Arbeitssicherheit: Unternehmen erweitern Schulungen auf Schlaganfall und Psyche
Veröffentlicht am: 04.07.2026 um 21:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die klassische Erste-Hilfe-Ausbildung reicht vielen nicht mehr aus. Stattdessen integrieren Betriebe Schulungen zur Schlaganfallerkennung und mentalen Gesundheit in ihre Sicherheitskonzepte. Ziel: Ausfallzeiten reduzieren und die Arbeitssicherheit erhöhen.
Schlaganfall-Prävention: Auszeichnung für Alstom
Ein Vorzeigeprojekt kommt aus Spanien. Die Alstom-Niederlassung in Trápaga erhielt Anfang Juli 2026 das „Brain Sandbox“-Zertifikat sowie die Auszeichnung als „Brain Protected Area“. Gemeinsam mit der Fundación Freno al Ictus und der Spanischen Neurologiegesellschaft schulte das Werk seine Mitarbeiter im Erkennen von Schlaganfallsymptomen. Der sogenannte FAST-Test hilft dabei, Anzeichen schnell zu identifizieren. Frühzeitiges Handeln mildert medizinische Folgen und minimiert betriebliche Ausfallzeiten.
Mentale Gesundheit: „Mental Health First Aider“ im Betrieb
Psychische Belastungen in der Arbeitswelt nehmen zu. HR-Expertin Katrin Andraschko betont: Besonders die Generation Z macht die psychische Gesundheit zum zentralen Kriterium bei der Arbeitgeberwahl. Die wirtschaftliche Relevanz ist enorm: Laut WHO bringt jeder in Prävention investierte Euro bis zu fünf Euro Rendite. Ein psychisch bedingter Arbeitsausfall kostet Unternehmen im Schnitt rund 13.000 Euro. Immer mehr Betriebe setzen deshalb auf „Mental Health First Aider“ und anonyme Coaching-Angebote.
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Pflichtprogramm: Klassische Erste-Hilfe-Kurse bleiben zentral
Trotz neuer Schwerpunkte bleibt die Grundausbildung unverzichtbar. Organisationen wie die Malteser bieten weiterhin zertifizierte Lehrgänge an. Ein Beispiel: Am 7. Juli 2026 startet in Wiesbaden eine eintägige Ausbildung mit Reanimation, AED-Einsatz und stabiler Seitenlage. Die Kurse sind nach DGUV-Vorgaben zertifiziert und für Betriebe verpflichtend. Auch private Anbieter wie M-A-U-S verzeichnen stabile Nachfrage an ihren bundesweiten Standorten. Die Kurse umfassen neun Unterrichtseinheiten und gelten für Führerschein und betriebliche Ersthelfer. Unternehmen wie LUKE’S suchen derzeit verstärkt Erste-Hilfe-Trainer.
Virtual Reality: Digitale Innovation in der Notfallausbildung
Die Ausbildung wird digitaler. Im Kreis Herford entsteht eine Virtual-Reality-Plattform für Notfallszenarien. Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von 6,7 Millionen Euro soll Ende 2026 den Betrieb aufnehmen. Die Kombination aus realen Übungsräumen und virtuellen Szenarien bereitet Einsatzkräfte auf komplexe Situationen vor – ohne physische Gefährdung und mit unbegrenzten Übungsmöglichkeiten.
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Krankschreibungs-Debatte: Neue Regeln gefährden Arbeitssicherheit?
Eine gesundheitspolitische Diskussion sorgt für Unruhe. Im Juli 2026 warnen AOK und Hausärzteverband vor einer geplanten Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. DIW-Ökonom Daniel Graeber warnt: Erkrankte könnten trotz Infektionsgefahr zur Arbeit kommen, um den Arztbesuch zu vermeiden. Die Folge: höhere Fehlzeiten im Unternehmen. Zudem würde das Ende der telefonischen Krankschreibung die Praxen mit bis zu 30 Millionen zusätzlichen Besuchen belasten. Experten fordern eine wissenschaftliche Grundlage für die Neugestaltung – bevor die Gesundheit der Belegschaften leidet.
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