Arbeitsmarkt-Umbruch, Kräfte

Arbeitsmarkt-Umbruch durch KI: 20% der Unternehmen ersetzen akademische Kräfte

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 12:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt: Einstiegspositionen für Akademiker schrumpfen, während spezialisierte Handwerksberufe vom KI-Boom profitieren.

KI-Revolution: Handwerk im Aufwind, Akademiker unter Druck
Ein moderner Büroarbeitsplatz mit einem Laptop und einer digitalen Datenvisualisierung als Symbol für den KI-Einfluss. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Integration Künstlicher Intelligenz in die Arbeitswelt verschiebt Gehalts- und Beschäftigungsstrukturen massiv. Während akademische Einstiegspositionen unter Druck geraten, profitieren spezialisierte Handwerksberufe vom KI-Boom.

Akademische Abschlüsse verlieren an Wert

Traditionelle Qualifikationen geraten ins Wanken. Laut einer Umfrage des ifo-Instituts gehen rund 20 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen davon aus, dass akademische Fachkräfte künftig durch geringer qualifizierte Mitarbeiter ersetzt werden können – sofern diese KI-Tools beherrschen. Etwa 15 Prozent der Betriebe sehen zudem die Möglichkeit, erfahrene Kräfte durch unerfahrene Mitarbeiter mit KI-Kompetenz zu substituieren.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend im Handel: Fast 29 Prozent der befragten Unternehmen sehen dort Substitutionspotenzial. Bei Dienstleistern liegt der Wert bei knapp 20 Prozent, während das verarbeitende Gewerbe (knapp 15 Prozent) und die Baubranche (über 9 Prozent) defensivere Erwartungen äußern.

Berufseinsteiger besonders betroffen

Die Lage für Berufseinsteiger verschärft sich parallel. Eine Erhebung von Lünendonk unter Prüfungsgesellschaften ergab: Zwei Drittel dieser Unternehmen planen, künftig weniger Absolventen einzustellen. Der Grund: KI übernimmt zunehmend Aufgaben, die bisher klassischen Junior-Rollen vorbehalten waren.

Daten des Portals Stepstone bestätigen diesen Trend. Die Zahl der Stellenausschreibungen für Junior-Positionen liegt derzeit rund 16 Prozent unter dem Niveau des Gesamtmarktes.

Anzeige

Die rasante Verbreitung von KI-Systemen in Unternehmen schafft nicht nur neue Jobprofile, sondern auch komplexe rechtliche Verpflichtungen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act hilft Ihnen, alle Fristen und Risikoklassen der neuen KI-Verordnung rechtssicher im Blick zu behalten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Jetzt Gratis-E-Book sichern

Handwerk erlebt Aufwertung

Während Bürojobs unter Druck geraten, erlebt das Handwerk eine Renaissance. Eine im Mai durchgeführte YouGov-Studie zeigt: 66 Prozent der Befragten halten handwerkliche Berufe im KI-Zeitalter für sicherer als klassische Bürojobs. 38 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass der KI-Druck auf dem Arbeitsmarkt das Handwerk für sie attraktiver mache.

Ein praktisches Beispiel: Bauleiter Cody Cole begann seine Karriere als Elektriker mit einem Stundenlohn von 15 US-Dollar. Durch die Spezialisierung auf den Bau von Datenzentren steigerte er sein Gehalt auf über 40 US-Dollar. Auch Großunternehmen wie Kühne+Nagel profitieren: Der Transport von Hardware für Rechenzentren trug maßgeblich dazu bei, dass der Nettoumsatz im zweiten Quartal um 8 Prozent auf 6,62 Milliarden Franken stieg.

KI-bedingte Entlassungen nehmen zu

Der Personaldienstleister Adecco Group beobachtet signifikante Veränderungen, aber keine flächendeckende Massenarbeitslosigkeit. Laut CEO Denis Machuel entfallen bereits im laufenden Jahr knapp 25 Prozent aller Entlassungen in den USA auf KI-bedingte Umstrukturierungen.

Besonders betroffen sind Einstiegspositionen in Softwareentwicklung, Kundenservice, Buchhaltung und Recht – hier ging die Stellenzahl um rund 16 Prozent zurück. Experten beobachten zudem, dass KI in einigen Fälle als öffentliche Begründung für bereits geplante Personalreduzierungen herangezogen wird.

Anzeige

Wenn KI-Systeme Aufgaben in der Softwareentwicklung oder Buchhaltung übernehmen, müssen Unternehmen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für ihre IT-Sicherheit neu bewerten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche neuen Cyberrisiken durch KI entstehen und wie Sie Ihre Firma proaktiv vor Angriffen schützen. Gratis-Report: Neue Cyberrisiken und rechtliche Pflichten entdecken

Kostenexplosion bei KI-Nutzung

Die hohen Kosten für Rechenleistung und Energie belasten kurzfristig die Unternehmensbilanzen. Der IT-Dienstleister Adesso berichtet von monatlichen KI-Kosten im sechsstelligen Bereich – der Token-Verbrauch hat sich seit Dezember 2025 verhundertfacht. Auch Uber verzeichnet einen rasanten Verbrauch seiner KI-Budgets.

Derzeit verfügen lediglich 35 Prozent der Unternehmen über einen vollständigen Überblick über die durch KI verursachten Kosten.

Unternehmen setzen trotzdem auf Automatisierung

Trotz des Kostendrucks forcieren Unternehmen die Automatisierung. GFT meldet für seine KI-Plattform Wynxx im ersten Quartal ein Wachstum des Vertragswerts um 48 Prozent auf 104 Millionen Euro. KI-Agenten ersetzen zunehmend traditionelle Beratungsstunden.

Die Adecco Group verfolgt das Ziel, bis Ende 2026 mehr als die Hälfte ihrer Umsätze durch KI-gestützte Prozesse abzusichern. Ökonomen diskutieren derweil kontrovers, ob KI langfristig disinflationär wirken könnte – ähnlich wie die Automatisierung in der Industrie. Dieser Effekt wird jedoch erst in drei bis fünf Jahren erwartet.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69861123 |