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Arbeitszeit: Arbeitgeber fordern 40-Stunden-Woche statt 35 Stunden

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Arbeitgeberpräsident drängt auf Arbeitszeitreform und Rentenkonzept. Industrie fordert 40-Stunden-Woche, Gewerkschaften protestieren. Streit um Befristungen, Steuern und Minijobs.

Arbeitszeitdebatte: Arbeitgeberpräsident fordert Reform des Arbeitszeitgesetzes und Rentenplan
Ein moderner, heller Arbeitsplatz mit Blick in eine Fertigungshalle im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der Debatte um die künftige Gestaltung der Arbeitswelt hat der Arbeitgeberpräsident eine grundlegende Reform des Arbeitszeitgesetzes sowie die Vorlage eines konkreten Rentenplans angemahnt.

In einer Stellungnahme Mitte August reagierte er damit auf den anhaltenden Streit um die Flexibilisierung der täglichen Höchstarbeitszeit. Während Arbeitgeberverbände eine Abkehr vom starren 8-Stunden-Tag fordern, stoßen die Pläne auf massiven Widerstand der Gewerkschaften.

Vorstoß für längere Wochenarbeitszeiten

Die Diskussion gewinnt durch Forderungen aus der Industrie an Schärfe. Unternehmen wie Stihl und Mercedes-Benz plädieren für die Einführung einer 40-Stunden-Woche, die die bisherige 35-Stunden-Woche bei gleichbleibendem Lohn ersetzen soll.

Unterstützung erhalten diese Forderungen durch Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach könne eine 40-Stunden-Woche die Arbeitskosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit stärken, sofern die produzierten Güter am Markt absetzbar seien.

Andere Forschungsinstitute äußern sich zurückhaltender. Während das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Auswirkungen als unklar einstuft, sieht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Ursache der aktuellen wirtschaftlichen Probleme nicht in der Arbeitszeit. Vielmehr stecke die Wirtschaft in einer Erneuerungskrise, die durch Arbeitszeitverlängerungen allein nicht gelöst werden könne.

Politische Entwürfe und internationale Vergleiche

Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) vermied zuletzt die Nennung konkreter Zahlen zu einem entsprechenden Gesetzentwurf. In den Fraktionen kursiert jedoch ein zweiseitiges Papier, das unter dem Schlagwort Wochenarbeitszeit firmiert.

In Österreich forderte Kari Ochsner, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich, ebenfalls drastische Schritte. Er schlug entweder eine 41-Stunden-Woche oder die Streichung von Feiertagen vor. Mit derzeit 13 gesetzlichen Feiertagen liegt Österreich im europäischen Vergleich hinter Spanien und Portugal, die jeweils 14 Tage verzeichnen.

Diese Vorschläge stießen umgehend auf Kritik. Die GPA-Vorsitzende Barbara Teiber warf der Arbeitgeberseite vor, Anwesenheitszeit mit Produktivität zu verwechseln. Auch aus der Politik kam Widerspruch: FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch kritisierte die Forderungen nach Arbeitszeitverlängerung, Sonntagsöffnungen und Selbstbehalten in Krankenhäusern als koordiniertes Vorgehen zum Nachteil der Arbeitnehmer.

Flexibilisierung und steuerliche Rahmenbedingungen

Neben der Arbeitszeit rücken weitere arbeitsrechtliche Regelungen in den Fokus. BDA-Hauptgeschäftsführer Kampeter drängt auf die schnelle Umsetzung von Plänen, die eine sachgrundlose Befristung von Arbeitsverhältnissen bis zu 48 Monaten bei bis zu sechs Verlängerungen ermöglichen sollen.

Im Jahr 2025 waren rund 2,2 Millionen Menschen befristet beschäftigt, wobei besonders die Gruppe der 15- bis 25-Jährigen mit einer Quote von 18 Prozent betroffen war. Der DGB bezeichnete diese Entwicklung als alarmierend.

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Kritik übt der Handelsverband Deutschland (HDE) zudem an den aktuellen Steuerplänen. Ein geplantes Entlastungsvolumen von 3 Milliarden Euro für das Jahr 2027 entspreche lediglich einer Entlastung von 6 Euro pro Haushalt und Monat. Gleichzeitig warnte HDE-Hauptgeschäftsführer Genth vor einer Anhebung der Einkommensteuer für höhere Einkommen.

Zusätzliche Belastungen drohen durch Pläne von Finanzminister Klingbeil, den seit 20 Jahren unveränderten Steuerfreibetrag für Mitarbeiterrabatte in Höhe von 1080 Euro zu streichen. Während Vertreter von Union und Grünen dies als verdeckte Gehaltskürzung kritisieren, betonte die BDA, dass Belegschaftsrabatte ein Zeichen gelebter Wertschätzung seien.

Spannungen in der Logistik und bei Minijobs

Auch in der Hafenlogistik verschärft sich die Lage. Die Gewerkschaft Verdi lehnte ein Angebot der Arbeitgeber für die Seehäfen ab, das eine Lohnsteigerung von 5,1 Prozent bei einer Laufzeit von 19 Monaten vorsah. Gefordert werden stattdessen 8,2 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Rund 6.100 Beschäftigte beteiligten sich an einer Befragung; Warnstreiks wurden bereits angedroht.

Sorgen bereitet dem Handel zudem eine mögliche Reform der Minijobs. Eine Rentenkommission schlägt vor, Sozialabgaben auch für diese Beschäftigungsverhältnisse einzuführen. Der HDE warnt, dass dies hunderttausende Arbeitsplätze vernichten könnte.

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Von den 7,9 Millionen Minijobbern (Stand 2025) würde ein Einzelner bei Einführung der Abgaben rund 130 Euro netto weniger im Monat erhalten. Die Verdienstgrenze soll nach aktuellen Planungen von 603 Euro auf 633 Euro im Jahr 2027 steigen.

Abgerundet wird das angespannte Bild auf dem Arbeitsmarkt durch eine zunehmende Skepsis der Arbeitgeber gegenüber Krankmeldungen. Unter Berufung auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2021 zweifeln immer mehr Betriebe den Beweiswert ärztlicher Atteste an.

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