Arbeitszeit, Bas

Arbeitszeit: Bas plant Abkehr vom Acht-Stunden-Tag ab sofort

22.06.2026 - 11:52:37 | boerse-global.de

Bundesarbeitsministerium plant Abkehr vom Acht-Stunden-Tag. Mercedes-Aufsichtsrat Brudermüller fordert längere Wochenarbeitszeit bei gleichem Lohn.

Arbeitszeit-Debatte: Flexiblere Regeln und 40-Stunden-Forderung
Arbeitszeit - Eine Nahaufnahme eines modernen Zifferblatts mit Zeigern, die auf eine längere Arbeitszeit hindeuten, mit der Silhouette eines Büroangestellten im Hintergrund. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein Gesetzentwurf des Bundesarbeitsministeriums will die tägliche Arbeitszeit flexibilisieren – während Industrie-Vertreter deutlich längere Wochenarbeitszeiten fordern.

Reform: Abkehr vom Acht-Stunden-Tag

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas legte im Juni einen Referentenentwurf vor, der eine Abkehr vom bisherigen Acht-Stunden-Tag ermöglicht. Künftig soll eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten, sofern Tarifverträge dies regeln. Auch die gesetzliche Ruhezeit von elf Stunden könnte unter bestimmten Bedingungen entfallen.

Ein zentraler Punkt: Die elektronische Arbeitszeiterfassung noch am selben Kalendertag wird Pflicht. Das Ministerium will so Missbrauch vorbeugen. Die Union lehnt den Entwurf ab. Das Ministerium betont, das Verfahren laufe noch.

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Brudermüller: „Wieder länger arbeiten“

Martin Brudermüller, Aufsichtsratschef von Mercedes-Benz, sprach sich am heutigen Montag für die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche aus. Der Produktivitätsvorteil Deutschlands sei verloren gegangen, die Arbeitskosten im internationalen Vergleich zu hoch. „Es ist den Beschäftigten zuzumuten, wieder länger zu arbeiten“, so Brudermüller.

Er schlägt vor: mehr Arbeit bei gleichem Gehalt. In der Automobilindustrie ist die 35-Stunden-Woche Standard. Die Forderung fällt in eine schwierige Phase: Analysten senkten jüngst das Kursziel für Mercedes-Benz, nachdem der Gewinn eingebrochen war.

Wirtschaft und Gewerkschaften kritisieren

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) übt scharfe Kritik an den Plänen. Präsident Dirk Jandura spricht von einem „Bruch mit dem Koalitionsvertrag“. Die Kopplung der Flexibilisierung an Tarifbindung benachteilige kleine und mittlere Unternehmen. Auch die neuen Dokumentationspflichten stoßen auf Ablehnung.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt vor Ausbeutung durch die Aufweichung täglicher Höchstgrenzen. Laut einer Umfrage lehnen 72 Prozent der Arbeitnehmer längere Arbeitstage ab. Bereits 2024 seien 638 Millionen unbezahlte Überstunden geleistet worden.

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Größeres Reformpaket: Rente, Wohngeld, Steuern

Die Arbeitszeit-Debatte ist Teil eines größeren Pakets. Eine Rentenkommission soll am Dienstag Vorschläge vorlegen – unter anderem zur Abschaffung der Rente mit 63 und zur Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Perspektivisch könnte das Alter auf bis zu 70 Jahre steigen.

Anfang Juli berät der Koalitionsausschuss über das Gesamtpaket. Es umfasst auch Anpassungen beim Wohngeld und steuerliche Änderungen. Der Widerstand in der Bevölkerung wächst: In mehreren Bundesländern gab es zuletzt Proteste gegen längere Arbeitszeiten und Kürzungen.

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