Attest, Tag

Attest ab Tag 1: 45 bis 55 Prozent der Unternehmen verlangen den Nachweis

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Beschäftigte müssen den Arbeitgeber sofort informieren; ein Attest ist meist nach drei Kalendertagen nötig, kann vertraglich früher verlangt werden.
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit einem Stethoskop auf einem leeren Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Rund um das Thema Arbeitsunfähigkeit stellen sich für Arbeitnehmer und Betriebe regelmäßig praktische und arbeitsrechtliche Fragen. Gesetzliche Regelungen bestimmen dabei genau, ab welchem Zeitpunkt ein ärztliches Attest vorgelegt werden muss, welche Pflichten während der Genesungsphase bestehen und welche Vorgaben bei der telefonischen Krankschreibung greifen.

Gesetzliche Fristen und die Pflicht zum Nachweis

Nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz dürfen Beschäftigte bis zu 3 Kalendertage ohne ärztliche Krankschreibung der Arbeit fernbleiben. Der Arbeitgeber muss jedoch unverzüglich am ersten Tag über das Eintreten der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer informiert werden.

Die gesetzliche Nachweispflicht über die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) greift erst, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als 3 Kalendertage andauert. Die Arztpraxis übermittelt die eAU an die zuständige Krankenkasse, woraufhin der Arbeitgeber das Dokument digital abruft. Wer unentschuldigt fehlt, riskiert eine Abmahnung sowie den Verlust des Lohnanspruchs.

Bei der Dreitagesfrist ist zu beachten, dass Samstage und Sonntage als Kalendertage mitzählen. Wer sich ab Freitag krankmeldet und am darauffolgenden Montag weiterhin arbeitsunfähig ist, erreicht damit bereits den 4. Kalendertag. In diesem Fall muss das Attest spätestens am Montag vorliegen.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat zudem klargestellt, dass Arbeitgeber per Arbeits- oder Tarifvertrag ein ärztliches Attest bereits ab dem ersten Tag verlangen können, ohne dafür eine Begründung angeben zu müssen. Schätzungsweise 45 bis 55 Prozent aller deutschen Unternehmen fordern eine solche Bescheinigung ab Tag 1 ein.

Telefonische Krankschreibung und politische Debatte

In der Praxis bleibt das Verfahren der Krankschreibung im Fluss. In Berlin ist die telefonische Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit weiterhin möglich, auch erst ab dem vierten Krankheitstag, wie Sandra Blumenthal-Beier, Co-Vorsitzende des Hausärzteverbandes Berlin und Brandenburg, hervorhob.

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Auf politischer Ebene diskutieren Koalitionsabgeordnete gegenwärtig darüber, ob Beschäftigte grundsätzlich ab dem ersten Tag eine Bescheinigung einreichen müssen. Ziel dieser Überlegungen seien eine Reduzierung von Fehlzeiten sowie eine Steigerung der Produktivität.

Hinsichtlich akuter Atemwegsinfektionen empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) betroffenen Personen, nach Möglichkeit 3 bis 5 Tage und bis zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden zu Hause zu bleiben. Diese RKI-Empfehlung stellt keine gesetzliche Vorgabe dar.

Zu Hause bleiben sollten Beschäftigte insbesondere bei Fieber, ausgeprägter Abgeschlagenheit, starken Kopf- und Gliederschmerzen, schwerem Husten sowie Kreislaufproblemen oder Schwindel. Eine bloß leicht laufende Nase ohne Fieber steht der Arbeitsfähigkeit hingegen oft nicht entgegen.

Verhaltensregeln und Treuepflicht während der Genesung

Während einer Krankschreibung unterliegen Arbeitnehmer der Treuepflicht gemäß Paragraph 241 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Demnach muss alles unterlassen werden, was die Genesung verzögern könnte. Zeigt ein Arbeitnehmer genesungswidriges Verhalten, kann dies nach Paragraph 626 BGB sogar eine außerordentliche Kündigung nach sich ziehen.

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Grundsätzlich ist jedoch erlaubt, was der behandelnde Arzt gestattet. Notwendige Einkäufe gelten in der Regel als unproblematisch, und Spaziergänge wirken oft heilungsfördernd. Von Besuchen in Gaststätten wird abgeraten, da Alkoholkonsum den Heilungsprozess hemmt.

Dass eine Arbeitsunfähigkeit nicht jedes Maß an Bewegung verbietet, bestätigte ein BAG-Urteil aus dem Jahr 2006 (Aktenzeichen: 2 AZR 53/05): Dem Urteil zufolge untersagt eine Krankschreibung sportliche Betätigung nicht pauschal; im verhandelten Fall war Skifahren zulässig.

Zudem bedeutet eine Krankschreibung kein generelles Arbeitsverbot. Fühlen sich Arbeitnehmer früher wieder gesund, ist eine vorzeitige Rückkehr an den Arbeitsplatz rechtlich zulässig. Umgekehrt schützt ein Attest nicht automatisch vor einer Kündigung. Während der Arbeitsunfähigkeit müssen Beschäftigte in der Regel weder Arbeitsleistungen erbringen noch dem Betrieb ihre konkrete medizinische Diagnose offenlegen.

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