Arbeitsschutz: Cybersicherheit wird Pflicht ab Januar 2026
27.06.2026 - 17:08:53 | boerse-global.de
Technische Defekte an betagtem Rollmaterial, extreme Witterung, Verkehrsunfälle und neue IT-Sicherheitsauflagen setzen die Museumsbahnen unter Druck.
Kollision und Kabelbruch: Wenn der Zug stehen bleibt
Besonders hart traf es die Döllnitzbahn. Am 23. Juni kollidierte in Oschatz eine Lokomotive an einem Bahnübergang mit einem Lastwagen und entgleiste. Der Sachschaden liegt im sechsstelligen Bereich. Bitter für den Betreiber: Die Lok war erst am 2. Juni nach einer Hauptuntersuchung wieder in Dienst gestellt worden. Nun fällt sie für drei bis vier Monate aus. Besonders der Schülerverkehr zwischen Oschatz Südbahnhof und dem Bahnhof Oschatz ist betroffen. Der Fahrer des Lastwagens gab an, durch einen Bienenstich medizinisch abgelenkt gewesen zu sein.
Doch nicht nur Unfälle legen die Strecken lahm. Auch die Technik macht Probleme. Die Strecke zwischen Uelzen und Gifhorn musste wegen eines Kabelschadens am Zugfunk gesperrt werden. Erst seit dem Nachmittag des 26. Juni ist der Abschnitt für den Regionalverkehr wieder frei.
Hitze zwingt Parkeisenbahn in die Knie
Die Dresdner Parkeisenbahn stellte ihren Betrieb bis zum 28. Juni ein. Grund: extreme Hitze. In den Schlossparks drohen bei solchen Temperaturen Astabbrüche. Sämtliche Veranstaltungen und Führungen wurden abgesagt. Hitzebedingte Ausfälle häufen sich und werden zum organisatorischen Problem für Museen und Parkbahnen.
Andere halten trotzdem durch: Die Bergischen Museumsbahnen planen für den 28. Juni einen regulären Fahrtag mit historischen Straßenbahnen ab dem Betriebshof Kohlfurther Brücke.
Neue Pflicht: IT-Sicherheit im Arbeitsschutz
Seit dem 15. Januar 2026 ist die technische Regel TRBS 1115 Teil 1 in Kraft. Sie schreibt vor: Cybersicherheit muss in die Gefährdungsbeurteilungen im Arbeitsschutz einfließen. Das betrifft auch Museen und Verkehrsbetriebe. Denn IT-Systeme steuern und verwalten immer mehr Bereiche.
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Die Bedrohung ist real. Am 15. März 2024 traf ein massiver Cyberangriff das Deutsche Meeresmuseum Stralsund. Zwei Drittel der Systeme wurden verschlüsselt. Auch das Naturkundemuseum Berlin und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden waren schon Ziele solcher Attacken. In Stralsund blieben die Aquarien durch eine getrennte Sicherung verschont – die Verwaltung war wochenlang ohne E-Mail und Telefon. Experten fordern deutlich höhere Investitionen in die IT-Infrastruktur.
Bundesweite Funkpanne: Ein Switch legt das Netz lahm
Die Anfälligkeit der Technik zeigte sich auch bei einer bundesweiten Störung im Zugfunknetz der Deutschen Bahn in der Nacht zum 24. Juni. Ein Fehler im GSM-R-Funksystem – ausgelöst durch den planmäßigen Tausch eines Switches – legte den Verkehr für etwa zwei Stunden lahm. Das System ist über 20 Jahre alt, ein Nachfolger kommt frühestens in zehn Jahren.
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Die Bahn reagierte: Der Komponententausch wurde vorläufig ausgesetzt, Wartungsarbeiten sind künftig nur zwischen 0 und 4 Uhr erlaubt. Sicherheitspolitiker fordern eine kritische Prüfung der verwendeten Hardware, um die Stabilität langfristig zu sichern.
