Arztpraxen, Kliniken

Arztpraxen vs. Kliniken: 700-Euro-Lohngefälle treibt Fachkräfte weg

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 07:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neuer Schweizer Leitfaden unterstützt Pflegedienste bei der Softwareauswahl. Daten zeigen zudem steigenden Digitalisierungsdruck durch Fachkräftemangel und Gehaltsunterschiede.

Spitex-Software-Leitfaden: Digitale Einsatzplanung im Gesundheitswesen
Ein Tablet mit einer digitalen Dienstplanungssoftware auf einem Tresen in einer modernen Klinikstation. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Digitalisierung der Einsatzplanung im Gesundheitssektor gewinnt weiter an Kontur. Ein am 11. August 2026 veröffentlichter Auswahlleitfaden für Spitex-Software in der Schweiz bietet ambulanten Pflegediensten erstmals eine detaillierte Orientierungshilfe zur Systemauswahl. Das Dokument unterscheidet dabei zwischen drei wesentlichen Softwarekategorien: umfassenden Komplettlösungen, spezialisierter modularer Personaleinsatzplanung sowie fokussierten Planungs-Apps.

Differenzierung nach Einsatzbereich und Funktionsumfang

Der Leitfaden definiert sieben zentrale Prüffelder, die für eine fundierte Investitionsentscheidung herangezogen werden sollten. Dazu gehören die Klientenverwaltung, die eigentliche Einsatzplanung sowie die mobile Nutzung der Anwendungen. Ebenso werden Anforderungen an technische Schnittstellen, den Datenschutz, das Reporting und die Gesamtkosten der Systeme thematisiert.

Hintergrund der Veröffentlichung ist der steigende Bedarf an effizienten digitalen Lösungen, um den komplexen Anforderungen der ambulanten Versorgung gerecht zu werden. Die Autoren des Leitfadens empfehlen Organisationen, neue Softwarelösungen nicht nur theoretisch zu bewerten, sondern anhand realistischer betrieblicher Abläufe in der Praxis zu testen.

Fachkräftemangel und Gehaltsstrukturen erhöhen den Optimierungsbedarf

Die Relevanz einer effizienten Personalsteuerung wird durch aktuelle Daten zum Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen unterstrichen. Eine am 11. August 2026 vorgestellte Analyse der Arbeitnehmerkammer Bremen verdeutlicht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen medizinische Einrichtungen operieren. Im Land Bremen ist die Zahl der Medizinischen Fachangestellten (MFA) seit 2015 zwar um knapp 14 % auf 4.622 gestiegen, jedoch zeigt sich eine deutliche Verschiebung: Während sich die Zahl der MFA in Kliniken fast verdoppelt hat, blieb sie in Arztpraxen nahezu konstant.

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Die Gehaltsstrukturen verschärfen den Wettbewerb um qualifiziertes Personal. MFA verdienen in der Region im Mittel 3.141 Euro monatlich, was knapp 580 Euro weniger ist als der Durchschnitt aller Fachkräfte. Besonders prägnant ist das Lohngefälle zwischen den Sektoren: In Krankenhäusern liegt das Gehalt fast 700 Euro über dem Niveau von Arztpraxen. Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer Bremen, forderte in diesem Zusammenhang höhere Löhne sowie eine vollständige Refinanzierung von Tarifsteigerungen, um die Personalgewinnung langfristig zu sichern.

Fortschritte bei der Digitalisierung der ärztlichen Dienstplanung

Dass digitale Planungstools bereits erfolgreich zur Entlastung beitragen können, belegt die positive Halbjahresbilanz der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein vom 10. August 2026. Nach einer Neustruktur des ärztlichen Fahrdienstes besteht seit Beginn des Jahres 2026 keine Verpflichtung mehr für niedergelassene Ärzte, diese Dienste persönlich zu leisten. Stattdessen übernehmen über 800 Kooperationsärzte diese Aufgaben.

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Die Dienstplanung für das vierte Quartal 2026 wurde bereits digital abgewickelt, wobei über 6.000 Dienste innerhalb von nur 12 Stunden online vergeben werden konnten. Finanziert wird das reformierte System, das die Anzahl der Fahrdienstbezirke von 54 auf 20 reduzierte, durch eine einheitliche Mitgliedsumlage von 242 Euro pro Quartal.

Parallel dazu treibt auch der stationäre Sektor die Prozessoptimierung voran. Das Uniklinikum Dresden meldete für das erste Halbjahr 2026 einen deutlichen Ausbau des ambulanten Operierens. Mit über 5.100 Eingriffen wurde der Vorjahreswert um knapp 1.000 Operationen übertroffen. Ein neues Ambulantes OP-Zentrum mit vier Sälen und ein zentralisiertes OP-Management bilden hierbei die strukturelle Basis für die gestiegenen Fallzahlen. Zur Unterstützung dieser Prozesse startete das Klinikum zudem im Mai 2026 eine specificische Weiterbildung für Medizinische Fachangestellte.

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