Arbeitszeit: BAuA warnt vor Gesundheitsrisiken ab 9 Stunden täglich
24.06.2026 - 00:18:23 | boerse-global.de
Das zeigt ein neues systematisches Review der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Die am 23. Juni veröffentlichte Untersuchung wertete 134 Studien aus den Jahren 2013 bis 2025 aus. Das Ergebnis: Ab einer täglichen Arbeitszeit von neun Stunden steigen die Risiken für Beschäftigte signifikant an.
Die Veröffentlichung kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Aktuell wird heftig über eine Reform des Arbeitszeitgesetzes debattiert.
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Unfallrisiko steigt exponentiell
Die Gefahren nehmen mit jeder zusätzlichen Arbeitsstunde zu. Ab der neunten Stunde steigt das Risiko für Fehler und Sicherheitsvorfälle. Ein begleitendes BAuA-Dossier spricht sogar von einem exponentiellen Anstieg der Unfallgefahr.
Bei mehr als zehn Stunden täglicher Arbeit wächst die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders drastisch sind die Befunde bei Zwölf-Stunden-Tagen: Hier steigt das Risiko für Diabetes Typ 2 und Burnout-Symptome deutlich.
Die Bundesanstalt plädiert daher klar für die Beibehaltung der täglichen Höchstarbeitszeit als Schutzmaßnahme.
Deutsche arbeiten deutlich länger als vertraglich vereinbart
Ein zweites BAuA-Dossier vom 24. Juni zeigt die Realität in deutschen Betrieben. Vollzeitbeschäftigte leisten im Schnitt 43 Stunden pro Woche – die vertragliche Arbeitszeit liegt aber nur bei 38,4 Stunden. Besonders lange Wochen mit 48 Stunden oder mehr betreffen 14 Prozent der Männer und 6 Prozent der Frauen.
Internationale Daten untermauern diesen Trend. Eine österreichische GPA-Studie vom Frühjahr 2026 ergab: Mehr als ein Drittel der Beschäftigten glaubt nicht, den eigenen Beruf bis zur Rente ausüben zu können. Hauptgründe: Zeitdruck und psychische Belastungen.
Streit um Arbeitszeitreform entbrannt
Parallel zu den Forschungsergebnissen sorgt ein Referentenentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas für Zündstoff. Der am 19. Juni bekannt gewordene Plan sieht vor, die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden grundsätzlich beizubehalten – aber unter bestimmten Bedingungen aufzuweichen.
Konkret sollen Tarifvertragsparteien künftig eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit vereinbaren können. Dann wären Arbeitstage von über zehn Stunden möglich. Die Ruhezeit von elf Stunden könnte entfallen. Voraussetzung: Ein Zwölf-Monats-Durchschnitt von maximal 48 Wochenstunden.
Der Entwurf sieht zudem eine verpflichtende elektronische Zeiterfassung vor. Für kleine und mittlere Unternehmen sollen Übergangsfristen gelten.
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Psychologen warnen – Wirtschaft fordert längeres Arbeiten
Die geplante Lockerung spaltet die Lager. Die Initiative AOP-GA – ein Zusammenschluss aus Psychologenverbänden und der PASiG – warnte am 23. Juni vor den Folgen. Längeres Arbeiten führe nicht automatisch zu höherer Leistung, erhöhe aber Fehlzeiten und Frühverrentung. Eine DGB-Umfrage zeigt zudem: 98 Prozent der Beschäftigten lehnen Arbeitstage über zehn Stunden ab.
Ganz anders klingt es aus der Wirtschaft. Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller forderte am 22. Juni eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. Längeres Arbeiten sei zumutbar, da Deutschlands Produktivitätsvorteil verloren gegangen sei.
Kritik kommt auch vom Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) und der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Ludwigshafen. Ihre Argumentation: Die geplante Flexibilisierung nütze nur tarifgebundenen Unternehmen. Da aber nur etwa die Hälfte der Beschäftigten und ein Bruchteil der Betriebe tarifgebunden sind, fordern die Verbände eine Wochenhöchstarbeitszeit für alle – und weniger Bürokratie bei der Zeiterfassung.
