Arbeitszeiterfassung: Bremen startet Pilotprojekt an neun Schulen
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bremen startet als erstes Bundesland ein Pilotprojekt zur digitalen Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte. Ab dem neuen Schuljahr dokumentieren Lehrer an neun Schulen ihre gesamte Arbeitszeit minutengenau.
Pilotprojekt startet mit neun Schulen
Die Hansestadt setzt damit ein wegweisendes Vorhaben in der deutschen Bildungslandschaft um. Zum Einsatz kommt eine mobile Anwendung des Technologiepartners Untis. Erfasst werden nicht nur Unterrichtsstunden, sondern auch Vor- und Nachbereitung, Korrekturen, Elterngespräche, Verwaltungsaufgaben und Pausenaufsichten.
Das bisherige Deputatsmodell – es definiert die Arbeitszeit primär über die Anzahl der Unterrichtsstunden – bleibt formal bestehen. Die digitale Erfassung soll jedoch Transparenz darüber schaffen, wie viel Zeit tatsächlich für außerunterrichtliche Tätigkeiten anfällt. Ziel ist eine verlässliche Datengrundlage für den Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Politische Weichenstellung und rechtlicher Druck
Verantwortlich für das Projekt zeichnet Bremens Senator für Kinder und Bildung, Mark Rackles. Er hatte bereits vor seiner Amtszeit in Gutachten eine Reform des über 150 Jahre alten Deputatsmodells gefordert. Eine Expertise im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung belegt: Die Mehrheit der Lehrkräfte arbeitet seit Jahrzehnten über die gesetzlichen und tariflichen Normvorgaben hinaus.
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Bremen reagiert mit dem Pilotprojekt explizit auf die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts von 2022 und Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs. Beide verpflichten Arbeitgeber zur Einführung eines Systems zur Erfassung der geleisteten Arbeitszeit. Während andere Bundesländer bei der Umsetzung im Schulbereich zögern, erkennt die Bremer Bildungsbehörde die rechtliche Pflicht nun offiziell an.
Datenschutz und Personalräte: Ein schwieriger Weg
Die Vorbereitung war von intensiven Verhandlungen mit den Personalvertretungen geprägt. Kritiker befürchteten eine mögliche Leistungskontrolle durch die digitalen Systeme. Rackles betont: Die Zeiterfassung sei kein Kontrollinstrument, sondern eine notwendige Maßnahme für den Arbeitsschutz. Die Kompromisse wurden in einer eigenen Dienstvereinbarung festgehalten.
Schon vor dem Start gab es juristische Auseinandersetzungen. Der Personalrat der Schulen wollte eine noch frühere Einführung gerichtlich erzwingen. Das Oberverwaltungsgericht stellte Anfang des Jahres zwar fest, dass die Verpflichtung zur Zeiterfassung grundsätzlich besteht, wies den Eilantrag jedoch zurück.
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Drei Phasen bis zur Auswertung
Das Projekt läuft in drei Stufen: Die Vorbereitungsphase endete im Juli, die Pilotphase umfasst das gesamte Schuljahr 2026/27, ab August 2027 folgt die wissenschaftliche Auswertung der Daten.
Analysiert werden die Ergebnisse gemeinsam mit dem Institut für Qualitätsentwicklung im Land Bremen und der Deutschen Telekom Stiftung. Das Bremer Modell stößt bundesweit auf Interesse – die Bildungsbehörde berichtet regelmäßig an andere Bundesländer. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten als Blaupause für eine flächendeckende Einführung an deutschen Schulen dienen.
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