Arbeitsmarktreform, Befristungen

Arbeitsmarktreform: Befristungen verdoppeln sich auf vier Jahre

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 15:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung plant umfassende Änderungen bei Befristungen, Kündigungsschutz und Krankschreibungen. Gewerkschaften kündigen Proteste an.

Merz verteidigt Arbeitsmarktreform: Längere Befristungen und neue Regeln
Arbeitsmarktreform - Junge Berufstätige arbeiten in einem modernen Büro, symbolisch für neue Arbeitsmarktregelungen und Berufseinstieg. Fokus auf Dynamik und Karriereentwicklung. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

In einer Regierungserklärung vor dem Bundestag stellte er sich hinter das Paket „Aufschwung und Beschäftigung“, das tiefgreifende Änderungen bei Befristungen, Kündigungsschutz und Krankschreibungen vorsieht.

Doppelt so lange Befristungen möglich

Der Kern der Reform: Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen soll von zwei auf vier Jahre verlängert werden. Statt bisher drei sind künftig bis zu sechs Verlängerungen möglich. Die Regelung gilt für alle Neueinstellungen bis Ende 2030.

Zusätzlich können Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen frühere Mitarbeiter erneut befristet einstellen. Das Schriftformerfordernis für Befristungen soll zum 1. Januar 2027 komplett wegfallen. Merz betonte, die Flexibilisierung gebe Unternehmen den nötigen „Mut für Neueinstellungen“.

Härtere Regeln bei Krankmeldung

Das Paket sieht die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung vor. Künftig müssen Arbeitnehmer bereits ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Eine deutliche Lockerung gibt es beim Kündigungsschutz: Beschäftigte mit einem Bruttojahresgehalt über 177.450 Euro sind ab 2027 nicht mehr geschützt.

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Milliarden-Entlastung für Unternehmen

Die Regierung plant steuerliche Erleichterungen von rund zehn Milliarden Euro pro Jahr. Sonn- und Feiertagszuschläge bleiben bis zu einem Stundenlohn von 75 Euro steuerfrei. Die Pauschalsteuer für Minijobs steigt von zwei auf fünf Prozent. Der Spitzensteuersatz greift künftig bei 47 Prozent.

Bürokratische Hürden fallen: Kleine und mittlere Unternehmen bekommen Erleichterungen bei der Datenschutz-Grundverordnung. Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Betrieben soll einfacher werden. Das Lieferkettengesetz gilt künftig nur noch für Firmen mit mindestens 5.000 Beschäftigten und einem Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro.

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Gewerkschaften kündigen Proteste an

Die Opposition reagierte empört. Ver.di-Gewerkschaftssekretär Max Leurle warnte vor dauerhafter Unsicherheit für Beschäftigte: Längere Befristungen erschwerten die Familienplanung und Kreditaufnahme. Auch der DGB und die IG Metall äußerten deutliche Vorbehalte. Die DGB-Vorsitzende Fahimi zeigte sich moderater, andere Gewerkschaftskreise sprachen von einem sozialen Rückschritt.

Grüne, AfD und Linke kritisierten das Paket scharf. Sie bemängeln eine soziale Schieflage und das Fehlen einer echten Investitionsoffensive – trotz der geplanten Nutzung von Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro.

Die Arbeitgeberverbände begrüßten die Reform dagegen. Ein weiteres Sparpaket im Gesundheitswesen soll bereits am morgigen Freitag verabschiedet werden. Die Gewerkschaften kündigten Proteste an.

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