Arbeitsunfälle durch Gewalt: Zahl fast verdoppelt auf 1.752
07.06.2026 - 20:03:02 | boerse-global.de
Hintergrund sind steigende Unfallzahlen und massive Verluste durch unbezahlte Überstunden.
Immer mehr Gewalt am Arbeitsplatz
86,4 Prozent aller Erwerbstätigen sind mindestens einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Besonders dramatisch: Die Zahl der Arbeitsunfälle durch Gewalt hat sich fast verdoppelt. Waren es 2020 noch 943 Vorfälle, stieg die Zahl bis 2025 auf 1.752.
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Dabei zeigen Studien: Eine Erhöhung der Inspektionsdichte um zehn Prozent könnte die Unfallzahlen um etwa zwei Prozent senken. Die AK fordert deshalb mehr Personal – nicht nur für die Arbeitsinspektion, sondern auch für Finanzpolizei und Krankenkassen.
Milliardenverlust durch unbezahlte Arbeit
Jährlich werden rund 45,9 Millionen Überstunden in Österreich nicht bezahlt. Für die Beschäftigten bedeutet das einen Einkommensverlust von etwa 2,5 Milliarden Euro. Dem Staat entgehen durch fehlende Steuern und Sozialabgaben weitere 1,23 Milliarden Euro.
Auch die Schwarzarbeit nimmt zu. Allein im Bereich der Handwerkskammer Dresden wurden 2025 rund 3.500 Ermittlungsverfahren eingeleitet – die Schadenssumme: 14 Millionen Euro. Experten sehen die Ursachen in der schwachen Konjunktur und hohen Abgaben.
Kontrollen in der Landwirtschaft eingebrochen
Besonders prekär ist die Lage in der Saisonarbeit. Rund 220.000 Menschen arbeiten hier – doch die Kontrollen durch den Zoll sind drastisch gesunken. Von 839 Überprüfungen im Jahr 2021 auf nur noch 274 im Jahr 2024.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen: 2025 mussten Saisonarbeiter etwa 14 Kilogramm Spargel pro Stunde ernten. Arbeitstage von bis zu 16 Stunden sind keine Seltenheit. Eine Gesetzesänderung erlaubt zudem, Saisonkräfte bis zu 90 Tage ohne Sozialversicherung zu beschäftigen. Das kostet die Sozialkassen schätzungsweise 150 Millionen Euro.
Sparpläne der Regierung als Zankapfel
Die Forderungen der AK kollidieren mit den Sparplänen der Regierung. Das Doppelbudget 2027/28 sieht Einsparungen von 5,1 Milliarden Euro vor – allein der Arbeitsmarkt soll über eine Milliarde beitragen. Finanzminister Marterbauer stellt die Pläne am 10. Juni im Nationalrat vor.
Während Industrievertreter die Einsparungen für zu gering halten, warnt die AK vor weiteren Kürzungen bei den Kontrollinstanzen. „Das wäre ein fatales Signal", so die Arbeitnehmervertreter.
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Neue Regeln für Lohntransparenz
Parallel dazu legte Arbeitsministerin Korinna Schumann einen Entwurf zur EU-Lohntransparenzrichtlinie vor. Unternehmen ab 100 Mitarbeitern müssen künftig regelmäßig Einkommensberichte erstellen. Ziel: den Gender Pay Gap zu schließen – der lag 2024 in Deutschland bei 15,6 Prozent, EU-weit bei 11,1 Prozent.
Die Gewerkschaften begrüßen den Vorstoß. Die Wirtschaftsverbände hingegen kritisieren den bürokratischen Aufwand. Ob der Entwurf die Sparrunde unbeschadet übersteht, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.
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