AMLA-Reform: Bußgelder bis 5 Millionen Euro ab September
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 00:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die regulatorische Landschaft in Europa wird grundlegend überarbeitet. Von verschärften Berichtspflichten über strengere Geldwäsche-Regeln bis hin zu neuen Cybersicherheitsvorgaben – Unternehmen und Rechtsprofessionelle stehen vor einem massiven Anpassungsprozess.
Neue Standards für Nachhaltigkeitsberichte
Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) hat im Juli 2026 den Entwurf der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards (ESRS) für Tochterunternehmen aus Drittstaaten veröffentlicht. Die Regeln stützen sich auf die geänderte Bilanzrichtlinie und konzentrieren sich auf die Auswirkungen eines Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft.
Ein „Mixed Approach“ soll dabei erlaubt sein: Unter bestimmten Bedingungen lässt sich die Berichterstattung auf EU-bezogene Auswirkungen begrenzen. Die Konsultationsphase läuft bis zum 31. Oktober 2026.
Parallel dazu gewinnen die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen an rechtlicher Bindungskraft. Analysen der Entscheidungen nationaler Kontaktstellen zeigen: Die eigentlich freiwilligen Richtlinien verhärten sich zunehmend – vor allem durch die Interaktion mit verbindlichen Rechtsinstrumenten.
AMLA verschärft Geldwäsche-Regeln massiv
Die neue europäische Geldwäschebehörde (AMLA) hat Leitlinienentwürfe zur Aktualisierung von Kundenprüfungen (KYC) und zur Transaktionsüberwachung vorgelegt. Die Entwürfe sehen strengere Regeln und Anforderungen an die KI-Governance vor.
Die Strafen haben es in sich: Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 5 Millionen Euro oder 10 Prozent des Gesamtumsatzes. Die Konsultationsfrist endet am 3. September 2026.
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Cyber Resilience Act: Erste Pflichten ab September
Im Bereich Cybersicherheit hat die EU-Kommission einen Leitfaden zum Cyber Resilience Act (CRA) veröffentlicht. Anhand von 67 Praxisbeispielen konkretisiert er Sicherheitsregeln für Produkte wie Router und Smartphones.
Während erste Meldepflichten bereits ab dem 11. September 2026 greifen, müssen die Kernpflichten bis zum 11. Dezember 2027 vollständig umgesetzt sein. Eine gute Nachricht für Entwickler: Open-Source-Software bleibt weitgehend ausgenommen – solange keine kommerzielle Tätigkeit vorliegt.
Digitalisierung der Justiz schreitet voran
Die EU-Kommission hat die Europäische Fortbildungsplattform für Rechtsberufe aktualisiert. Im Rahmen der europäischen Ausbildungsstrategie 2025 bis 2030 stehen nun 40 digitale Lerneinheiten zu verschiedenen EU-Rechtsthemen in allen Amtssprachen bereit.
In Schottland zeichnet sich derweil eine Reform des kollektiven Rechtsschutzes ab. Empfehlungen für ein umfassendes „Opt-out“-Sammelklagesystem werden in Kürze erwartet. Eine Umfrage unter 1.130 Personen im Auftrag der Kanzlei Hausfeld zeigt: 65 Prozent der Befragten befürworten ein solches System, 71 Prozent präferieren das Opt-out-Verfahren. Die Regelungen sollen Verbraucherschutz-, Daten- und Umweltansprüche abdecken.
Steuerrecht: Selbstanzeige vor dem Aus
Die Bundesregierung plant tiefgreifende Änderungen im Kampf gegen Steuerkriminalität. Ein im Juli 2026 vorgestellter Aktionsplan sieht unter anderem die Abschaffung der strafbefreienden Selbstanzeige vor – ersetzt werden soll sie durch eine bloße Strafmilderung.
Zudem ist eine Erhöhung der Unternehmensgeldbußen auf bis zu 40 Millionen Euro im Gespräch. Fachleute warnen: Ein Tax Compliance Management System (Tax CMS) wird damit künftig zur zentralen Haftungsvermeidung.
EU AI Act zeigt globale Wirkung
Der EU AI Act tritt im August 2026 in Kraft – und seine Auswirkungen reichen weit über Europa hinaus. Einer Studie der Thomson Reuters Foundation zufolge haben 47 Prozent der Unternehmen, die sich bereits auf den Act beziehen, ihren Sitz außerhalb der EU.
Doch in der Praxis hakt es: Weniger als jedes vierte Unternehmen führt bislang die geforderten Grundrechte-Folgenabschätzungen durch.
Der EU AI Act bringt neue Dokumentationspflichten und Risikoklassen mit sich, die viele Unternehmen bisher noch nicht ausreichend umsetzen. Erhalten Sie jetzt einen kompakten Überblick über alle Fristen und Pflichten, um Ihre Compliance-Abteilung rechtzeitig vorzubereiten. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern
Datenschutz: DPF wackelt, EDSA liefert neue Vorlage
Die rechtliche Stabilität des Data Privacy Framework (DPF) gerät ins Wanken. Ein Urteil des US Supreme Court vom 29. Juni 2026 zur Unabhängigkeit der Federal Trade Commission (FTC) könnte die Angemessenheitsentscheidung der EU-Kommission beeinflussen – auch wenn diese formal weiterhin gültig ist.
Der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) hat unterdessen eine neue, unverbindliche Meldevorlage für Datenschutzverletzungen angenommen. Sie sieht eine strukturierte Risikobewertung und Maßnahmenplanung vor. Die öffentliche Konsultation läuft noch bis zum 5. August 2026.
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