Arbeitsschutz 2026-2029: GDA setzt Fokus auf psychische Belastungen
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) hat am 14. August 2026 den Beginn einer neuen Prüfperiode für die Jahre 2026 bis 2029 angekündigt. Im Zentrum der strategischen Ausrichtung stehen in den kommenden Jahren verstärkt die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz.
Diese Schwerpunktsetzung erfolgt vor dem Hintergrund einer besorgniserregenden Entwicklung bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten, wie aktuelle Daten gesetzlicher Krankenkassen und medizinischer Institute belegen.
Langzeitkrankenstand und psychische Diagnosen nehmen zu
Aktuelle Auswertungen der AOK Rheinland/Hamburg für das erste Halbjahr 2026 zeigen ein differenziertes Bild des Krankenstandes. Zwar sank die allgemeine Quote leicht auf 7,04 Prozent, nachdem sie im ersten Halbjahr 2025 noch bei 7,22 Prozent und im Vorjahreszeitraum 2024 bei 7,30 Prozent gelegen hatte.
Dieser Rückgang ist jedoch ausschließlich auf kürzere Erkrankungen zurückzuführen. Der Anteil der Langzeitkrankenstände mit einer Dauer von mehr als 42 Tagen stieg hingegen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 von 1,73 Prozent auf 1,76 Prozent an.
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Besonders deutlich zeigt sich der Handlungsbedarf im Bereich der psychischen Erkrankungen. Laut der Krankenkasse stiegen die entsprechenden Diagnosen im ersten Halbjahr 2026 um 7,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde ein Zuwachs von 9,4 Prozent verzeichnet. Die Grippewelle des laufenden Jahres gilt seit März 2026 als beendet, sodass diese Faktoren die Statistik nicht mehr maßgeblich beeinflussen.
Massive Zunahme von Belastungsreaktionen im Zehnjahresvergleich
Regionale Daten unterstreichen den langfristigen Trend. In Sachsen-Anhalt berichtete die dortige AOK für das Jahr 2025 von rund 22.100 Fällen akuter Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. Im Vergleich zum Jahr 2015, als noch 4.160 Fälle registriert wurden, entspricht dies einer Vervielfachung der Diagnosen.
Die damit verbundenen Ausfalltage stiegen in diesem Zeitraum von 110.000 auf 516.000 Tage an. Als größte Krankenkasse im Land mit rund 854.000 Versicherten liefert die AOK Sachsen-Anhalt damit repräsentative Einblicke in die regionale Arbeitswelt.
Auch der Zi-Trendreport bestätigt eine steigende Inanspruchnahme psychiatrischer und psychotherapeutischer Leistungen. Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Behandlungsfälle um 3,6 Prozent auf insgesamt 14,6 Millionen.
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Während die Einzeltherapien mit einem Zuwachs von 0,9 Prozent auf 4,4 Millionen Fälle stabil blieben, verzeichneten Gruppentherapien ein deutliches Plus von 23,6 Prozent auf 464.000 Fälle.
Engpässe in der psychiatrischen Versorgung
Die Situation in der stationären Versorgung verschärft den Druck auf das System. Das Psychiatrie-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts, basierend auf einer Befragung von 295 Einrichtungen, zeigt erhebliche Belastungen auf. Demnach berichten 52 Prozent der Kliniken von einer Zunahme bei Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen.
Zudem gaben 44 Prozent vermehrt Internet- oder Medienabhängigkeiten und jeweils 42 Prozent häufigere suizidale Krisen sowie Angststörungen an. Depressionen nahmen laut 39 Prozent der befragten Häuser zu. In zwei Dritteln der Kinder- und Jugendpsychiatrien müssen Patienten mit Wartezeiten von acht Wochen oder mehr rechnen.
Prävention und Beratungsangebote
Um der Entwicklung entgegenzuwirken, wurden verschiedene Präventionsmaßnahmen initiiert. In der Stadt Fürth startete im April 2026 das Projekt „Stressfreies und resilientes Leben in Fürth“, das bis Dezember 2029 läuft und von der Techniker Krankenkasse gefördert wird. Ziel ist die Stärkung der psychischen Gesundheit und Gewaltprävention durch Schulungen für Multiplikatoren in Kitas, Schulen und Vereinen.
Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bietet zudem die Anlaufstelle Perspektive Arbeit & Gesundheit (PAG) Unterstützung an. Am 27. August findet im Bildungszentrum der IHK Elbe-Weser in Stade zwischen 10:00 und 14:30 Uhr eine kostenfreie Sprechstunde zu Fragen beruflicher Belastung statt. Eine vorherige Anmeldung ist hierfür erforderlich.
