Audi-Krise: 7.500 Jobs bedroht, Beschäftigte kritisieren den Vorstandskurs
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 12:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei dem Ingolstädter Automobilhersteller Audi wächst der interne Widerstand gegen den Vorstandskurs. Wie aus Berichten hervorgeht, äußern Beschäftigte im internen Intranet verstärkt Kritik und Unmut gegenüber der Unternehmensführung. Auslöser der Spannungen ist neben drastischen Sparplänen und schwachen Quartalszahlen vor allem der jüngste Auftritt von Konzernchef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in den USA.
Betriebsrat und Politik üben scharfe Kritik
Die Stimmung in den Werken gilt als angespannt. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Audi, Jörg Schlagbauer, erklärte, die Beschäftigten seien irritiert, verunsichert und enttäuscht. Aus dem Mutterkonzern Volkswagen kam ebenfalls deutlicher Widerspruch: VW-Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo bezeichnete Döllner als Marionette in einer Propaganda-Show von Trump.
Auch aus der Bundespolitik mehren sich die kritischen Stimmen. SPD-Generalsekretär Klüssendorf stufte Döllners Auftritt als Skandal ein und verlangte Konsequenzen innerhalb des VW-Konzerns. Linken-Chef Pantisano forderte den Rücktritt des Audi-Vorstandsvorsitzenden. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Brandl merkte an, ein Werk in den USA sei sachlich richtig, die Einspannung in den dortigen Wahlkampf jedoch verfehlt.
Döllner verteidigte seinen Auftritt indes mit Verweis auf Unternehmensinteressen. Wenn der Präsident jemanden einlade, akzeptiere man dies. Für den Auftritt ließ Döllner das im Code of Conduct verankerte Verbot für Wahlkampfauftritte für diesen Tag außer Kraft setzen. Bei der Veranstaltung im US-Bundesstaat Georgia kündigte der Audi-Chef Investitionen in Höhe von 4,2 Milliarden US-Dollar für ein neues Werk mit 4.500 Beschäftigten an.
Pläne für US-Standort und drohende Werksschließungen in Deutschland
Das geplante Werk in Perry im Bundesstaat Georgia ist für eine Jahreskapazität von 200.000 Geländewagen ausgelegt. Bei einer Gesamtinvestition von 4 Milliarden US-Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro) sollen dort ab Anfang der 2030er Jahre Fahrzeuge gefertigt werden, der Baubeginn ist für 2027 avisiert.
Die finale Freigabe durch das Kontrollgremium von Volkswagen steht noch aus. Rund die Hälfte der Investitionssumme von 4 Milliarden Euro soll dem Vernehmen nach vom US-Staat getragen werden, flankiert von Zollerleichterungen. Über diese Schritte hatte VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch das Führungsgremium vorab in Kenntnis gesetzt.
Gleichzeitig verliert die Marke mit den vier Ringen Insiderberichten zufolge rund eine Milliarde Euro pro Jahr im US-Geschäft. Eine außerplanmäßige Sitzung des Audi-Aufsichtsrats in Ingolstadt zur Zukunft des Vorstandschefs und dem US-Vorhaben wurde vorerst abgesagt, eine Entscheidung könnte möglicherweise im Dezember fallen.
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Im Heimatmarkt zeichnet sich derweil ein harter Sparkurs ab. Eine bestehende Zukunftsvereinbarung sieht den Abbau von bis zu 7.500 Arbeitsplätzen in Deutschland bis 2029 vor. Für den größten Audi-Standort Neckarsulm mit 15.000 Mitarbeitern steht sogar eine Schließung im Raum.
Döllner zog am 8. Oktober 2026 eine Schlechtwetterklausel aus dem Jahr 2019, um Verhandlungen über den Personalabbau zu erzwingen. Ein im September vorgestellter Sanierungsplan räumt dem Werk eine einjährige Frist für ein Kostensenkungskonzept ein.
Wirtschaftsexperten warnen, dass eine Stilllegung des Standorts regional den Verlust von rund 50.000 Arbeitsplätzen nach sich ziehen könnte, da etwa 1.000 Zulieferbetriebe an Neckarsulm hängen.
Zudem drängen der Betriebsrat und die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch auf Werksschließungen. Um Personalkosten zu reduzieren, plant Audi am Standort Ingolstadt zudem die Verleihung von Mitarbeitern an Rüstungsbetriebe für bis zu zwei Jahre bei fortlaufender Bezahlung durch Audi.
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Massive Gewinneinbrüche und Zollbelastungen
Hinter den Unruhen stehen anhaltend schwache Finanzdaten. Im dritten Quartal 2026 fiel der Gewinn nach Steuern um 87 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 718 Millionen Euro auf 95 Millionen Euro. Für die ersten neun Monate belief sich der Gewinn auf 1,22 Milliarden Euro nach 2,06 Milliarden Euro im Vorjahr, während der Umsatz um 6 Milliarden Euro auf 42 Milliarden Euro sank.
Finanzvorstand Jürgen Rittersberger warnte, der Handlungsbedarf sei hoch und dulde keinen Aufschub. Infolgedessen senkte Audi die Jahresprognose auf einen Umsatz von 55 bis 59 Milliarden Euro sowie eine operative Rendite von drei bis fünf Prozent.
Zusätzlich belasten Zölle die Bilanz. Nach Angaben von VW-Finanzvorstand Arno Antlitz entrichtete der Gesamtkonzern in den ersten neun Monaten rund 2,2 Milliarden Euro an direkten Abgaben, wovon ein Drittel auf Audi entfiel. Sollten die Zölle gesenkt werden, könnte sich der Satz für EU-Einfuhren von 15 auf 10 Prozent und für das Audi-Werk in Mexiko von 25 Prozent reduzieren.
