Arbeitsmarkt: IAB sieht 2026 trotz erster Signale 210.000 Erwerbstätige weniger
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Führende deutsche Wirtschaftsinstitute registrieren im September erste Anzeichen einer leichten Stabilisierung am Arbeitsmarkt. Sowohl das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) als auch das Münchner Ifo-Institut berichten über vorsichtig positive Signale.
Dennoch bleibt das Gesamtbild zwiegespalten: Während sich die Entwicklung bei der Arbeitslosigkeit dank einer gefestigten Konjunktur aufhellt, hält der Personalabbau im verarbeitenden Gewerbe und im Handel weiterhin an.
Frühindikatoren zeigen vorsichtige Erholungstendenzen
Das monatlich ermittelte IAB-Arbeitsmarktbarometer, das auf einer Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert, stieg im September um 0,1 auf 99,6 Punkte auf einer Skala von 90 bis 110. Dieser Zuwachs geht allein auf die Komponente für Arbeitslosigkeit zurück, die um 0,4 auf 99,9 Punkte kletterte.
Die Beschäftigungskomponente sank dagegen um 0,1 auf 99,3 Punkte. Das European Labour Market Barometer verharrte im September unverändert bei 99,9 Punkten.
IAB-Forscher Enzo Weber erklärte dazu, dass der Arbeitsmarkt schrumpfe. Dies sei eine Folge des demografischen Rückgangs beim Arbeitskräftepotenzial. Zudem seien die Aussichten für die Beschäftigung schwächer als für die Arbeitslosigkeit.
Zwar zeige sich die Konjunktur gefestigt, doch hohe Unsicherheit sowie strukturelle Probleme in der Industrie belasteten die Lage weiterhin. Während die Arbeitslosigkeit seit über drei Jahren gestiegen sei, zeichne sich dank der verbesserten Konjunkturaussichten nun eine Entspannung ab, auch wenn die Beschäftigungsentwicklung negativ bleibe.
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Parallel dazu stieg das Ifo-Beschäftigungsbarometer im September zum dritten Mal in Folge und erreichte 95,1 Punkte nach 94,8 Punkten im August (Basisjahr 2015 = 100). Einen vergleichbar hohen Wert gab es zuletzt im August 2025, ein höherer Stand wurde zuletzt im Juli 2024 verzeichnet.
Auch das übergeordnete Ifo-Geschäftsklima verbesserte sich im September um 1,1 Zähler auf 89,9 Punkte, womit es über den Analystenerwartungen von 89,0 Punkten lag. Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe betonte, dass sich der Arbeitsmarkt zwar stabilisiere, eine echte Erholung jedoch noch nicht in Sicht sei.
Heterogene Entwicklung in den verschiedenen Branchen
Die Branchenauswertungen des Ifo-Instituts verdeutlichen deutliche Unterschiede zwischen den Wirtschaftsbereichen. Im Dienstleistungssektor lag der Saldo der Personalpläne bei +0,7. Zusätzliche Kräfte werden insbesondere von Ingenieurbüros, in der Rechts- und Steuerberatung sowie von Wirtschaftsprüfern gesucht.
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Auch Leiharbeitsfirmen schöpften laut dem Institut wieder etwas Hoffnung. In der Nahrungsmittelindustrie sowie bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen sind ebenfalls Neueinstellungen geplant.
Dagegen überwiegen in anderen Bereichen die Kürzungspläne: Der Handel wies einen negativen Saldo von -12,8 auf. Im verarbeitenden Gewerbe lag der Wert bei -9,4, was jedoch eine Verbesserung gegenüber dem Stand von vor zwei Monaten (-18,2) darstellt. Im Bausektor notierte der Saldo bei -1,2, was auf eine weitgehend konstante Beschäftigtenzahl hinweist.
Mittelfristige Prognosen und demografischer Wandel
In der aktuellen Gemeinschaftsdiagnose der Institute wurde die Prognose für das reale BIP-Wachstum für 2026 von 0,6 auf 1,3% verdoppelt und für 2027 von 0,9 auf 1,1% angehoben.
Bei der Arbeitslosenquote rechnen die Institute mit 6,4% für 2026, 6,2% für 2027 und 5,8% für 2028. Auch Ökonomen erwarten für die anstehende September-Statistik der Bundesagentur für Arbeit, die von Agenturchefin Andrea Nahles vorgelegt wird, eine saisonbereinigte Quote von unverändert 6,4%.
Eingehendere Projektionen legte das IAB am 24. September 2026 vor. Demnach soll die Zahl der Erwerbstätigen im Jahr 2026 um 210.000 und 2027 um 140.000 sinken. Das Erwerpersonenpotenzial geht 2026 voraussichtlich erstmals um 70.000 und 2027 um 140.000 zurück.
Für das produzierende Gewerbe prognostiziert das IAB einen Beschäftigungsabbau von 160.000 Personen im Jahr 2026 sowie 130.000 im Jahr 2027. Dagegen erwarten die Forscher Zuwächse bei öffentlichen Dienstleistern, Erziehung und Gesundheit von 170.000 im laufenden und 150.000 im kommenden Jahr.
Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung geht der Prognose zufolge 2026 um 70.000 auf 34,89 Mio. und 2027 um 40.000 auf 34,85 Mio. zurück, wobei der Rückgang allein Vollzeitstellen betrifft.
Wie wichtig Zuwanderung für die Stabilisierung bleibt, belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Mikrozensus: 2025 wiesen 27% aller abhängig Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte auf. In Engpassberufen liegt dieser Anteil teils deutlich höher, darunter bei Bus- und Straßenbahnfahrern (47%), Berufskraftfahrern (41%) sowie in der Kranken- und Altenpflege (33%).
