Asiens riesige Devisenreserven
Veröffentlicht: 07.02.2008 um 11:01 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)Der amerikanische Dollar ist bisher immer noch die weltweite Leitwährung. Diese herausgehobene Position ist aber nichts Naturgegebenes. Der Blick in die Geschichte lehrt, dass unter bestimmten Voraussetzungen auch Währungen, deren Dominanz als unangefochten gilt, von ihrem Sockel fallen können.
Bis zum Ersten Weltkrieg war das britische Pfund Sterling die Leitwährung des Weltwirtschaftssystems. Die Währungs- und Wechselkurspolitik der übrigen Großmächte orientierte sich ausnahmslos am Geld der Briten. Im Laufe der Jahre wurde die wirtschaftliche Überlegenheit des neuen Riesen USA aber immer offensichtlicher. Der Abstieg des Pfund Sterling vollzog sich stetig, bis ihm der Zweite Weltkrieg endgültig den Rest gab. Das ehemals übermächtige britische Empire erwies sich als Riese auf tönernen Füssen. Um seine Kriegslasten tragen zu können, musste es sich Unsummen von den Vereinigten Staaten leihen. Als die Waffen endlich schwiegen, war Großbritannien einer der weltweit größten Schuldner. Der Dollar wiederum hatte das Pfund unwiderruflich als Leitwährung abgelöst.
In den kommenden Jahrzehnten waren die USA der größte Gläubiger der Welt. Den Amerikanern gelang es zunächst, ihre weltwirtschaftliche Dominanz noch auszubauen. Ein umfassender militärischer Machtanspruch, exorbitante Staatsausgaben und ein beispielloser Konsumwahn der Bevölkerung waren allerdings die Schattenseiten, die im Laufe der Jahre immer deutlicher ans Licht traten. Inzwischen hat sich die amerikanische Überlegenheit geradezu in ihr Gegenteil verkehrt. Heute sind die Vereinigten Staaten nicht mehr der größte Gläubiger, sondern der größte Schuldner der Welt. Gleichzeitig ufert das amerikanische Leistungs- und Handelsbilanzdefizit immer mehr aus. Letzteres dürfte 2007 bei über 700 Milliarden Dollar gelegen haben – mit steigender Tendenz.
Bereits seit einigen Jahren findet im globalen Wirtschaftsgefüge eine gewaltige Machtverschiebung statt. Vor allem die asiatischen Länder sind zu machtvollen Herausforderern der klassischen Industrienationen geworden. Eine Achillesferse des asiatischen Wachstums war noch im vergangenen Jahrzehnt die dortige Auslandsverschuldung, die schließlich in der sogenannten „Asien-Krise“ kulminierte. In den letzten 10 Jahren hat sich dieses Bild aber deutlich gewandelt. Die fernöstlichen Volkswirtschaften haben ihre Schulden stark abgebaut und durch ihre Exportkraft Handelsbilanz-Überschüsse angehäuft. Dies und die steigenden Direktinvestitionen des Westens führten dazu, dass der Großteil der weltweiten Devisenreserven sich heute in Asien befindet.
Für den Anleger ist das Reizvolle an dieser Situation, dass diese Konstellation noch nicht in den Sorten-Kursen eingepreist ist. Die Exportnationen Asiens haben nämlich in den letzten Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um ihre eigenen Währungen gegenüber dem Dollar künstlich niedrig zu halten. Wann immer den dortigen Zentralbanken die heimische Währung zu stark anstieg, und den Export zu gefährden drohte, wurde massiv interveniert. Die asiatischen Länder warfen dann in großem Stil die eigene Währung auf den Markt und kauften damit alle amerikanischen Schuldtitel und sonstigen Vermögenswerte, die sie kriegen konnten. Sie bauten so zum einen gewaltige Exportwirtschaften auf, finanzierten zum anderen aber auch noch den amerikanischen Negativ-Saldo. Die USA hängen dadurch heute am Tropf der asiatischen Gläubigerstaaten.
Allein China verfügte zum Ende 2007 über Devisenreserven im Umfang von 1,5 Billionen US-Dollar, was rund einem Viertel der Welt-Devisen-Vorräte entsprechen dürfte. Weiterhin wachsen die Währungsbestände der Volksrepublik mit atemberaubendem Tempo. Gegenüber 2006 ergab sich hier ein Anstieg um über 43 Prozent. Andere asiatische Staaten haben ebenfalls gewaltige Devisenbestände in ihren Tresoren. So dürften etwa Taiwan und Südkorea laut IWF auf Auslandssorten im Wert von 261 und 255 Milliarden Dollar sitzen. Die Reserven Indiens und Singapurs werden mit rund 230 und 150 Milliarden Dollar veranschlagt.
Mittelfristig ergibt sich daraus für die asiatischen Währungen ein erheblicher Aufwertungsdruck. Denn die Volkwirtschaften Asiens können mit ihrer Politik der Währungsinterventionen auf Dauer nicht so fortfahren, ohne das weltwirtschaftliche Gleichgewicht erheblichen Bedrohungen auszusetzen. Dies ist auch den Großspekulanten dieser Welt bewusst, die über gewaltige Anlagesummen verfügen und bald erneut zum Sturm auf den Dollar blasen könnten. Die fundamentalen Daten – seien es Zinsunterschiede, Handelsbilanzen oder auch Kaufkraftparitäten – zeichnen ein klares Bild. Die meisten asiatischen Währungen sind gegenüber dem Dollar krass unterbewertet.
Bisher war es vor allem der Euro, der gegenüber dem Dollar zugelegt hat. Dies hatte aber eher Stellvertreter-Charakter, denn die Handelsbilanz der Euro-Zone mit den USA ist mehr oder weniger ausgeglichen. Auch Europas Dollarreserven haben sich in den vergangenen Jahren nur moderat erhöht. Der Euro stieg gegenüber dem Dollar in erster Linie deshalb, weil der Anstieg der asiatischen Währungen durch Zentralbank-Interventionen größtenteils gebremst wurde. Früher oder später wird hier allerdings in Umdenken stattfinden müssen. Selbst in China, wo die Notenbank sogar die Schwankungsbreite der Landeswährung Renminbi gegenüber dem Dollar festgelegt hat, wurde zuletzt angekündigt, künftig eine stärkere Aufwertung zuzulassen.
Einen besonders interessanten Fall stellt die indische Rupie dar. Diese ist bereits im Jahr 2007 gegenüber dem Dollar um rund 12 Prozent gestiegen. Dass kein deutlicherer Wertzuwachs stattfand, ist auch hier auf Zentralbank-Interventionen und Devisenkontrollen zurückzuführen. Dies hat allerdings die Kapitalmärkte sichtlich verstimmt, und Indiens Regierung hat sich hier sensibler als anderswo in Asien gezeigt und Besserung gelobt. Man möchte die guten Handelsbeziehungen zum Westen und das Interesse der Investoren offenbar nicht mehr über Gebühr belasten.
Das Einfallstor für die internationalen Devisen-Spekulanten dürfte damit weit geöffnet worden sein. Indiens Währung weist alle Merkmale auf, um weiter steigen zu können. Die Exporte haben 2007 erneut um mehr als 20 Prozent zugelegt. Die Direktinvestitionen schießen angesichts der Größe und Attraktivität des indischen Binnenmarktes ebenfalls steil nach oben. Das volkswirtschaftliche Wachstum wird auch in diesem Jahr bei mindestens 8 Prozent liegen. Daneben befindet sich Indiens Leitzins derzeit bei 6 Prozent, was Auslandsanlegern hohe Zinsrenditen verspricht. Dies ist vor allem in Zeiten interessant, in denen die USA von Rezessionsängsten geplagt werden und die dortigen Zinsen weiter unter Druck stehen sollten. Für Anleihen-Käufer wird Indien damit im Vergleich zum Dollar-Raum immer attraktiver.
ABN-AMRO bietet ein neues Zertifikat an, mit dem Anleger auf einen Anstieg der indischen Rupie gegenüber dem Dollar setzen können (WKN: AA0RTV). Der prozentuale Zuwachs wird dabei indikativ* um 400 Prozent gehebelt.
Gleichzeitig bietet das Indische-Rupie-Zertifikat (Indian Rupee Partially Capital Protected Note) eine Kapitalgarantie von 90 Prozent auf den Erstausgabepreis von 100 Euro und ist damit auch für sicherheitsorientierte Anleger geeignet.
Die Laufzeit endet am 14. Dezember 2012. Der Ausgabeaufschlag beträgt 2 Prozent. Die Wertpapier-Kennnummer lautet AA0RTV.
*indikativ; wird am Preisfeststellungstag fixiert und liegt zwischen 350 und 450 Prozent.
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