Aufzug-Notrufe: 400.000 Anlagen gefährdet durch 2G-Abschaltung
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Deutschland droht zahlreichen Aufzugsanlagen der vorübergehende Stillstand. Wie das Telekommunikationsportal teltarif.de in einem Bericht vom 15. September 2026 darlegt, warnen Branchenkreise vor gravierenden Folgen des anstehenden Technologie-Umstiegs im Mobilfunk.
Viele Notrufeinheiten in bestehenden Aufzügen basieren technisch noch auf dem GSM-Standard der zweiten Generation (2G). Fällt diese Übertragungsinfrastruktur weg, können die Kabinen die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllen, was die Betreiber zu einer Außerbetriebnahme zwingen würde.
Rechtliche Vorschriften verlangen lückenlose Verbindung
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Aufzugsanlagen in Gebäuden sind eindeutig geregelt. Ein Aufzug darf in Deutschland ohne ein durchgehend funktionsfähiges Zwei-Wege-Notrufsystem nicht weiterbetrieben werden. Sollten Personen in der Aufzugskabine steckenbleiben, muss rund um die Uhr gewährleistet sein, dass eine direkte Sprechverbindung zu einer ständig besetzten Notrufzentrale hergestellt werden kann.
Fällt diese Verbindungsmöglichkeit aufgrund abgeschalteter Mobilfunknetze aus, erlischt die Betriebserlaubnis der jeweiligen Anlage sofort. Gebäudeeigentümer und Betreiber stehen daher in der Pflicht, die Funktionsfähigkeit der Fernnotrufe lückenlos sicherzustellen, um Betriebsuntersagungen oder haftungsrechtliche Konsequenzen zu vermeiden.
Rund 400.000 Anlagen bundesweit betroffen
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Das Ausmaß der erforderlichen Modernisierungen ist beträchtlich. Nach gemeinsamen Erhebungen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sowie führender Aufzugshersteller sind in Deutschland circa 400.000 Aufzüge von der Netzumstellung betroffen. In einem Großteil dieser Bestandsanlagen wurden über Jahre hinweg GSM-Wahlgeräte installiert, die ausschließlich auf die 2G-Technologie ausgelegt sind.
Der Zeitrahmen für notwendige Anpassungen ist bereits abgesteckt. Nach Angaben des TÜV Süd planen die Deutsche Telekom und weitere Netzbetreiber, ihre 2G-Netze bis Ende 2028 vollständig abzuschalten.
Da andere Vorgängerstandards wie 3G bereits in der Vergangenheit außer Betrieb genommen wurden, verbleibt betroffenen Betreibern nur noch ein begrenztes Zeitfenster, um die beträchtliche Anzahl von Anlagen vor dem Stichtag auf neuere Netze umzurüsten.
TÜV Süd mahnt zeitnahe Nachrüstung und Sprachfähigkeit an
Vor diesem Hintergrund empfiehlt der TÜV Süd den Anlagenbetreibern eine zügige Überprüfung und Modernisierung der installierten Systeme. Angesichts der hohen Zahl betroffener Aufzüge und möglicher Engpässe bei Fachkräften und Hardwarekomponenten sei ein rechtzeitiges Handeln ratsam, um Lieferverzögerungen und behördlich verhängte Stilllegungen zu verhindern.
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Bei der technischen Umstellung ist zudem eine entscheidende Besonderheit zu beachten: Der TÜV Süd weist darauf hin, dass der bloße Einbau eines reinen 4G-Datenmoduls nicht genügt.
Da der Notruf eine direkte Sprachverbindung zwischen eingesperrten Personen und dem Rettungsdienst erfordert, müssen die neuen Notrufgeräte zwingend sprachfähig sein. Betreiber müssen daher darauf achten, dass die modernisierten Übertragungseinheiten die Sprachübertragung über moderne Netze vollwertig unterstützen.
