Deutschland, Finanzen

Finanzaufsicht testet Anlageberatung

13.07.2023 - 06:12:48 | dpa.de

Anlageberater müssen Kunden genau über die Kosten von Finanzprodukten informieren. Das passiert nicht immer, wie Testkäufe im Auftrag der Finanzaufsicht zeigen. Auch bei anderen Punkten hapert es.

Binnenschiffe fahren vor der Frankfurter Bankenskyline über den Main. - Foto: Boris Roessler/dpa

Die Finanzaufsicht Bafin sieht bei der Anlageberatung von Verbrauchern in Deutschland Verbesserungsbedarf. Vor allem bei den Pflichtinformationen hapere es noch erheblich, berichtete Christian Bock, Leiter der Abteilung Verbraucherschutz und Verbraucherschutzbeauftragter bei der Bafin, mit Blick auf Ergebnisse von Testkäufen im Auftrag der Behörde.

Recht gut laufe es hingegen bei der Abfrage der kundenspezifischen Nachhaltigkeitspräferenzen. «Perfekt ist das Ergebnis aber auch hier noch nicht» sagte Bock.

100 Testkäufe von Finanzprodukten

Bei einem sogenannten Mystery Shopping wurden 100 Testkäufe von Finanzprodukten in 16 Banken und Sparkassen in ganz Deutschland durchgeführt. Speziell geschulte Tester treten dabei als Verbraucher auf, um sich beraten zu lassen. Geprüft wurde, ob die Institute Kundinnen und Kunden bei der Beratung die gesetzlich vorgeschriebenen Informationsunterlagen geben. Anleger müssen vor der Entscheidung für ein Finanzprodukt eine genaue Aufstellung erhalten, wie viel sie das Produkt kostet (Ex-Ante-Kosteninfo). Zudem müssen Institute schriftlich darlegen, weshalb die Empfehlung eines bestimmten Finanzproduktes zum Kunden passt (Geeignetheitserklärung).

Das Ergebnis der im dritten Quartal 2022 gestarteten Aktion: In 40 Prozent der Fälle erhielten die Tester keine Geeignetheitserklärung und in 67 Prozent keine entsprechende Kosteninfo. Weil es bei Wertpapierkäufen kein Widerrufsrecht gibt, erteilen die Tester in der Regel keinen Kaufauftrag. Das war auch beim Mystery-Shopping im Auftrag der Bafin der Fall. «Wir können also nicht völlig ausschließen, dass die fehlenden Pflichtinformationen noch ausgehändigt worden wären, wenn das Beratungsgespräch mit einem Orderabschluss beendet worden wäre», erläuterte Bock.

Die Ergebnisse einer Pilotaktion im Sommer 2021, die mit 36 Tests bei 12 Instituten allerdings deutlich kleiner war, waren besser ausgefallen. Damals erhielten Kunden in 19 Prozent der Fälle keine Kosteninfo und in 22 Prozent der Fälle keine Geeignetheitserklärung.

Gutes Ergebnis beim Thema Nachhaltigkeit

Vergleichsweise gut schnitten die Institute beim Thema Nachhaltigkeit ab. Den Angaben zufolge wurden 87 Prozent der Testkäufer nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen befragt. Dies ist seit August des vergangenen Jahres Pflicht.

Die betroffenen Institute hätten sich kooperativ und konstruktiv gezeigt, berichtete Bock. Sie wollten ihre Berater sensibilisieren, die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen stets auszuhändigen. Die Aufsicht werde die Umsetzung der Maßnahmen überwachen. Weitere Testkäufe bei Instituten und Unternehmen, die Bafin beaufsichtigt, sind geplant. «Mystery Shopping ist für uns mittlerweile ein probates Aufsichtsinstrument», sagte Bock.

Auch eine EU-weite Mystery-Shopping-Aktion, an die die Bafin ihren Test gekoppelt hatte, zeigte Defizite bei der Information von Kundinnen und Kunden über anfallende Kosten und Gebühren bei Finanzprodukten. Die Tests bei insgesamt 118 Kreditinstituten und 76 Investmentfirmen wurden von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) koordiniert.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
wirtschaft | 63843130 |

Weitere Meldungen

Klingbeil drängt Brüssel zu Übergewinnsteuer für Ölkonzerne. Wer vom Krieg profitiere, solle einen Beitrag leisten, heißt es darin. Gemeinsam mit Österreich, Italien, Portugal und Spanien wendet sich der Bundesfinanzminister in einem Brief an die EU-Kommission. (Wirtschaft, 04.04.2026 - 11:16) weiterlesen...

Kampf um Sparer: Trade Republic wird vom Jäger zum Gejagten. Neue Apps und hohe Zinsen von Digitalbanken sowie etablierten Häusern setzen selbst Platzhirsch Trade Republic unter Druck. Was das für Sparer heißt. Um Bankkunden ist ein harter Wettbewerb entbrannt. (Wissenschaft, 03.04.2026 - 05:00) weiterlesen...

Klingbeil macht in Regierung Druck für Energie-Entlastungen. Langes Warten könne sich die Regierung jetzt nicht mehr leisten, meint der Vizekanzler: Ein Entlastungsplan soll her. Die Spritpreise steigen, die Inflation zieht an. (Politik, 02.04.2026 - 14:39) weiterlesen...

Gesundheitsausgaben lagen 2025 weit über 500 Milliarden Euro. Eine detaillierte Statistik zum Jahr 2024 zeigt, wo die Kosten am meisten stiegen. In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Ausgaben im Gesundheitswesen mehr als verdreifacht. (Politik, 02.04.2026 - 09:53) weiterlesen...

Kritik an Sparvorschlägen – Warken: «Alle ins Boot». Die Koalition will nun darüber beraten, was sie umsetzt – und bekommt schon Gegenwind. Empfehlungen für eine Reform gegen höhere Krankenkassenbeiträge liegen auf dem Tisch. (Politik, 31.03.2026 - 14:50) weiterlesen...

Viel Kritik an Sparvorschlägen fürs Gesundheitswesen. Die Koalition will jetzt beraten, welche Maßnahmen sie ergreift - und bekommt schon Gegenwind. Empfehlungen für eine Reform, die höhere Krankenkassenbeiträge abwenden soll, liegen auf dem Tisch. (Politik, 31.03.2026 - 08:11) weiterlesen...