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AU nach drei Tagen: Arbeitgeber dürfen das Attest schon am ersten Tag verlangen

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein ärztliches Attest ist für die Rückbuchung von Urlaubstagen nötig; eine AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag bleibt offen.

Krank im Urlaub: Wann Urlaubstage gutgeschrieben werden und welche Pflichten gelten
Symbolbild: ergonomischer Bürostuhl am Stehschreibtisch Illustration mit AI erstellt.

Mehrere Ratgeber widmen sich der Frage, wie mit Urlaubstagen umzugehen ist, wenn Arbeitnehmer während ihres Erholungsurlaubs erkranken. Für Beschäftigte ist die Situation oft doppelt ärgerlich: Die geplante Erholung entfällt, und es stellt sich die rechtliche Frage, ob die Urlaubstage verloren sind oder dem Urlaubskonto wieder gutgeschrieben werden.

Ärztliches Attest als zwingende Voraussetzung

Grundsätzlich gilt: Erkranken Beschäftigte während des Urlaubs, werden diese Tage nach Paragraph 9 des Bundesurlaubsgesetzes nur dann nicht auf den Jahresurlaub angerechnet, wenn ein Arzt die Arbeitsunfähigkeit ausdrücklich bescheinigt. Eine bloße Mitteilung reicht nicht aus, und nur die tatsächlich attestierten Krankheitstage werden dem Urlaubskonto wieder gutgeschrieben. Das Attest kann auch nach der Rückkehr aus dem Urlaub eingereicht werden.

Wichtig für Sonderfälle: Bei einer behördlich angeordneten Quarantäne ohne festgestellte Arbeitsunfähigkeit besteht kein Anspruch auf eine Gutschrift der Urlaubstage. Zudem droht bei einer fahrlässig selbst verschuldeten Erkrankung – etwa nach einer Reise in ein Gebiet mit offizieller Reisewarnung – der Verlust der gesetzlichen Entgeltfortzahlung.

Pflichten bei der Krankmeldung im In- und Ausland

Ein Rechtsexperte erläutert, dass Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber unverzüglich über die Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer in Kenntnis setzen müssen. Die medizinische Diagnose müssen sie dabei grundsätzlich nicht mitteilen.

Tritt die Erkrankung während eines Urlaubs im Ausland auf, sind Arbeitnehmer verpflichtet, sowohl den Arbeitgeber als auch die Krankenkasse unverzüglich zu informieren und dabei ihre Aufenthaltsadresse anzugeben. Während einer bestehenden Arbeitsunfähigkeit besteht für Arbeitnehmer zudem prinzipiell keine Pflicht zur ständigen dienstlichen Erreichbarkeit oder zur Erbringung von Arbeitsleistungen.

Gesetzlich ist die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) erst erforderlich, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage dauert. Arbeitgeber haben jedoch das Recht, das ärztliche Attest bereits ab dem ersten Krankheitstag zu verlangen.

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Kontrollen und Risiken bei zweifelhaften Krankschreibungen

Fehlzeiten sind in Unternehmen immer wieder ein Streitthema. Laut einer YouGov-Umfrage gab mehr als jeder vierte Beschäftigte an, schon einmal unter falschen Angaben gefehlt zu haben. Eine Studie der Krankenkasse Pronova BKK ergab zudem, dass sich 60 Prozent der Arbeitnehmer bereits krankgemeldet hatten, obwohl sie sich arbeitsfähig fühlten; sieben Prozent taten dies demnach häufiger.

Bei begründetem Verdacht auf Vortäuschung einer Krankheit können Arbeitgeber den Medizinischen Dienst einschalten. Überwachungsmaßnahmen sind an enge datenschutzrechtliche Vorgaben sowie konkrete Anhaltspunkte gebunden.

Dass missbräuchliche Bescheinigungen schwere Konsequenzen haben, zeigt ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm (Az. 14 SLa 145/25): Ein IT-Berater hatte eine kostenpflichtige AU über ein Online-Portal eingereicht, die ausschließlich auf einem Fragebogen ohne persönlichen, telefonischen oder digitalen Arztkontakt beruhte.

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Das Gericht sah darin eine bewusste Täuschung sowie eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Rücksichtnahmepflicht und erklärte die fristlose Kündigung nach Paragraph 626 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches auch ohne vorherige Abmahnung für wirksam.

Politische Debatte über AU ab dem ersten Tag

Die Regelungen rund um die Krankschreibung stehen zudem im Fokus der Bundespolitik. Anfang Juli 2026 hatten CDU, CSU und SPD vereinbart, künftig eine generelle Pflicht zur Vorlage einer AU ab dem ersten Krankheitstag einzuführen. Ein Gesetzentwurf und ein verbindlicher Termin für das Inkrafttreten liegen jedoch nach Angaben der Bundesregierung noch nicht vor.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas forderte neue Verhandlungen über das Vorhaben und kündigte an, dass ihr Ressort vorerst keinen Umsetzungsvorschlag einbringen werde. Sie warnte vor bürokratischem Mehraufwand, überlasteten Arztpraxen und längeren Krankschreibungen. Bis auf Weiteres bleibt auch die telefonische Krankschreibung bestehen, die bei leichten Erkrankungen bekannter Patienten für bis zu fünf Kalendertage möglich ist.

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