Audi-Werk in Georgia, Gernot Döllner

Audi-Werk in Georgia: Bundesregierung kritisiert Döllner

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 13:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Audi-Chef Gernot Döllner steht nach seinem gemeinsamen Auftritt mit Donald Trump unter wachsendem politischen Druck. Bundesumweltminister Carsten Schneider stellt nun auch die strategische Zukunft des geplanten US-Werks infrage.

Audis US-Pläne und die Kritik an Döllner

  • Umweltminister Carsten Schneider bezweifelt die Zukunftsfähigkeit des geplanten Audi-Werks in Georgia.
  • Trump kündigte die Fabrik am Samstag mit 4.500 Arbeitsplätzen in Perry an.
  • Eine Campact-Petition fordert Döllners Rücktritt und überschritt 100.000 Unterstützer.
  • Audi-Chef Gernot Döllner steht für seinen Auftritt mit US-Präsident Trump in der Kritik. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa
  • Schneider wirft Audi Wette auf «totes Pferd» vor. - Bild: Sven Hoppe/dpa
Audi-Chef Gernot Döllner steht für seinen Auftritt mit US-Präsident Trump in der Kritik. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa Schneider wirft Audi Wette auf «totes Pferd» vor. - Bild: Sven Hoppe/dpa

Bundesregierung kritisiert Audi-Werk in Georgia

Audi-Chef Gernot Döllner gerät nach seinem Auftritt mit US-Präsident Donald Trump bei der Ankündigung eines neuen Werks in Georgia weiter unter Druck. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) bezeichnete die Umstände der Verkündung als „mehr als unappetitlich“ und äußerte Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Projekts.

Auftritt bei Wahlkampfveranstaltung

Trump hatte am Samstag den Bau der Audi-Fabrik mit 4.500 Arbeitsplätzen in Perry im US-Bundesstaat Georgia angekündigt. Döllner trat anschließend auf die Bühne und dankte dem Präsidenten für dessen Unterstützung.

In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an. Der Auftritt erfolgte damit bei einer Wahlkampfveranstaltung, während Audi nach eigenen Konzernregeln vor Wahlen politische Neutralität wahren soll.

Kritik an politischer Rolle von Unternehmenschefs

Der Corporate-Governance-Experte Christian Strenger sagte der Deutschen Presse-Agentur, Unternehmenschefs seien nicht nur ihren Aktionären und dem Gewinn verpflichtet. Sie müssten auch ein nachhaltig tragendes Verhältnis zu Mitarbeitern, Umwelt und Politik aufbauen.

Strenger nannte Döllners Auftritt unangemessen. Der Audi-Chef habe sich zur Unzeit vorführen lassen; der Vorgang gehe über eine Frage schlechten Geschmacks hinaus.

Schneider zweifelt an Audis Strategie

Schneider kritisierte neben der Verkündung auch den strategischen Kurs des Autobauers. Während sich große Teile der Welt der Elektromobilität zuwendeten, setze Audi auf fossile Energien und damit auf ein „totes Pferd“, sagte der Minister dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

In Georgia will Audi SUVs bauen, darunter den besonders großen und auf den US-Markt zugeschnittenen Q9 sowie die Modelle Q7 und Q8. Zu den Antriebsarten machte Audi keine Angaben.

US-Markt bleibt bei Elektroautos zurück

Nach Zahlen des Beratungsunternehmens PwC lag der Anteil von Elektroautos in den USA in den ersten neun Monaten des Jahres bei 6 Prozent. Damit lag er unter dem Gesamtjahreswert von 2025; inklusive Hybridfahrzeugen blieb der Anteil elektrifizierter Autos deutlich unter einem Viertel.

Petition fordert Döllners Rücktritt

Die Kritik kommt aus mehreren politischen Lagern. Die Linke forderte bereits Döllners Rücktritt, zudem schlossen sich mehr als 100.000 Internetnutzer einer entsprechenden Campact-Petition an.

In der Petition wird Döllners Auftritt als „heuchlerisch, unterwürfig sowie politischer Kniefall vor Trumps Erpressungsversuchen“ bezeichnet. Ein Regierungssprecher hatte zu Wochenbeginn eine Kommentierung abgelehnt und auf eine unternehmerische Entscheidung verwiesen.

Der Streit um Döllners Auftritt verbindet zwei Ebenen: die politische Außenwirkung eines Unternehmenschefs und die strategische Frage, wie Audi in den USA wachsen will. Die Ankündigung in Georgia fällt in eine Phase, in der deutsche Autohersteller ihre Produktion stärker an den US-Markt verlagern und zugleich mit politischen Vorgaben, möglichen Zöllen und einem veränderten Antriebsmix umgehen müssen.

Audi verfügt bislang über kein eigenes US-Werk. Eine Fertigung vor Ort könnte deshalb Transportwege verkürzen, den Zugang zum wichtigen SUV-Markt verbessern und die Abhängigkeit von Importen verringern. Zugleich bindet ein Werk mit 4.500 Arbeitsplätzen erhebliche Investitionen an einen Markt, in dem Elektroautos bislang nur einen kleinen Anteil erreichen. Die geplante Modellpalette mit Q7, Q8 und Q9 zielt daher zunächst auf große Fahrzeuge und nicht erkennbar auf eine reine Elektrostrategie.

Politischer Auftritt erhöht Erklärungsdruck

Für Audi entsteht daraus ein doppelter Erklärungsdruck. Das Unternehmen muss den wirtschaftlichen Zweck der Investition darlegen und zugleich erklären, wie der öffentliche Auftritt mit internen Regeln zur politischen Neutralität vereinbar ist. Die Kritik aus Bundesregierung, Parteien, Arbeitnehmervertretungen und der Öffentlichkeit kann die Debatte über die Investition überlagern. Für die Beschäftigten in Deutschland wird zudem entscheidend sein, ob das US-Werk zusätzliche Produktion schafft oder langfristig Standortentscheidungen im Konzern beeinflusst.

Die weitere Entwicklung hängt deshalb nicht nur vom Baufortschritt ab. Bedeutung haben auch die US-Nachfrage, die Entwicklung der Antriebe, die Zollpolitik und Audis Geschäftszahlen. Die angekündigte Fabrik ist damit wirtschaftlich relevant, bleibt aber politisch und kommunikativ belastet.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Umweltminister kritisiert Gernot Döllner: Audi wettet 'auf totes Pferd'“ (28.10.2026)

Der Artikel berichtet über Schneiders grundsätzliche Kritik an der Werksplanung und ordnet sie in die Antriebsdebatte ein. Zusätzlich hebt er eine repräsentative Umfrage sowie Audis wirtschaftlichen Druck und die fehlende eigene US-Fabrik hervor.

SWR Aktuell: „Nach Auftritt bei Trump-Wahlveranstaltung: Audi mit Imageschaden?“ (28.10.2026)

Der Beitrag konzentriert sich auf die Wirkung des Auftritts innerhalb des Konzerns und in der Öffentlichkeit. Er ergänzt die politische Kritik um Einschätzungen von Handelsexperten, die einen erheblichen emotionalen Imageschaden sehen.

Beide Beiträge bestätigen die Kritik am Auftritt und die Debatte über das US-Werk. Unterschiede liegen im Schwerpunkt: Während der Stern stärker Strategie und Geschäftslage betrachtet, stellt der SWR die Kommunikationsfolgen und die Reaktionen im Unternehmen heraus.

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