Arbeitszeit-Reform, Ministerium

Arbeitszeit-Reform: Ministerium plant Wechsel von Tages- zu Wochenregelung

12.06.2026 - 14:40:45 | boerse-global.de

Bundesregierung plant Flexibilisierung der Arbeitszeit. Gewerkschaften warnen vor Belastung, Wirtschaft fordert mehr Spielraum.

Arbeitszeitreform: Bas will tägliche durch wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzen
Arbeitszeit-Reform - Eine Uhr mit unscharfen Zeigern, überlagert von der Silhouette einer Person, die spätabends an einem Schreibtisch arbeitet. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas will noch im Juni einen Gesetzentwurf vorlegen, der die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden durch eine wöchentliche Regelung ersetzt. Das Ziel: mehr Flexibilität nach europäischem Vorbild.

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Streit um die Zehn-Stunden-Marke

Die Pläne waren bereits Gegenstand eines dreistündigen Reform-Gipfels im Kanzleramt am 10. Juni. Neben der Regierungsspitze saßen Vertreter von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden am Tisch. Bundeskanzler Friedrich Merz und die Wirtschaft drängen auf mehr Spielraum. Die Arbeitnehmervertreter warnen vor einer Entgrenzung der Arbeit.

Mit der Umstellung auf die europäische Arbeitszeitrichtlinie könnten Arbeitstage theoretisch auf bis zu 13 Stunden steigen. Das ist die absolute Obergrenze, die sich aus der vorgeschriebenen Ruhezeit von elf Stunden ergibt. Arbeitsrechtler betonen: Längere Schichten lassen sich nicht einfach anordnen, wenn vertraglich andere Regelungen gelten.

Produktivität sinkt ab der zehnten Stunde

Experten geben zu bedenken: Ab der zehnten Arbeitsstunde fällt die Produktivität deutlich. Die Wirtschaft sieht in der Flexibilisierung ein notwendiges Instrument – allein 2025 gingen 150.000 Industriearbeitsplätze verloren. Fachleute für Arbeitssicherheit pochen dagegen auf wirksame Grenzen.

Die Koalition will das gesamte Reformpaket bis zur Sommerpause Mitte Juli durchdrücken. Neben der Arbeitszeit sind Anpassungen bei Rente, Gesundheit und Einkommensteuer geplant. Am 1. Juli trifft sich der Koalitionsausschuss, um die letzten Streitpunkte zu klären.

Gewerkschaften laufen Sturm

Die Arbeitnehmervertreter zeigen sich skeptisch. Eine Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) ergab: Drei Viertel der Beschäftigten befürchten negative Folgen für ihre Work-Life-Balance. Der dbb Beamtenbund warnte vor einer einseitigen Belastungsverschiebung und fordert die Beibehaltung des Acht-Stunden-Tages.

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Verdi-Chef Frank Werneke mahnte nach den Spitzengesprächen: „Reformen dürfen nicht zu einem sozialen Kahlschlag führen.“ Statt Kürzungen fordert er Maßnahmen zur Stärkung der Kaufkraft. Der dbb-Vorsitzende Ulrich Geyer kritisierte zudem die geplante Kürzung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige um 30 Prozent. Das gefährde die Akzeptanz des Sozialstaats.

Schon heute arbeiten viele länger

Der „Index Gute Arbeit 2025“ zeigt: Rund 43 Prozent der Beschäftigten arbeiten häufig länger als acht Stunden pro Tag. Fast die Hälfte von ihnen fühlt sich danach regelmäßig ausgebrannt. WSI-Expertin Dr. Elke Ahlers betont: „Der Schutz durch das Arbeitszeitgesetz ist wichtiger denn je.“

Besonders im Fokus: die älteren Erwerbstätigen zwischen 55 und 64 Jahren. Sie machen fast ein Viertel aller Beschäftigten aus. Studien zufolge wären sie bereit, länger im Beruf zu bleiben – aber nur bei gesünderen Bedingungen und mehr Zeitsouveränität. Kanzler Merz rief die Bürger in seiner Regierungserklärung am 11. Juni zu Veränderungsbereitschaft auf. Die Opposition spricht von einem Angriff auf soziale Standards.

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