Arbeitszeiterfassung, GEW

Arbeitszeiterfassung: GEW Berlin startet App „LehrZeit!

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die GEW Berlin veröffentlicht die App „LehrZeit!“ zur Dokumentation der Arbeitsbelastung. Eine Studie belegt durchschnittlich 2,5 unbezahlte Überstunden pro Woche.

GEW Berlin startet App zur Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte
Eine Lehrkraft steht in einem hellen Klassenzimmer und hält ein Smartphone zur Dokumentation ihrer Arbeitszeit in der Hand. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bildungsgewerkschaft GEW Berlin hat am 18. August 2026 eine eigene digitale Anwendung zur Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte veröffentlicht. Die App mit dem Namen „LehrZeit!“ soll es den Beschäftigten im Schuldienst ermöglichen, ihre tatsächliche Arbeitsbelastung systematisch zu dokumentieren. Damit reagiert die Organisation auf die anhaltende Debatte über die zeitliche Überbeanspruchung des pädagogischen Personals in der Hauptstadt.

Funktionen und Zielsetzung der neuen Anwendung

Die seit dem 18. August 2026 für Gewerkschaftsmitglieder kostenlos nutzbare Anwendung ist speziell auf die Bedürfnisse des Schulalltags zugeschnitten. Lehrkräfte können ihre Arbeitsstunden nach verschiedenen Kategorien erfassen, um eine detaillierte Übersicht über die Verteilung ihrer Aufgaben zu erhalten. Neben dem Unterricht zählen dazu beispielsweise die Vor- und Nachbereitung, Verwaltungsaufgaben sowie Elterngespräche.

Ein wesentliches Merkmal der App ist die Exportfunktion der gesammelten Daten. Dies soll den Nutzern ermöglichen, ihre Arbeitszeitnachweise gegenüber den Dienststellen oder für persönliche Auswertungen aufzubereiten. Die GEW Berlin, die rund 20.000 Mitglieder vertritt, sieht in diesem Schritt eine notwendige Reaktion auf die strukturelle Überlastung an den Berliner Schulen.

Da eine flächendeckende staatliche Lösung zur präzisen Zeiterfassung im Bildungssektor bislang ausstand, stellt die Gewerkschaft nun ein eigenes Werkzeug bereit, um Transparenz über die geleisteten Stunden zu schaffen.

Studienergebnisse belegen unbezahlte Mehrarbeit

Der Handlungsbedarf wird durch wissenschaftliche Erhebungen untermauert. Eine Studie der Universität Göttingen, für die im Schuljahr 2023/24 insgesamt 1.217 Lehrkräfte befragt wurden, zeichnet ein deutliches Bild der Arbeitssituation in Berlin. Den Ergebnissen zufolge leisten zwei Drittel der Berliner Lehrer unbezahlte Mehrarbeit.

Die Untersuchung beziffert die zusätzliche Belastung im Durchschnitt auf 2,5 Überstunden pro Woche und Vollzeitkraft. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit in der Praxis regelmäßig überschritten wird, ohne dass hierfür ein entsprechender Freizeitausgleich oder eine finanzielle Vergütung erfolgt.

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Die Gewerkschaft nutzt diese Befunde, um die Notwendigkeit einer exakten Zeiterfassung zu betonen, damit die tatsächliche Arbeitsmenge sichtbar gemacht werden kann.

Entwicklungen in anderen Bundesländern

Während Berlin auf eine gewerkschaftseigene Lösung setzt, zeichnen sich in anderen Regionen staatliche Initiativen ab. So wurde bekannt, dass in Bremen zum Schuljahr 2026/27 ein Pilotprojekt zur Arbeitszeiterfassung von Lehrkräften an den Start geht.

Diese Entwicklung wird in der Branche aufmerksam beobachtet, da die rechtlichen Anforderungen an die Arbeitszeiterfassung nach entsprechenden Gerichtsurteilen der vergangenen Jahre auch im öffentlichen Dienst zunehmend unter Druck geraten.

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Die Einführung von „LehrZeit!“ durch die GEW Berlin unterstreicht das wachsende Bestreben von Arbeitnehmervertretungen, die Einhaltung arbeitsschutzrechtlicher Standards im Bildungsbereich aktiv einzufordern. Für die rund 20.000 Mitglieder der Berliner Gewerkschaft stellt die App ab sofort ein Instrument dar, um die Differenz zwischen Sollarbeitszeit und realem Zeitaufwand individuell zu belegen.

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