Arbeitsrecht, Befristungen

Arbeitsrecht: Befristungen verdoppelt, Kündigungsschutz gelockert

04.07.2026 - 05:05:59 | boerse-global.de

Die große Koalition beschließt ein umfassendes Reformpaket mit flexibleren Arbeitsverträgen, strengeren Krankmeldungsregeln und milliardenschweren Steuerentlastungen für Familien.

Koalitionsreform: Flexiblere Jobs, höhere Steuern für Spitzenverdiener
Arbeitsrecht - Ein Stapel deutscher Gesetzbücher und ein Dokument mit verschwommenem Regierungsgebäude im Hintergrund, symbolisiert Arbeitsrechtsreform. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die große Koalition hat ein 34-Punkte-Programm verabschiedet, das Arbeitsrecht, Steuern und Soziales grundlegend umkrempelt. Kern der Reform: flexiblere Beschäftigung, schärfere Regeln bei Krankschreibungen und milliardenschwere Steuerentlastungen.

Befristungen verdoppelt, Kündigungsschutz gelockert

Arbeitgeber bekommen mehr Spielraum bei befristeten Verträgen. Die sachgrundlose Befristung steigt von 24 auf 48 Monate — und zwar für alle, die bis Ende 2030 eingestellt werden. Statt bisher drei sind künftig sogar sechs Vertragsverlängerungen möglich. Ab Januar 2027 entfällt zudem die Schriftform für Befristungen.

Höherverdienende müssen künftig mit weniger Kündigungsschutz rechnen. Wer über 177.450 Euro im Jahr verdient, kann gegen Abfindung leichter entlassen werden. Die Abfindung wird steuerlich begünstigt — vorausgesetzt, der Jobwechsel erfolgt zügig.

Krankmeldung: Strengere Regeln ab dem ersten Tag

Die telefonische Krankschreibung ist Geschichte. Arbeitnehmer müssen ab sofort schon am ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen. Begleitend dazu verschärft die Regierung die Strafen bei falschen Krankschreibungen.

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Beim Bürokratieabbau will die Koalition jede vierte Berichtspflicht streichen. Und es gibt eine Überraschung: Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken dürfen ab Januar 2027 häufiger sonntags öffnen.

Steuern: Milliardenentlastung für Familien

Ab 2027 entlastet die Regierung Bürger jährlich mit rund zehn Milliarden Euro. Eine vierköpfige Familie mit 60.000 Euro Brutto spart demnach über 600 Euro pro Jahr — durch höhere Grundfreibeträge, mehr Kindergeld und einen größeren Arbeitnehmerpauschbetrag.

Die Rechnung zahlen Spitzenverdiener. Wer mehr als 250.000 Euro im Jahr verdient, zahlt künftig 45 Prozent Steuern. Ab 280.000 Euro sind es 47 Prozent. Auch Minijobs werden teurer: Die Pauschalsteuer steigt von zwei auf fünf Prozent. Der Handwerkerabzug sinkt von 20 auf 15 Prozent.

Positiv für Arbeitnehmer: Die Grenze für steuerfreie Sonn- und Feiertagszuschläge steigt auf 75 Euro pro Stunde.

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Rente und Krankenversicherung: Einschnitte geplant

Bis Ende 2026 will die Koalition die Rentenkommission umsetzen. Geplant sind eine Kapitalrente, das Aus für die Rente mit 45 Beitragsjahren und ein späterer Renteneintritt — über 67 hinaus. Die Krankenversicherung soll ab 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlastet werden.

Geteilte Reaktionen: Lob von Arbeitgebern, Kritik von Gewerkschaften

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger begrüßt die Flexibilisierung. Der DIHK lobt den Bürokratieabbau, kritisiert aber die höhere Reichensteuer.

Ver.di-Chef Frank Werneke warnt vor einer „Misstrauenskultur“ — besonders bei den neuen Krankmeldungsregeln. DGB-Chefin Yasmin Fahimi stimmt den Steuerentlastungen zu, lehnt die Verschärfungen bei Krankschreibungen aber ab.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher spricht von einem „Symbolpaket“ ohne Wachstumsimpuls. Der Hausärzteverband warnt vor einem Ansturm auf die Praxen — wegen der Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag.

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