Arbeitsmarkt, Druck

Arbeitsmarkt unter Druck: Industrie verliert 15.000 Jobs monatlich

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 01:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studie belegt drastischen Rückgang der Zuwanderung auf 235.000 Personen. Industrie baut monatlich tausende Stellen ab, während Gesundheitssektor wächst.

Deutschland: Netto-Zuwanderung bricht ein, Industrie verliert Jobs
Symbolische Darstellung des deutschen Arbeitsmarktes mit Wirtschaftsdiagrammen und einer modernen Industriekulisse. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Netto-Zuwanderung nach Deutschland ist massiv eingebrochen. Laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sank der Wert im Jahr 2025 auf 235.000 Personen – nach 663.000 im Jahr 2023. Gleichzeitig verliert die Industrie monatlich tausende Arbeitsplätze.

Weniger Asyl, mehr Abwanderung

Der Rückgang hat mehrere Ursachen. Die Zahl der Asyl-Erstanträge fiel von 329.000 (2023) auf 113.000 im vergangenen Jahr. EU-Bürger aus den neueren Mitgliedsländern wandern inzwischen häufiger ab als zu: 45.000 mehr verließen Deutschland, als neu zuzogen.

Ein weiterer Faktor: Immer mehr Deutsche kehren dem Land den Rücken. 97.000 Inländer wanderten 2025 aus – 2023 waren es noch 74.000. Das IW warnt vor einer Verschärfung des Fachkräftemangels, weil dem Arbeitsmarkt zunehmend junge, qualifizierte Kräfte fehlen.

Industrie baut massiv Stellen ab

Die Industriekonjunktur zeigt deutliche Bremsspuren. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) meldet monatlich rund 15.000 verlorene Arbeitsplätze. Die Zahl der Industriebeschäftigten sank auf 6,6 Millionen. Ihr Anteil am Gesamtarbeitsmarkt fiel von 22 Prozent (2014) auf nun 19 Prozent.

Große Konzerne haben bereits weitreichende Restrukturierungen angekündigt. Volkswagen plant den Abbau von bis zu 100.000 Stellen. ZF will bis 2028 rund 14.000 Stellen streichen, Bosch bis 2030 über 20.000. Auch die Logistikbranche ist betroffen: In Erfurt schließt Zalando Ende September ein Verteilzentrum mit rund 2.700 Beschäftigten – darunter etwa 1.650 Menschen mit Migrationsgeschichte.

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Gesundheitsbranche als Lichtblick

Während die Industrie schrumpft, wächst ein anderer Sektor. Der Stellenmarkt-Index von Indeed zeigt für das zweite Quartal 2026 ein klares Plus in Gesundheitsberufen. Besonders in Zahnmedizin, Therapie und Medizintechnik steigt die Zahl offener Stellen – entgegen dem allgemeinen Markttrend, der auf einem Fünf-Jahres-Tief liegt.

Neue Ansätze in der Arbeitsmarktpolitik

In Wien sorgt ein drastischer Schritt für Aufsehen. Seit Jahresbeginn stoppte die Stadt die Mindestsicherung für subsidiär Schutzberechtigte. Die Folge: Die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe sank laut AMS Wien binnen eines Jahres um 38,2 Prozent.

Das IW fordert nun ähnliche Reformen für Deutschland. Die maximale Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I für Über-50-Jährige soll auf 12 Monate begrenzt werden. Der Hintergrund: 2024 bezogen knapp 85.000 Menschen dieser Altersgruppe länger als ein Jahr Leistungen – Kosten: over zwei Milliarden Euro.

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Die berufliche Mobilität bleibt derweil hoch. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ermittelte einen Anstieg der Berufswechsler bei Männern auf 16 Prozent. Besonders Geringverdiener wechseln häufiger den Arbeitgeber – ein Zeichen für einen Arbeitsmarkt in Bewegung.

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