Arbeitsrecht-Reform, Befristungen

Arbeitsrecht-Reform: Befristungen von 2 auf 4 Jahre ausgeweitet

Veröffentlicht am: 03.07.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bundesregierung beschließt Reformpaket mit erweiterten Befristungen, digitalen Verträgen und strengeren Krankmeldungen.

Arbeitsrecht 2026: Neue Regeln für Befristung und Onboarding
Neue Mitarbeiter nutzen digitale Geräte in einem modernen Büro für das Onboarding, symbolisch für digitale Prozesse und Mitarbeiterbindung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesregierung hat Anfang Juli 2026 ein umfassendes Reformpaket verabschiedet, das Arbeitsrecht und betriebliche Personalstrategie grundlegend verändert. Unternehmen setzen angesichts von Fachkräftemangel und sinkender Mitarbeiterzufriedenheit verstärkt auf digitale Lösungen.

Befristungen werden ausgeweitet

Am 2. Juli stellte die Bundesregierung das Programm „Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ vor. Zentrale Neuerung: Die sachgrundlose Befristung wird von zwei auf vier Jahre ausgeweitet – für Neueinstellungen bis zum 31. Dezember 2030. Bis zu sechs Verlängerungen sind innerhalb dieses Zeitraums zulässig.

Der Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom IAB sieht darin die nötige Flexibilität für Unternehmen. Der Kündigungsschutz für Bestandsmitarbeitende bleibe unberührt.

Digitale Verträge und strengere Krankmeldungen

Zum 1. Januar 2027 entfällt das Schriftformerfordernis für Befristungen. Das ebnet den Weg für rein digitale Vertragsschlüsse. Parallel verschärfen sich die Regeln für Krankmeldungen: Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft. Arbeitgeber können eine Attestpflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag einfordern.

Experten führen den statistischen Anstieg der Krankenstände seit Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) 2022 auf lückenlosere Erfassung zurück.

Onboarding wird zum strategischen Hebel

Die ersten Arbeitstage entscheiden immer stärker über den Verbleib neuer Kräfte. Das Fraunhofer IAO betonte Anfang Juli, dass Onboarding ein strategischer Hebel sei, um hybride Arbeitsformen und Veränderungsdynamiken zu meistern. Entscheidend: psychologische Sicherheit, gelebte Lernkultur und Führungsqualität.

Anzeige

Warum so viele neue Mitarbeiter in den ersten 90 Tagen wieder kündigen – und wie Sie das verhindern. Ein strukturiertes Onboarding ist der entscheidende Unterschied: Kostenlose Checkliste zeigt, was die meisten Unternehmen übersehen. Strategischen Onboarding-Leitfaden jetzt kostenlos sichern

Die Dringlichkeit zeigen aktuelle Zufriedenheitswerte. Laut Daten des Unternehmens Flip fühlten sich 2025 nur 24 Prozent der Beschäftigten in Deutschland am Arbeitsplatz wohl – 2023 waren es noch 41 Prozent. Besonders bei Teams ohne festen PC-Arbeitsplatz klafft eine Lücke: 60 Prozent der Frontline-Beschäftigten haben keine Mitarbeiter-App.

Elektronische Personalakte wird Pflicht

Ab 1. Januar 2027 müssen Unternehmen entgeltrelevante Unterlagen in einer elektronischen Personalakte führen. Die Umstellung verspricht Kosteneinsparungen, schnellere Zugriffe und bessere Datenschutzkonformität.

Viele Unternehmen nutzen bereits spezialisierte Software. Im Januar 2026 startete etwa die SaaS-Plattform onBoardly, die die Kommunikation vor dem Stellenantritt verbessern soll. Das Netzwerk HRNeeds bietet ab Juli 2026 in Kooperation mit der DGFP kostenlose Webinare zu KI im Recruiting, Onboarding-Tools und HR-Analytics an.

Reformen für Spitzenverdiener und Sonntagsarbeit

Das Paket bringt auch Erleichterungen für die Trennung von Spitzenverdienern. Ab 2027 sollen Auflösungen von Arbeitsverhältnissen gegen Abfindung rechtlich vereinfacht werden – wenn das Jahreseinkommen das 1,75-fache der Beitragsbemessungsgrenze übersteigt. Die Koalition plant zudem steuerliche Anreize für schnelle Jobwechsel.

Für Arbeit an Sonn- und Feiertagen steigt die Stundenlohn-Obergrenze für steuerfreie Zuschläge ab 2027 auf 75 Euro. Diese Zuschläge bleiben beitragsfrei in der Sozialversicherung.

Anzeige

Gratis-Checkliste: So stellen Personalverantwortliche in Minuten fest, ob ihre Zuschläge lohnsteuerfrei sind. Das neue E-Book liefert klare Antworten zu Sonn- und Feiertagsarbeit – verständlich und ohne Juristendeutsch. E-Book Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge kostenlos herunterladen

Digitale Vorsorge mit Akzeptanzproblemen

Während die neuen Regelungen die Attraktivität bestimmter Arbeitsmodelle steigern sollen, kämpfen andere digitale Angebote noch um Nutzer. Bei der digitalen Rentenübersicht registrierten sich bis Ende 2025 rund 320.000 Nutzer – weniger als ein Prozent der Berechtigten. Fachleute fordern eine stärkere Einbindung der Arbeitgeber, um die Reichweite digitaler Vorsorgetools zu erhöhen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69681502 |