Audi-Werk in Macon: Aufsichtsrat muss Milliardenprojekt noch genehmigen
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Gesamtbetriebsrat von Audi hat mit deutlicher Zurückhaltung auf die angekündigten Pläne für ein eigenes Produktionswerk in den USA reagiert. Gesamtbetriebsratschef Jörg Schlagbauer erklärte, dass es bislang keine belastbare Entscheidung gebe und die entsprechenden Beratungen noch nicht abgeschlossen seien. Angesichts des laufenden Sparkurses im Konzern forderte die Arbeitnehmervertretung, die Priorität auf die heimischen Werke zu legen.
Uneinigkeit über Milliardeninvestition in Georgia
Die Führung der Volkswagen-Tochter hatte am 24. Oktober 2026 im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Perry im US-Bundesstaat Georgia ein neues Werk in Macon angekündigt. Geplant sind laut Unternehmensangaben Investitionen von rund 4 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 3,6 Milliarden Euro.
Die Fabrik soll ab Anfang der 2030er-Jahre jährlich rund 200.000 Fahrzeuge der Premium-SUV-Modelle Q7, Q8 und Q9 für den nordamerikanischen Markt fertigen und rund 4.500 Arbeitsplätze schaffen.
Der Baubeginn ist für 2027 avisiert. Laut einem US-Regierungsvertreter seien zudem weitere 25.000 Fahrzeuge pro Jahr am Standort in South Carolina vorgesehen. Donald Trump bezeichnete das Vorhaben vor Ort als größte Einzelinvestition in der Geschichte der US-Automobilindustrie.
Audi-Chef Gernot Döllner verteidigte das Projekt gegen aufkommende Kritik und betonte, die Vereinbarung sei am 24. Oktober 2026 unterzeichnet worden. Nach monatelanger Planung diene das Vorhaben der Stärkung der weltweiten Präsenz. Es handele sich nicht um eine Entscheidung gegen Deutschland, da internationales Wachstum auch Arbeitsplätze hierzulande sichere.
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Gremienvorbehalt und Sorgen um deutsche Standorte
Der Betriebsrat pocht jedoch auf die Einhaltung bestehender Bedingungen. Ein neues US-Werk komme für die Arbeitnehmerseite nur bei einer vollen Auslastung der deutschen Standorte Ingolstadt und Neckarsulm infrage, was gegenwärtig nicht gegeben sei.
Schlagbauer unterstrich, dass die heimischen Werke oberste Priorität haben müssten. Die finale Entscheidung über das US-Projekt liegt laut dem Betriebsrat beim Aufsichtsrat der Volkswagen AG, dem das Vorhaben noch zur Genehmigung vorgelegt werden muss. Auch die Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium müssen zustimmen.
Zwar begrüßte der Volkswagen-Konzern positive Signale für eine lokale Audi-Produktion im Rahmen seiner Strategie bis 2030, Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch verwies jedoch ebenfalls auf die noch ausstehende Gremienentscheidung.
Kritik kam zudem von der IG Metall: Deren Vorsitzende Christiane Benner sprach von einer Bringschuld des Managements gegenüber der Belegschaft. Die Gewerkschaft kritisierte überdies den Rahmen der Ankündigung auf der politischen Wahlkampfveranstaltung.
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Druck auf bestehende Werke und Zölle belasten Bilanz
Die Debatte fällt in eine angespannte Phase für den Automobilhersteller. Hohe US-Zölle belasteten Audi im vergangenen Jahr mit 1,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank der Absatz in den USA im Vorjahr um 16 Prozent und in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 um weitere 16 Prozent. Gegenüber Konkurrenten wie Mercedes und BMW besteht laut Berichten ein Kostennachteil von rund 8.500 Dollar je Fahrzeug.
Gleichzeitig verschärft sich die Situation an den Heimatstandorten. Konzernchef Oliver Blume plant, bis 2030 weltweit weitere 50.000 Stellen abzubauen; vier deutsche Werke stehen ab 2030 zur Disposition.
Für Neckarsulm mit über 15.000 Beschäftigten und rund 1.000 Zulieferern muss bis Mitte 2027 ein Kostensenkungskonzept vorgelegt werden, um eine Stilllegung abzuwenden. Zudem hatte das Volkswagen-Management Anfang Oktober 10 von 13 Tarifverträgen gekündigt und den Abbau von 12.000 Stellen angekündigt, bevor Ende November Tarifverhandlungen anstehen.
