Arbeitsrecht-Falle: Freizeitparks verlagern Millionen-Investitionen ins Ausland
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU) schlägt Alarm: Immer mehr Betreiber eröffnen neue Anlagen in Polen und Tschechien. Grund sind Arbeitsrecht und Bürokratie in Deutschland, wie der Verband am heutigen Donnerstag kritisiert.
Grenznahe Parks zielen auf deutsches Publikum
VDFU-Geschäftsführer Jürgen Gevers beobachtet einen klaren Trend: Statt deutscher Flächen wählen Betreiber zunehmend Standorte direkt hinter der Grenze zu Polen oder Tschechien. Das deutsche Arbeitsrecht gelte im Vergleich als zu unflexibel, die Bürokratie als zu schwerfällig.
Das Bemerkenswerte daran: Die Parks richten sich trotz ihrer Lage im Ausland gezielt an deutsche Gäste. Deutsche Beschilderung und deutsches Personal sind Standard. Die Standortwahl erfolgt also nicht wegen neuer Märkte, sondern wegen der besseren Rahmenbedingungen jenseits der Grenze.
Milliardenumsatz, aber voller Steuersatz
Dabei läuft das Geschäft der Branche eigentlich rund. Rund 140 Mitgliedsunternehmen zählt der VDFU, für 2025 meldet er:
- 78 Millionen Besucher in den Anlagen
- 3 Milliarden Euro Umsatz
- 400 Millionen Euro Investitionen
- 60.000 gesicherte Arbeitsplätze
- 5 Millionen Übernachtungen
Doch ein zentraler Punkt ärgert die Betreiber besonders: die Steuerpolitik. Die EU erlaubt ermäßigte Steuersätze für neun Typen von Freizeiteinrichtungen – viele Nachbarländer setzen das um. Deutschland besteuert Vergnügungsparks dagegen weiter voll.
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Mittelstand investiert nicht – trotz guter Zahlen
Die Klagen der Freizeitwirtschaft passen ins Bild. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn stellt für das zweite Quartal 2026 fest: Umsatz und Gewinn der kleinen und mittleren Unternehmen steigen, aber die Investitionen stagnieren. Deutschland bleibt bei der Investitionstätigkeit hinter dem Euroraum-Durchschnitt zurück.
Die Gründe sind hausgemacht: Energiepolitik und Fachkräftemangel bremsen. Auch andere Branchen spüren den Druck. Der Hotelmarkt verzeichnete 2025 zwar einen Rekord von 497,4 Millionen Übernachtungen – gleichzeitig stiegen die Insolvenzen im Gastgewerbe um 40,1 Prozent. Ein mittelständischer Betrieb für Schneidtechnik nennt konkrete Zahlen: 45 Euro Arbeitskosten pro Stunde in Deutschland, 15,20 Euro in Ungarn.
Bürokratieabbau wird zur Überlebensfrage
Der DIHK-Gründungsreport für 2025 zeigt ein weiteres Problem: Die Zahl der Firmengründungen stieg zwar auf rund 171.000 – doch über ein Drittel davon entstand aus mangelnden Alternativen am Arbeitsmarkt. Die Gründer fordern mehrheitlich einfachere Regeln und ein unkomplizierteres Steuerrecht.
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Auch das Baugewerbe leidet unter der Komplexität. Ein Fachunternehmen für Technik fordert eine Vereinheitlichung des Baurechts – derzeit prüfen mehrere Institutionen etwa Lohnabrechnungen separat. Politische Vertreter stellten immerhin den Wegfall von bis zu 10.000 technischen Baubestimmungen in Aussicht. Ob das reicht, um die Abwanderung zu stoppen, bleibt fraglich.
