Arbeitsrecht: LAG Köln stärkt Anspruch auf Zwischenzeugnis
31.05.2026 - 18:39:11 | boerse-global.deZwischen wegweisenden Urteilen deutscher Arbeitsgerichte, dem Einzug Künstlicher Intelligenz in Bewerbungsprozesse und tiefgreifenden Umstrukturierungen müssen sich Arbeitnehmer und Unternehmen neu orientieren. Drei aktuelle Entwicklungen zeigen, wohin die Reise geht.
Gerichte stärken Rechte bei Kündigung und Neuorientierung
Das Landesarbeitsgericht (LAG) Köln hat in zwei wichtigen Entscheidungen die Rechte von Arbeitnehmern präzisiert. In einem Urteil vom 29. Januar 2026 ging es um die sogenannte Sozialauswahl bei betriebsbedingten Kündigungen. Geklagt hatte ein 58-jähriger Filialleiter, der seit 1990 im Unternehmen war. Nach der Schließung einer Boutique wurde ihm gekündigt – zu Recht, wie das Gericht befand. Der Grund: Die Sozialauswahl beschränkte sich auf den Standort Köln und bezog Mitarbeiter anderer Städte nicht mit ein. Die Klausel im Arbeitsvertrag, die den Einsatzort auf Köln begrenzte, war wirksam.
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Noch bedeutsamer für Arbeitnehmer, die sich beruflich verändern wollen, ist ein Urteil vom 4. März 2026. Das LAG Köln stellte klar: Wer sich neu orientieren möchte, hat einen Anspruch auf ein qualifiziertes Zwischenzeugnis. Der Arbeitgeber kann dies nicht pauschal verweigern. Zwar muss der Arbeitnehmer einen Grund für die Anfrage nennen – konkrete Bewerbungen offenlegen muss er jedoch nicht. Der Arbeitgeber wiederum muss stichhaltige Gründe liefern, wenn er die Notwendigkeit des Zeugnisses anzweifelt.
KI verändert Bewerbungsprozesse grundlegend
Die Digitalisierung macht auch vor der Personalberatung nicht halt. Immer mehr Unternehmen setzen auf automatisierte Bewerbermanagementsysteme (ATS), die Lebensläufe filtern. Gleichzeitig nutzen Kandidaten Künstliche Intelligenz, um Anschreiben zu formulieren. Spezialisten wie die Berater von Ascento bereiten ihre Klienten gezielt auf diese neue Realität vor.
Die größte Herausforderung: Die digitale Reife der Kandidaten ist höchst unterschiedlich. Karriereberater müssen heute als kritische Sparringspartner agieren – etwa wenn es um Datenschutzrisiken oder die ethische Nutzung kostenloser KI-Tools geht.
Führende Unternehmensberatungen institutionalisieren die KI-Weiterbildung längst. Roland Berger hat verpflichtende KI-Trainings für alle Mitarbeiter eingeführt. Neueinsteiger und Beschäftigte, die vor Karriereschwellen stehen, müssen an ein- bis zweiwöchigen Intensiv-Bootcamps teilnehmen. Die digitale Kompetenz steht dabei im Mittelpunkt. Der Ausbau des Restrukturierungsgeschäfts unterstreicht den Trend: Erst im Frühjahr holte Roland Berger zwei neue Partner für die Hamburger Restrukturierungssparte an Bord – beide mit über 20 Jahren Erfahrung unter anderem bei VEON und Bain & Company.
Arbeitsmarkt unter Druck: Industrie und Sport spüren die Krise
Die aktuellen Zahlen aus dem Mai 2026 zeichnen ein klares Bild. Im Landkreis Esslingen waren 14.666 Menschen arbeitslos gemeldet – ein Anstieg von 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwar zeigte die monatliche Entwicklung eine leichte saisonale Entspannung, doch die strukturellen Krisen in der Industrie und im Maschinenbau setzen den Markt massiv unter Druck. Besonders betroffen sind Unternehmen wie Festo und Pilz.
Auffällig: Die Arbeitslosenzahlen steigen überproportional bei zwei Gruppen – Arbeitnehmern über 40 Jahren und solchen unter 25. Für viele bedeutet das im neuen Job deutliche Gehaltseinbußen.
Auch der Profisport bleibt nicht verschont. Nach dem Abstieg in die dritte Liga hat Fortuna Düsseldorf drastische Maßnahmen angekündigt: 67 Mitarbeiter müssen gehen – das sind rund 60 Prozent der Belegschaft. Die Personalkosten sollen von sieben auf drei Millionen Euro sinken. Die Vereinsführung hat bereits externe Rechtsberater eingeschaltet, um sich gegen mögliche Klagen zu wappnen. Die Spitzenmanager verzichten teilweise auf ihr Gehalt.
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Neue Beratungsangebote und staatliche Unterstützung
Um Kündigungen abzufedern und Gerichtsprozesse zu vermeiden, boomen spezialisierte Outplacement-Dienste. Anbieter wie The Human Factor bieten Programme von einem bis sechs Monaten an – Einstiegspreise liegen bei rund 2.000 Euro. Die Beratung richtet sich sowohl an die verbleibenden Teams als auch an die ausscheidenden Mitarbeiter.
Der Staat zieht nach. Im Kanton Zug hat die Regierung bestätigt, dass sie ab 2026 die Kosten für die Karriereberatung "Viamia" übernimmt. Zuvor lief die Finanzierung über den Bund – von 2021 bis 2025. Das Programm richtet sich speziell an Menschen über 40 Jahre und wird stark nachgefragt. Die Teilnehmer nennen vor allem die digitale Transformation und die Auswirkungen der KI als Hauptgründe für die Suche nach professioneller Beratung.
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