Arbeitszeitgesetz-Reform, Beschäftigten

Arbeitszeitgesetz-Reform: Bis zu 13-Stunden-Schichten geplant

29.05.2026 - 07:19:21 | boerse-global.de

Über 56 Prozent der Beschäftigten fühlen sich zu sofortigen Reaktionen verpflichtet. Die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes stößt auf breite Kritik.

Adobe: Resultados récord que el mercado ignora - Foto: über boerse-global.de
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Das zeigt eine aktuelle Studie – und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung eine Reform des Arbeitszeitgesetzes plant.

Die Untersuchung „Always-on: Digitaler Stress in Deutschland“ der IU Internationalen Hochschule, durchgeführt im Januar 2026, offenbart alarmierende Zahlen: 81 Prozent der 2.000 Befragten zwischen 16 und 65 Jahren checken ihr Smartphone mindestens einmal pro Stunde – selbst wenn keine neuen Nachrichten eingegangen sind. Besonders betroffen sind die 16- bis 30-Jährigen, bei denen der Wert auf 90,6 Prozent klettert.

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Gefühlte Rufbereitschaft und die Sehnsucht nach Abschalten

Die Studie zeigt eine wachsende Kluft zwischen Vernetzung und Erholung. 32,9 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich verpflichtet, auch nach Feierabend für den Arbeitgeber erreichbar zu sein. Noch deutlicher: 56,2 Prozent der Teilnehmer gaben an, unter Druck zu stehen, Nachrichten zeitnah zu beantworten.

Die Kehrseite dieser Dauererreichbarkeit ist der Wunsch nach Entschleunigung. 56 Prozent der Befragten würden gerne mehr Zeit offline verbringen. Fast jeder zweite junge Erwachsene zwischen 16 und 30 Jahren leidet unter der Angst, etwas zu verpassen – dem sogenannten FOMO (Fear Of Missing Out).

Reformpläne: Das Ende des Acht-Stunden-Tages?

Genau in diese Debatte platzt die Ankündigung der Bundesregierung, das Arbeitszeitgesetz zu reformieren. Ein Gesetzesentwurf soll im Juni 2026 vorgelegt werden. Kern der geplanten Änderung: Statt einer täglichen Höchstarbeitszeit von acht Stunden soll künftig eine wöchentliche Obergrenze gelten.

Befürworter wie Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), argumentieren, es gehe nicht um längere, sondern um flexiblere Arbeitszeiten für Büro- und Dienstleistungsberufe. In einem Auftritt am 18. Mai 2026 betonte Hüther, das Ziel sei eine andere Verteilung der Arbeitszeit. Möglich wären demnach Schichten von bis zu 13 Stunden innerhalb einer 48-Stunden-Woche.

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Doch der Widerstand ist massiv. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hat sich von den Plänen distanziert und signalisiert, die aktuellen Standards nicht ändern zu wollen. Die Gewerkschaften DGB und Verdi sowie Sozialverbände warnen vor einem Abbau des Arbeitnehmerschutzes und steigenden Gesundheitsrisiken.

Homeoffice: Rechtliche Grauzonen und neue Konflikte

Die Debatte um Erreichbarkeit ist eng mit den rechtlichen Fragen rund ums Homeoffice verknüpft. Juristen haben klargestellt: Wer ohne Absprache von zu Hause arbeitet, verletzt seine Pflichten und riskiert Abmahnung oder Kündigung. Zwar sind informelle Absprachen mit Vorgesetzten – sogenannte „Hushed Hybrid“-Modelle – weit verbreitet, doch rechtlich bindend sind sie nur für den vereinbarten Zeitraum.

Arbeitgeber dürfen Zugangssysteme nutzen, um die Anwesenheit im Büro zu kontrollieren. Eine Videoüberwachung bleibt jedoch verboten.

Flexibilität als Trumpf im Wettbewerb um Talente

Im Kampf um die besten Köpfe setzen Unternehmen zunehmend auf flexible Arbeitszeiten. Eine Randstad-ifo-Personalumfrage aus dem ersten Quartal 2026 unter bis zu 1.000 Personalverantwortlichen zeigt: 76 Prozent der Firmen nutzen flexible Arbeitszeitmodelle als wichtigstes Instrument zur Mitarbeitergewinnung. Höhere Gehälter spielen mit nur 30 Prozent eine überraschend geringe Rolle – sie liegen hinter Weiterbildungsmöglichkeiten und Zusatzleistungen zurück.

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