Arbeitsrecht-Reform: 34 Maßnahmen lockern Kündigungsschutz ab Januar
03.07.2026 - 14:20:26 | boerse-global.de
Es bringt weitreichende Änderungen im deutschen Arbeitsrecht. Im Zentrum steht die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes – mit Lockerungen beim Kündigungsschutz und neuen Befristungsmöglichkeiten.
Lockerung des Kündigungsschutzes für Spitzenverdiener
Ein Kernstück der Reform: Für Beschäftigte mit einem Jahreseinkommen ab 177.450 Euro gelten künftig erleichterte Kündigungsbedingungen. Die Grenze entspricht dem 1,75-Fachen der Beitragsbemessungsgrenze für 2026.
Ab dem 1. Januar 2027 können Arbeitgeber in diesem Segment Arbeitsverhältnisse gegen Abfindung auflösen – ohne einen spezifischen Grund nennen zu müssen. Die Koalition plant zudem eine steuerliche Privilegierung von Abfindungen. Voraussetzung: Die betroffenen Arbeitnehmer nehmen zeitnah einen neuen Job an. Ziel ist eine Dynamisierung des Arbeitsmarktes und die Erleichterung von Restrukturierungen.
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Befristungen: Doppelt so lang, doppelt so viele Verlängerungen
Parallel dazu weitet die Regierung die sachgrundlose Befristung massiv aus. Die maximale Dauer steigt von 24 auf 48 Monate. Die Anzahl möglicher Verlängerungen innerhalb dieses Zeitraums erhöht sich auf sechs. Die Regelung gilt für alle Arbeitnehmer, die bis Ende 2030 eingestellt werden.
Ab Januar 2027 fällt zudem das Schriftformerfordernis bei Befristungen weg. Arbeitsmarktökonom Simon Jäger sieht darin einen notwendigen Schritt: Ein starker Kündigungsschutz sei grundsätzlich sinnvoll, erschwere aber in Phasen wirtschaftlichen Umbruchs notwendige Restrukturierungen.
Telefonische Krankschreibung wird abgeschafft
Das Maßnahmenpaket greift auch tief in den Arbeitsalltag ein. Die während der Pandemie eingeführte telefonische Krankschreibung wird vollständig gestrichen. Stattdessen gilt eine Attestpflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag. Die Sanktionen bei falschen Bescheinigungen werden verschärft.
Auf der steuerlichen Seite entlastet die Koalition Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen. Ab 2027 sollen die Entlastungen rund zehn Milliarden Euro jährlich betragen. Auch Anpassungen beim Kindergeld und der Reichensteuer sind Teil des Gesamtpakets.
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Arbeitgeber jubeln – Gewerkschaften laufen Sturm
Die Reaktionen könnten unterschiedlicher kaum sein. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger spricht von einem überfälligen Kurswechsel. Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr bewertet die Anpassungen für Hochverdiener als fairen Kompromiss.
Ganz anders die Arbeitnehmervertreter. IG-Metall-Chefin Christiane Benner sieht eine Mischung aus positiven Steueraspekten und negativen Einschnitten bei den Beschäftigtenrechten. Besonders die Ausweitung der Befristungen und die Aufweichung des Kündigungsschutzes wertet sie als Angriff auf etablierte Standards.
ver.di-Chef Frank Werneke kritisiert das wachsende Misstrauen gegenüber den Beschäftigten durch die neuen Krankschreibungsregeln. DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält die Maßnahmen für ein Symbolpaket, das keinen großen wirtschaftlichen Durchbruch bringen werde.
