Arbeitszeitgesetz, Reform

Arbeitszeitgesetz: Reform mit 48-Stunden-Woche und 12-Stunden-Tag geplant

03.06.2026 - 13:05:26 | boerse-global.de

Erstmals arbeiten über 40 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit. Die Bundesregierung plant eine Reform des Arbeitszeitgesetzes mit wöchentlicher Höchstarbeitszeit.

Arbeitszeitgesetz: Reform mit 48-Stunden-Woche und 12-Stunden-Tag geplant - Bild: über boerse-global.de
Arbeitszeitgesetz: Reform mit 48-Stunden-Woche und 12-Stunden-Tag geplant - Bild: über boerse-global.de

Im ersten Quartal 2026 lag die Quote erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen 1991 über der 40-Prozent-Marke. Parallel dazu plant die Bundesregierung eine grundlegende Reform des Arbeitszeitgesetzes.

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Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldet für das erste Quartal 2026 eine Teilzeitquote von 40,1 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um 0,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig sank die Gesamtzahl der Erwerbstätigen um 160.000 auf 45,64 Millionen.

Besonders deutlich zeigt sich der Wandel beim Blick auf die einzelnen Beschäftigungsformen: 270.000 Vollzeitstellen gingen verloren, während 150.000 neue Teilzeitjobs entstanden. Die tatsächlich geleistete Arbeitszeit pro Kopf stieg dennoch leicht um 0,3 Prozent auf durchschnittlich 344,2 Stunden pro Quartal. Grund dafür ist eine minimale Ausweitung der Teilzeitstunden: Sie wuchsen um 0,3 Stunden auf 18,88 Stunden pro Woche. Vollzeitbeschäftigte arbeiten im Schnitt 38,15 Stunden.

Weitere Arbeitsmarktdaten für das erste Quartal 2026 zeigen positive Tendenzen: Der Krankenstand sank von 6,5 auf 6,1 Prozent. Auch die Zahl der Kurzarbeiter ging zurück – um 91.000 auf insgesamt 438.000. IAB-Experte Enzo Weber verweist zudem auf einen Anstieg der Stundenproduktivität um 0,5 Prozent im Jahresvergleich. Das gesamte Arbeitsvolumen belief sich auf 15,7 Milliarden Stunden.

Bundesregierung plant Reform des Arbeitszeitgesetzes

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas kündigte einen Gesetzentwurf zur Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes für Juni 2026 an. Kern der Reform ist die Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Damit würde deutsches Recht an EU-Vorgaben angepasst: Im Schnitt wären dann 48 Stunden pro Woche erlaubt, berechnet über einen Sechs-Monats-Zeitraum.

Der Gesetzentwurf sieht folgende Regelungen vor:

  • Verpflichtende elektronische Erfassung aller Arbeitszeiten
  • Möglichkeit zur Ausweitung der täglichen Arbeitszeit auf bis zu 12 Stunden bei wöchentlichem Ausgleich
  • Beibehaltung der gesetzlichen Ruhezeit von 11 Stunden zwischen den Schichten
  • Öffnungsklauseln für strengere Regelungen durch Tarifverträge
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Ein Bündnis aus 15 Wirtschaftsverbänden, darunter der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, unterstützt die geplanten Änderungen. Die Argumentation: Der Wechsel zur Wochenperspektive sei notwendig, um die Flexibilität zu schaffen, die moderne Betriebsabläufe erfordern. Die Regierung rechnet mit einem Inkrafttreten der Reform frühestens 2027.

Forscher warnen vor Gesundheitsrisiken

Während die Wirtschaft die Flexibilisierung begrüßt, schlagen Arbeitsmarktforscher und Gesundheitsexperten Alarm – insbesondere mit Blick auf den möglichen 12-Stunden-Tag. IAB-Direktor Bernd Fitzenberger warnt vor Erschöpfung, sinkender Produktivität und steigenden Gesundheitsrisiken. Statt sich nur auf die tägliche Flexibilisierung zu konzentrieren, sollte die Regierung laut Fitzenberger Anreize für freiwillige Überstunden prüfen und die Auswirkungen von Minijobs sowie des Ehegattensplittings auf die Erwerbsbeteiligung untersuchen.

Studien der Hans-Böckler-Stiftung und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) belegen die Skepsis der Beschäftigten. Laut einer WSI-Umfrage befürchten 75 Prozent der Arbeitnehmer negative Folgen für ihre Gesundheit und Erholung, wenn die tägliche Arbeitszeit zehn Stunden überschreitet. Der DGB-Index zeigt: 98 Prozent der Beschäftigten wollen weniger als zehn Stunden pro Tag arbeiten, 72 Prozent bevorzugen maximal acht Stunden.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) weist zudem auf ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko hin: Nach zwölf Stunden Arbeit verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit von Arbeitsunfällen. Forscher betonen außerdem, dass längere Arbeitstage Frauen überproportional treffen könnten – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie würde noch schwieriger. Derzeit arbeiten nur etwa zwölf Prozent der Beschäftigten an einzelnen Tagen mehr als zehn Stunden.

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