuchskräfte begrüßte, wurde eine viertägige Segelfahrt organisiert.

Von den neuen Mitarbeitern starteten 44 Auszubildende und vier dual Studierende in Ostwestfalen, während acht weitere am Standort Frankenberg ihre Laufbahn begannen. Unter der Leitung von Ausbildungsleiter Dirk Bartz steht bei solchen Aktionen die persönliche Entwicklung im Vordergrund.

Digitalisierung und Gesundheitsmanagement bei Großhändlern

Der Sanitär- und Heizungsgroßhändler HOLTER aus Wels setzt bei der Ausbildung seiner aktuell 43 Lehrlinge verstärkt auf digitale Unterstützung und Gesundheitsprävention. Seit Anfang September verstärken neun neue Lehrlinge das Team, womit das Unternehmen im Jahr 2026 insgesamt 18 Neueinstellungen verzeichnete.

Zu den Neuerungen im Ausbildungskonzept gehören Lehrlingsbotschafter, eine digitale Lehrlingsmappe sowie ein KI-Chatbot. Ab dem dritten Lehrjahr kommt zudem ein sogenanntes SIZE-Profil zum Einsatz. Ergänzt wird dies durch das Gesundheitsangebot Mavie. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 833 Mitarbeiter an 25 Standorten.

Rekordzahlen und neue Strukturen im Gesundheitswesen

Im Gesundheitssektor verzeichnen die Regio Kliniken im Kreis Pinneberg einen Rekord zum Sommerstart. Insgesamt 84 Auszubildende begannen dort ihre Qualifizierung in Berufen wie Pflegefachfrau/-mann, Krankenpflegehilfe sowie in den Bereichen der operationstechnischen und anästhesietechnischen Assistenz.

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Um die Qualität der Lehre sicherzustellen, wurde die Zahl der Lehrkräfte von 10 auf rund 30 erhöht. Zudem stehen seit 2022 zwei Schulsozialarbeiterinnen zur Verfügung. Der Klinikverbund plant langfristig den Gesundheitscampus Ossenpadd in Pinneberg, um die Standorte Elmshorn und Pinneberg zusammenzuführen.

Parallel dazu wurde an der Bethanien Akademie Moers eine neue Notfallsanitäterschule eröffnet. In Kooperation mit dem Kreis Wesel, der Stadt Moers, der Feuerwehr und dem DRK-Kreisverband Niederrhein startete dort am 1. September ein dreijähriger Ausbildungsgang, der Theorie und Praxis in Lehrrettungswachen und Krankenhäusern verzahnt.

Herausforderungen bei der psychischen Gesundheit

Trotz innovativer Projekte weist eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft auf Belastungsfaktoren hin. Befragt wurden 929 Auszubildende, von denen sich zwar 88 Prozent grundsätzlich zufrieden mit ihrer Ausbildung zeigten, jedoch 22 Prozent bereits ernsthaft einen Abbruch erwogen hatten.

Als Grund für einen Abbruchwunsch nannten 39,6 Prozent psychische Belastungen. Besonders auffällig ist die Diskrepanz in der Wahrnehmung: Nur 18,5 Prozent der Betriebe gaben an, von psychischen Problemen ihrer Auszubildenden zu wissen.

Unterstützung in schwierigen Phasen bietet die Initiative VerAplus des Senior Expert Service. In der Region Köln begleiten derzeit 251 ehrenamtliche Fachleute im Ruhestand junge Menschen während ihrer Ausbildung. Seit dem Start Ende 2008 haben über 28.000 Jugendliche von diesem Mentoring-Programm profitiert.

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Regionale Ausbildungsschwerpunkte und Internationalität

Auch im Handwerk und im Finanzsektor zeigen sich stabile Ausbildungszahlen. Die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge startete mit 25 neuen Kräften in den September, wodurch die Gesamtzahl auf 55 Auszubildende stieg. Der Vorstandsvorsitzende Peter Schleich und Ausbildungsleiterin Anja Prochaska begleiten diesen Jahrgang. In Oberhausen hießen die evo (Energieversorgung Oberhausen AG) zehn neue Nachwuchskräfte willkommen.

Ein Fokus auf internationale Erfahrung zeigt sich in Brandenburg. Über das Programm Erasmus Plus der Handwerkskammern nahmen bis zum Sommer 2026 rund 150 Personen an Austauschprogrammen teil, wobei Spanien und Italien als beliebteste Ziele galten. Bereits im Jahr 2025 nutzten 262 Teilnehmer diese Möglichkeit für Auslandseinsätze, wie etwa ein Metallbau-Azubi, der zur Jacht-Montage auf Martinique eingesetzt wurde.

Besondere Anerkennung für die Ausbildungsqualität erhielt die Krummen Kerzers AG Ende August. Der Freiburger Arbeitgeberverband ehrte den Betrieb als besten Ausbildungsbetrieb 2026 in der Kategorie Technik & Mechanik. Eine Absolventin des Unternehmens schloss ihre Ausbildung zur Strassentransportfachfrau zudem als Jahrgangsbeste der Kantone Freiburg und Bern ab.

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