Arbeitszeitgesetz, Acht-Stunden-Tag

Arbeitszeitgesetz: Acht-Stunden-Tag soll durch flexible Woche ersetzt werden

05.06.2026 - 22:19:31 | boerse-global.de

Bundesregierung plant flexible Wochenarbeitszeit statt täglicher Höchstgrenze. Gewerkschaften kritisieren mögliche 13-Stunden-Tage.

Arbeitszeitreform: Acht-Stunden-Tag soll flexibler werden
Arbeitszeitgesetz - Eine stilisierte Uhr, deren Zeiger sich in digitale Linien auflösen, symbolisiert flexible Arbeitszeiten in einem modernen Büro. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Kern der Pläne: Die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden soll durch eine flexible Wochenarbeitszeit ersetzt werden. Die Gesamtzahl der wöchentlich erlaubten Stunden bleibt demnach unverändert.

Das Vorhaben ist sowohl im Koalitionsvertrag als auch in der Nationalen Tourismusstrategie verankert. Betriebe und Beschäftigte sollen mehr Spielraum bei der Verteilung der Arbeit bekommen.

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Union drängt auf schnelle Umsetzung

Tourismus-Koordinator Christoph Ploß (CDU) signalisierte Anfang Juni Unterstützung für den Kurs. Er drängte auf eine rasche Umsetzung – und betonte: Die neuen Regelungen dürften nicht an eine Tarifbindung gekoppelt werden. Auch nicht tarifgebundene Betriebe sollen von der Flexibilisierung profitieren.

Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) stellte einen Gesetzentwurf für Juni 2026 in Aussicht, distanzierte sich jedoch inhaltlich teilweise von den Plänen. Die Union mahnte zur Eile, um Verzögerungen zu vermeiden.

Konzertierte Aktion am 10. Juni

Die Reform ist Teil eines größeren Maßnahmenpakets der schwarz-roten Koalition. Neben dem Arbeitsmarkt umfasst es auch die Bereiche Einkommensteuer und Rente. Ein zentraler Termin: Am 10. Juni 2026 treffen sich die Koalitionsspitzen mit Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften zu einer konzertierten Aktion.

Bis zum 30. Juni will die Regierung ein finales Reformpaket schnüren. Entscheidungen zur Steuerreform werden bis Mitte Juli erwartet.

Gewerkschaften warnen vor 13-Stunden-Tagen

Der DGB kritisierte die Pläne scharf. In einer Stellungnahme vom 4. Juni wiesen die Arbeitnehmervertreter darauf hin, dass das geltende Gesetz bereits Ausnahmen für bis zu zehn Stunden tägliche Arbeit zulasse. Eine weitere Lockerung könnte Arbeitgebern erlauben, Arbeitstage von bis zu 13 Stunden anzuordnen.

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Der DGB-Index „Gute Arbeit“ zeigte bereits in der Vergangenheit eine verbreitete Unzufriedenheit: Nur 40 Prozent der Befragten waren mit ihren Arbeitszeiten zufrieden. Über die Hälfte strebte eine Verkürzung an.

Eine IAB-Untersuchung aus dem Jahr 2025 untermauert die Bedenken. Damals betrachteten 84 Prozent der Befragten die gesetzliche Begrenzung als wichtigen Schutz vor Überarbeitung.

Bevölkerung mehrheitlich für Flexibilisierung

Trotz der Kritik findet die Reform in der Bevölkerung Zustimmung. Laut einer Forsa-Umfrage vom Mai 2026 befürworteten 57 Prozent der 1.004 Befragten die Abschaffung des Acht-Stunden-Tags. Unter CDU/CSU-Anhängern lag die Zustimmung bei 74 Prozent. Anhänger der Linken lehnten das Vorhaben mit 61 Prozent mehrheitlich ab.

Als möglicher Kompromiss diskutierten Fachkreise Anfang Juni, die Anpassungen zunächst auf Bürobeschäftigte zu beschränken. Parallel plant die Regierung, Überstundenzuschläge steuerfrei zu stellen und Teilzeitbeschäftigten eine Einmalprämie zu gewähren.

EU-Transparenzrichtlinie: Deutschland säumig

Die Arbeitszeitreform steht auch im Kontext europäischer Vorgaben. Im Juni wurde bekannt: Deutschland hat die EU-Entgelttransparenzrichtlinie nicht fristgerecht bis zum 7. Juni umgesetzt. Während Unionspolitiker eine Aufhebung der Richtlinie wegen bürokratischer Hürden forderten, warnten Experten vor Vertragsverletzungsverfahren. Der Gender-Pay-Gap liegt in Deutschland zuletzt bei 16 Prozent.

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