Arbeitszeit, Handwerk

Arbeitszeit: Handwerk drängt Schweitzer zu schneller Reform

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 08:43 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
ZDH-Präsident Jörg Dittrich drängt Arbeitsminister Alexander Schweitzer auf eine schnelle Umsetzung flexibler Arbeitszeiten. Zugleich warnt er vor Folgen einer möglichen Einschränkung der Steuerprivilegien für Betriebsvermögen.

Dittrich nennt Folgen für Betriebe

  • Jörg Dittrich fordert von Arbeitsminister Alexander Schweitzer mehr Spielraum bei der Arbeitszeit.
  • Der ZDH-Präsident kritisiert, dass Entwürfe des Arbeitsministeriums seit Monaten ausstehen.
  • Für das Handwerk stehen in den kommenden Jahren weit über 100.000 Betriebsnachfolgen an.
  • Das Bundesverfassungsgericht soll im kommenden Jahr über die Verschonung von Betriebsvermögen entscheiden.
Zentralverband des Deutschen Handwerks (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Handwerk drängt auf Arbeitszeitreform und Schutz bei Erbschaftsteuer

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, erwartet von Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer eine zeitnahe Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten flexiblen Arbeitszeit. Zugleich warnt er vor zusätzlichen Belastungen für Familienbetriebe durch eine mögliche Änderung der Regeln zur Erbschaftsteuer.

Dittrich kritisiert fehlende Entwürfe

Schweitzer müsse den Arbeitsmarkt flexibler machen und Betrieben wie Beschäftigten mehr Spielraum bei der Arbeitszeitgestaltung geben, sagte Dittrich der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das Arbeitsministerium sei seit Monaten Entwürfe schuldig; die bisherigen Skizzen entsprächen „überhaupt nicht der Koalitionsvereinbarung“.

Im Handwerk brauche es Vertrauen und Flexibilisierung, sagte Dittrich. Er wolle den Sozialstaat nicht abbauen, zugleich müsse Solidarität auch Betriebe berücksichtigen, deren Geschäftsmodelle unter großem Druck stünden.

Schwache Stimmung im Handwerk

Der Handwerkspräsident verwies auf den Geschäftsklimaindex, der im ersten Halbjahr nahezu auf dem Niveau der Corona-Pandemie gelegen habe. „Die Stimmung ist mies“, sagte Dittrich.

Betriebsnachfolgen im Mittelpunkt

Dittrich hofft außerdem, dass es im Verfahren zur Erbschaftsteuer vor dem Bundesverfassungsgericht bei der Verschonung des Betriebsvermögens bleibt. In den kommenden Jahren stünden im Handwerk weit über 100.000 Betriebsnachfolgen an, die nicht zusätzlich erschwert oder unmöglich gemacht werden dürften.

Die Debatte werde zu emotional und neidgeprägt geführt, sagte Dittrich. Wer einen Betrieb erbe, übernehme nicht nur Vermögenswerte, sondern auch Verantwortung für Beschäftigte sowie Verpflichtungen wie den Kündigungsschutz.

Verfassungsgericht prüft Verschonungsregeln

Wenn Erbschaftsteuer auf Vermögenswerte fällig werde, die in Maschinen, Kränen und Werkstätten gebunden seien, könne ein gesundes Familienunternehmen in existenzielle Schwierigkeiten geraten, warnte Dittrich. Die Erbschaftsteuer sei deshalb auch eine wirtschaftspolitische Standortfrage im globalen Wettbewerb.

Das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich derzeit mit der Frage, ob die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen im Vergleich zu Privatvermögen rechtmäßig sind. Ein Urteil wird im kommenden Jahr erwartet.

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Die Forderung des Handwerks trifft auf eine seit Jahren geführte Debatte über die Verteilung der Arbeitszeit. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die gesetzliche Regelung stärker auf eine wöchentliche statt auf eine tägliche Höchstarbeitszeit ausgerichtet werden soll. Befürworter versprechen sich davon mehr Spielraum für saisonale Schwankungen, Auftragsspitzen und individuelle Vereinbarungen.

Für viele Handwerksbetriebe ist Flexibilität zugleich eine Reaktion auf Fachkräftemangel, steigende Kosten und veränderte Kundenanforderungen. Längere oder anders verteilte Arbeitstage können Abläufe erleichtern, setzen aber klare Grenzen bei Gesundheitsschutz, Ruhezeiten und der freiwilligen Vereinbarung mit Beschäftigten voraus. Der Konflikt verläuft deshalb nicht allein zwischen Wirtschaft und Politik, sondern auch entlang der Frage, wie verlässlich Arbeitszeit erfasst und kontrolliert wird.

Arbeitszeit und Betriebsnachfolge

Die zweite Forderung Dittrichs betrifft die Erbschaftsteuer und hat für familiengeführte Betriebe eine langfristige Bedeutung. Bei einer Übertragung müssen nicht nur Vermögenswerte, sondern auch Arbeitsplätze, Investitionen und laufende Verpflichtungen berücksichtigt werden. Eine Einschränkung der Verschonungsregeln könnte insbesondere Unternehmen treffen, deren Wert überwiegend in Maschinen, Gebäuden oder Betriebsanlagen gebunden ist.

Die anstehenden Betriebsübergaben machen die rechtliche Entscheidung zu einer Strukturfrage für den Mittelstand. Bleiben die bisherigen Regeln bestehen, würde dies die Planung vieler Nachfolgen erleichtern; Änderungen könnten neue Finanzierungs- und Bewertungsfragen auslösen. Für Beschäftigte, Inhaber und Nachfolger entscheidet sich damit auch, ob Betriebe innerhalb der Familie oder an andere Eigentümer übergehen können.

Politischer Handlungsdruck

Mit der Forderung nach zeitnahen Entwürfen erhöht das Handwerk den Druck auf das Arbeitsministerium. Entscheidend wird sein, ob die Bundesregierung einen Ausgleich zwischen betrieblicher Flexibilität, Schutzstandards und der im Koalitionsvertrag vereinbarten Umsetzung findet.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR: „Handwerkspräsident fordert schnelle Umsetzung der Reformen“ (15.10.2026)

Der Beitrag bestätigt die Forderung nach einer raschen Flexibilisierung der Arbeitszeit und nennt als politischen Zeithorizont noch dieses Jahr. Im Mittelpunkt steht damit stärker der konkrete Gesetzgebungsprozess, während die dts-Meldung zusätzlich die Erbschaftsteuer und die Lage des Handwerks thematisiert.

tagesschau: „BVerfG-Beschluss: Linke gegen Reiche“ (15.10.2026)

Der Beitrag ordnet die verfassungsrechtliche Auseinandersetzung über die Erbschaftsteuer politisch ein. Er setzt einen anderen Schwerpunkt als die Handwerksforderung, macht aber die gesellschaftliche Kontroverse sichtbar, in der die geplante Prüfung der Verschonungsregeln steht.

Beide Beiträge stützen die Aktualität der Arbeitszeit- und Erbschaftsteuerdebatte, setzen jedoch unterschiedliche Akzente: Der BR fokussiert den Reformdruck, die tagesschau die politische und verfassungsrechtliche Auseinandersetzung.

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