Arbeitszeitgesetz, Bärbel

Arbeitszeitgesetz: Bärbel Bas plant Wochenhöchstzeit statt Acht-Stunden-Tag

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 18:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Debatten über Familienrollen und Arbeitsdruck treffen auf geplante Arbeitszeitreformen, mögliche Büropräsenz und wachsende KI-Nutzung.

Arbeitswelt im Wandel: Rollenbilder, Arbeitszeit und Büropräsenz
Ein minimalistisch eingerichteter, sonnendurchfluteter Arbeitsbereich mit einem leeren Stuhl und einer Zimmerpflanze. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Publikationen und öffentliche Äußerungen hinterfragen derzeit verstärkt den etablierten Kult der Überarbeitung sowie veraltete Rollenbilder im beruflichen Kontext. Verschiedene Akteure aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik plädieren für eine Neuausrichtung von Arbeitsweisen und familiären Verantwortlichkeiten, um den Anforderungen einer modernen Leistungsgesellschaft gerecht zu werden.

Kritik an traditionellen Familienrollen und Arbeitsdruck

Am 28. September 2026 thematisierte Franca Lehfeldt die gesellschaftliche Erwartungshaltung an arbeitende Mütter. In einem Gespräch mit dem Stern berichtete sie, dass sie bereits vier Wochen nach der Geburt ihrer Tochter wieder einen Arbeitstermin wahrgenommen habe, was zu deutlicher Kritik im Internet geführt habe.

Lehfeldt kritisierte in diesem Zusammenhang veraltete Rollenbilder und wandte sich gegen die Inszenierung von Mutterschaft durch sogenannte Momfluencerinnen, da deren Social-Media-Inhalte Druck auf andere Frauen ausübten.

Sie betonte, dass Kindererziehung eine Frage der Organisation und Arbeitsteilung sei. Lehfeldt räumte ein, Unterstützung durch eine Nanny in Anspruch zu nehmen. Bereits vor der Geburt habe sie mit ihrem Partner Christian Lindner vereinbart, früh in den Beruf zurückzukehren und die Kinderbetreuung gleichberechtigt zu gestalten.

Hinterfragung von Hustle-Narrativen und Männlichkeitsbildern

Parallel dazu fordert die Autorin Fran Hauser in ihrem neuen Buch eine Abkehr vom klassischen Hustle-Narrativ. Sie plädiert dafür, Ergebnisse durch Subtraktion und fokussierte Aufmerksamkeit zu erzielen, anstatt auf ständige Überarbeitung zu setzen.

Hauser identifizierte vier erlernte Verhaltensmuster, die Zeit und berufliche Chancen kosteten, und empfahl das Streichen von unnötigen Besprechungen sowie den Verzicht auf Perfektionsrituale und die ständige Suche nach Bestätigung.

Auch Riccardo Simonetti setzte sich am 28. September 2026 mit gesellschaftlichen Normen auseinander. In einem Interview zu seinem Buch „Wann ist ein Mann ein Mann?!“ erklärte er, dass er Eigenschaften wie Stärke und Mut von Frauen gelernt habe. Er warnte vor toxischer Männlichkeit, die dann entstehe, wenn sie dem Individuum selbst oder anderen schade.

Simonetti kritisierte Influencer aus den Bereichen der sogenannten Manosphere und Tradwife-Bewegungen, die konservative Rollenbilder vermarkten. Er hoffe stattdessen auf Väter, die Empathie und Liebe priorisieren.

Gesetzliche Flexibilisierung und betriebliche Präsenzpflichten

Auf politischer Ebene kündigte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas am 28. September 2026 einen Gesetzentwurf an, der bereits im Juni 2026 vorgelegt worden war. Dieser sieht vor, den starren Acht-Stunden-Tag durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen. Dadurch sollen längere Arbeitstage durch kürzere Einsätze an anderen Tagen ausgeglichen werden können.

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Während Arbeitgeberverbände die gewonnene Flexibilität begrüßten, warnten Gewerkschaften vor Gesundheitsrisiken und Überlastung. Die Bundesregierung plant, die tägliche Höchstarbeitszeit zugunsten einer maximalen Wochenarbeitszeit zu lockern, wobei Ruhezeiten und EU-Vorgaben weiterhin Bestand haben sollen.

In der Privatwirtschaft zeichnen sich hingegen Tendenzen zur Rückkehr in die Büros ab. Bei der Mercedes-Benz Group liegt laut Berichten vom 28. September 2026 ein Entwurf für eine neue Konzernbetriebsvereinbarung vor. Dieser sieht vor, dass Beschäftigte in Deutschland künftig an bis zu vier Tagen pro Woche im Büro arbeiten sollen.

Führungskräfte könnten Vollzeitbeschäftigte zur Präsenz verpflichten, ohne dies begründen zu müssen. CEO Ola Källenius hatte zuvor sogar eine Präsenzpflicht von fünf Tagen angestrebt.

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Erreichbarkeit und technologische Einflüsse

Hinsichtlich der ständigen Erreichbarkeit stellte der Arbeitsrechtler Alexander Bredereck am 28. September 2026 klar, dass außerhalb der vereinbarten Arbeitszeit grundsätzlich keine Pflicht besteht, berufliche Nachrichten zu beantworten. Auch kurze Antworten stellten eine Arbeitsleistung dar. Ausnahmen könnten lediglich bei Rufbereitschaft oder spezifischen tariflichen Regelungen bestehen.

Eine Langzeitstudie der Universität Zürich, die Daten von 2004 bis 2020 auswertete, zeigt zudem eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Jährlich entwickeln fast 10 % der vollzeitarbeitenden Männer den Wunsch nach Teilzeit, doch nur jeder Zehnte setzt diesen tatsächlich um.

Studienleiter Jan Müller wies darauf hin, dass berufliche Normen und eine hohe Wochenarbeitszeit von fast 42 Stunden in der Schweiz die Umsetzung von Pensumsreduktionen beeinflussen.

Ergänzend dazu beleuchtet eine weltweite Umfrage von PwC aus dem Frühjahr 2026 den Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI). 64 % der rund 49.364 befragten Beschäftigten nutzen KI bei der Arbeit, wobei die tägliche Nutzung von Generativer KI innerhalb eines Jahres von 14 % auf 22 % gestiegen ist.

Gleichzeitig sank der Anteil derer, die Zugang zu notwendigen Weiterbildungen haben, auf 51 %. Nur ein Drittel der Befragten gab an, am Monatsende über finanzielle Rücklagen zu verfügen.

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