Arbeitskräftemangel: 4,3 Millionen Fachkräfte fehlen bis 2036
14.06.2026 - 21:19:14 | boerse-global.de
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert in einer aktuellen Studie: Bis 2036 fehlen rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte. Das sind 1,3 Millionen mehr als noch 2024 angenommen.
Hauptursachen sind die alternde Bevölkerung, geringere Zuwanderung und die anhaltende Wirtschaftsschwäche. Das Erwerbspersonenpotenzial sinkt von 55 Millionen (2025) auf 51,2 Millionen im Jahr 2036 – ein Minus von 6,9 Prozent. Bis 2045 könnte die Zahl auf 50,4 Millionen fallen. Parallel schrumpft die Gesamtbevölkerung auf voraussichtlich 81,1 Millionen.
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Demografischer Wandel wird jetzt spürbar
Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, schlug am 12. Juni Alarm: Das Erwerbspersonenpotenzial sinke 2026 erstmals um rund 40.000 Menschen. Der demografische Wandel sei nun direkt am Arbeitsmarkt messbar. Mittelfristig stelle der Personalmangel ein größeres Problem dar als die Arbeitslosigkeit.
Bereits heute beziffern Wirtschaftsforscher den jährlichen Schaden durch unbesetzte Stellen auf bis zu 50 Milliarden Euro. Tendenz steigend.
Finanzwesen und öffentliche Verwaltung besonders betroffen
Der Fachkräftemangel trifft nicht alle Branchen gleich hart. Im Finanz- und Rechnungswesen konnten laut DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 bereits im vergangenen Jahr mehr als ein Drittel der Unternehmen offene Stellen nicht besetzen. Rund 840.000 Stellen waren 2025 in diesem Sektor ausgeschrieben.
Neben der Demografie treiben neue Anforderungen durch die Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESG) und die Digitalisierung den Personalbedarf. Die Folgen: überlastete Teams, verzögerte Jahresabschlüsse und steigende Personalkosten.
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Auch der öffentliche Dienst kämpft mit Engpässen. Eine Umfrage unter norddeutschen Kommunen zeigt Mitte Juni einen akuten Mangel an Ingenieuren, IT-Experten und Sozialfachkräften. Städte wie Lübeck, Kiel und Flensburg haben große Probleme bei der Stellenbesetzung. Bundesweit könnten bis 2030 rund 731.000 Verwaltungsbeschäftigte fehlen.
In der Gastronomie leiden zwei Drittel der Küchenbetreiber weltweit unter Personalmangel, wie das Kitchen Barometer 2026 zeigt. Die Folge: reduzierte Kapazitäten und höhere Arbeitsbelastung für das verbliebene Personal.
Was die Politik jetzt tun müsste
Das IW fordert eine gezielte Strategie: verstärkte Anwerbung ausländischer Fachkräfte, höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Migrationshintergrund und Steuersenkungen für längere Arbeitszeiten. Auch BA-Chefin Nahles sieht Potenzial in einer längeren Lebensarbeitszeit und der Aufstockung von Teilzeitstellen.
Der Arbeitskräftemangel hat längst die Sozialsysteme erreicht. Die Rentenversicherung warnte am 11. Juni vor steigenden Beitragssätzen. Grund: geplante Kürzungen der Bundeszuschüsse für 2027. Der Beitrag könnte von 18,6 auf 18,8 Prozent steigen. Und das, obwohl für Juli 2026 eine Rentenerhöhung von 4,2 Prozent ansteht – eine zusätzliche Belastung von rund 0,4 Milliarden Euro für die Rentenkasse.
