Arbeitsagentur soll über eine Million offene Stellen besetzen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 17:54 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Arbeitgeber verlangen angesichts der aktuellen Arbeitslosenzahlen mehr Einsatz von der Bundesagentur für Arbeit. BDA-Präsident Rainer Dulger fordert, Arbeitslose und Unternehmen schneller zusammenzubringen.
Offene Stellen und Ausbildungsplätze
„Mehr als eine Million offene Arbeitsstellen und über 100.000 unbesetzte Ausbildungsplätze zeigen doch: Berufliche Möglichkeiten sind vorhanden“, sagte Dulger dem „Handelsblatt“ für dessen Donnerstagsausgabe.
Arbeitsagenturen und Jobcenter müssten alles daransetzen, die Passungsprobleme am Arbeitsmarkt zu verringern. „Aus offenen Stellen müssen besetzte Arbeitsplätze und aus Ausbildungs- und Arbeitssuchenden neue Kollegen werden“, sagte der Arbeitgeberpräsident.
Fokus auf Eigenverantwortung
Dulger plädierte zugleich für einen Sozialstaat, der stärker auf Eigenverantwortung setzt. Qualifizierung müsse in konkrete Beschäftigung führen, Berufsorientierung jungen Menschen eine verlässliche Starthilfe geben und mehr Mobilität neue Chancen erschließen.
Die Forderung fällt in eine Zeit, in der die Zahl der Arbeitslosen im September zwar saisonal zurückging, die wirtschaftliche Belebung am Arbeitsmarkt aber nur schwach ankommt.
Die Forderung der Arbeitgeber fällt in eine Phase, in der sich der deutsche Arbeitsmarkt saisonal zwar belebt, die Erholung aber schwach ausfällt. Im September waren bundesweit 2,994 Millionen Menschen arbeitslos, 67.000 weniger als im August. Die Arbeitslosenquote sank auf 6,4 Prozent, lag damit aber weiterhin über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig erfasste die Bundesagentur rund 660.000 freie Stellen.
Die Zahlen zeigen den zentralen Gegensatz: Es gibt weiterhin einen großen Bedarf an Arbeitskräften, doch offene Stellen und Arbeitssuchende passen häufig nicht unmittelbar zusammen. Gründe liegen unter anderem in unterschiedlichen Qualifikationen, regionalen Entfernungen und den Anforderungen einzelner Berufe. Besonders bei Ausbildungsplätzen entscheidet zudem die Berufsorientierung früh darüber, ob Jugendliche und Betriebe zueinanderfinden.
Passung wird zum entscheidenden Faktor
Für die Arbeitsagenturen bedeutet das, Vermittlung stärker mit Qualifizierung, Beratung und Mobilität zu verbinden. Weiterbildung kann die Beschäftigungschancen erhöhen, wenn sie an konkreten Anforderungen freier Stellen ansetzt; allein die Teilnahme an Maßnahmen beseitigt den Abstand zwischen Bewerbern und Unternehmen jedoch nicht.
Für Beschäftigte und Arbeitsuchende kann eine größere regionale oder berufliche Beweglichkeit neue Möglichkeiten eröffnen. Unternehmen bleiben zugleich gefordert, Anforderungen nachvollziehbar zu formulieren, Ausbildungsplätze attraktiv zu gestalten und auch Bewerber mit zusätzlichem Unterstützungsbedarf einzubeziehen. Die schwache Konjunktur begrenzt allerdings, wie schnell offene Stellen tatsächlich in neue Beschäftigung münden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Arbeitslosenzahl sinkt leicht unter Marke von drei Millionen“ (30.09.2026)
Der Beitrag bestätigt die schwache Herbstbelebung und verweist auf 2,994 Millionen Arbeitslose sowie rund 660.000 gemeldete freie Stellen. Anders als die Arbeitgebermeldung richtet er den Schwerpunkt auf die verhaltene Konjunktur und die geringe Nachfrage nach zusätzlichem Personal.
n-tv: „Trotz leichtem Anstieg: Bundesagentur für Arbeit: Nachfrage für Arbeitskräfte weiterhin gering“ (29.09.2026)
Der Artikel ordnet die Arbeitskräftenachfrage über den Stellenindex der Bundesagentur ein, der im September auf 104 Punkte stieg, aber unter seinem Referenzwert blieb. Damit bestätigt er den Gegensatz zwischen einem leichten Stellenplus und insgesamt weiterhin niedriger Einstellungsbereitschaft.
Medienübergreifend besteht Einigkeit über eine nur schwache Belebung und eine weiterhin gedämpfte Arbeitskräftenachfrage. Unterschiede ergeben sich beim Schwerpunkt: Die Arbeitgeber betonen Vermittlung und Eigenverantwortung, während die Arbeitsmarktberichte stärker die Konjunktur und die Entwicklung der Nachfrage hervorheben.
