Arbeitsmarkt: 4,3 Millionen Fachkräfte fehlen bis 2036
14.06.2026 - 02:39:48 | boerse-global.de
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert bis 2036 einen Fehlbestand von rund 4,3 Millionen verfügbaren Arbeitskräften. Die aktuelle Studie fällt damit deutlich pessimistischer aus als noch vor zwei Jahren – damals schätzten die Experten die Fehlmenge auf knapp drei Millionen.
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Babyboomer gehen in Rente
Hauptgrund ist das Ausscheiden der Babyboomer-Generation aus dem Berufsleben. Allein im Vergleich zu den Schätzungen von 2024 klafft eine zusätzliche Lücke von 1,3 Millionen Personen. Während 2025 noch ein Erwerbspersonenpotenzial von 55 Millionen Menschen erwartet wird, sinkt dieser Wert bis 2036 um 6,9 Prozent auf 51,2 Millionen. Bis 2045 droht ein weiterer Rückgang auf 50,4 Millionen.
Hinzu kommt eine schrumpfende Gesamtbevölkerung. Bis 2045 prognostizieren die Forscher einen Rückgang der Einwohnerzahl um 2,9 Prozent auf rund 81,1 Millionen. Die Verschärfung führen sie auf geringere Zuwanderung und die anhaltende Wirtschaftsschwäche zurück. Ihre Forderung: mehr Anwerbung ausländischer Fachkräfte und Anreize für längere Arbeitszeiten – etwa durch den Ausbau von Vollzeittätigkeiten.
Gewinner und Verlierer der Arbeitswelt
Parallel dazu verschieben sich die Beschäftigungsstrukturen massiv. Eine Untersuchung von BVR und IW-Consult zeigt: Bis 2035 stagniert die Beschäftigung insgesamt, regional gibt es aber Zuwächse von bis zu 10 Prozent und Rückgänge von bis zu 15 Prozent.
Besonders hart trifft es das verarbeitende Gewerbe, die Landwirtschaft und den Handel. Wachstumschancen bieten sich dagegen im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie bei wissenschaftlichen Dienstleistungen. Der BVR fordert deshalb eine aktive Regional- und Strukturpolitik.
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KI verändert den Personalbedarf
Künstliche Intelligenz wird zum Faktor im Kampf um Fachkräfte. Eine Ifo-Umfrage unter rund 3.000 Unternehmen zeigt: Knapp 20 Prozent der KI-nutzenden Betriebe halten es für möglich, Hochschulabsolventen durch geringer qualifizierte Kräfte zu ersetzen. Im Handel sehen das sogar 28,6 Prozent als leicht umsetzbar.
Gleichzeitig sinkt der Bedarf in spezialisierten Sektoren. Laut einer Lünendonk-Studie rechnen 54 Prozent der IT-Dienstleister bis 2028 mit einem rückläufigen Bedarf an Softwareentwicklern. Die Branche verzeichnet bereits leichte Rückgänge bei den Mitarbeiterzahlen, während die Effizienzsteigerungen durch KI als drastisch eingestuft werden.
Konjunktur bremst den Arbeitsmarkt
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen die Lage nicht einfacher. Die Bundesbank senkte ihre BIP-Prognose für 2026 Mitte Juni auf 0,5 Prozent ab. Ursachen: der Iran-Konflikt und die daraus resultierenden hohen Energiepreise, die die Kaufkraft dämpfen.
Trotz der langfristigen Knappheit rechnet die Bundesbank für 2026 zunächst mit einem leichten Sinken der Beschäftigung. Erst ab Mitte 2027 soll die Kurve wieder nach oben zeigen. Flankiert wird diese Entwicklung von mehr Unternehmenspleiten: Im ersten Quartal 2026 stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders betroffen: Verkehr und Lagerei.
