Altersvorsorgedepot, Förderung

Altersvorsorgedepot: Neue staatliche Förderung ab Januar 2027

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 10:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das neue Altersvorsorgedepot bringt mehr Flexibilität und lockert den Garantiezwang. Staatliche Zulagen und neue Depotvarianten stehen bereit.

Altersvorsorgedepot ab 2027: Neue Freiheiten für Sparer
Eine vielfältige Gruppe von Menschen, die auf digitale Finanzdiagramme blicken, symbolisiert moderne Altersvorsorge und Investitionen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Mai grünes Licht gegeben. Jetzt bereiten sich Anbieter und Sparer auf den Marktstart des Altersvorsorgedepots zum 1. Januar 2027 vor. Die Reform lockert den bisherigen Garantiezwang – und macht die staatlich geförderte Vorsorge flexibler.

Mehr Freiheit bei der Anlage

Kernstück ist das neue Altersvorsorgedepot. Es erlaubt Investitionen in ETFs, klassische Investmentfonds und Anleihen. Anders als bei der Riester-Rente entfällt der strikte Garantiezwang. Sparer können künftig zwischen Depots ohne Garantie sowie Produkten mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie wählen. Erlaubt sind Fonds der Risikokategorien 1 bis 5.

Die staatliche Förderung läuft über ein neues Zulagensystem. Die maximale Grundzulage beträgt 540 Euro pro Jahr. Sie setzt sich aus einer 50-Prozent-Förderung auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag und einer 25-Prozent-Förderung auf weitere Beiträge zusammen. Für Familien gibt es eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind. Berufseinsteiger unter 25 Jahren erhalten einen einmaligen Bonus von 200 Euro.

Wer profitiert von der Reform?

Erstmals erhalten auch Selbstständige Zugang zur geförderten privaten Altersvorsorge. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Beamte bleiben weiterhin berechtigt. Der jährliche Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro.

Das Gesetz sieht verschiedene Depotvarianten vor. Neben einem individuellen Depot können Sparer ein Standarddepot wählen. Dieses wird nach einem Lifecycle-Modell verwaltet – die Anlagestruktur wird mit zunehmendem Alter automatisch risikoärmer. Die Auszahlung ist ab Rentenbeginn als lebenslange Rente oder über einen Auszahlungsplan bis zum 85. Lebensjahr möglich. Auch eine einmalige Kapitalentnahme von 30 Prozent zu Beginn der Auszahlungsphase ist erlaubt.

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Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Für die rund 16 Millionen Riester-Verträge gilt Bestandsschutz. Sparer können ihr Guthaben aber in das neue Depot übertragen – die bereits erhaltenen Zulagen bleiben erhalten. Ein Wechsel dauert laut Branchenangaben etwa vier bis sechs Wochen.

Branchenexperten raten, Identitätsprüfungen frühzeitig zu erledigen. So lassen sich Verzögerungen zum Marktstart 2027 vermeiden. Nach fünf Jahren Laufzeit ist ein Wechsel beim bisherigen Anbieter meist kostenlos. Bei einem früheren Wechsel können Gebühren zwischen 1,5 und 2,5 Prozent pro Jahr anfallen. Die Sparkassen-Finanzgruppe arbeitet bereits an Lösungen, um zum Stichtag Produkte anbieten zu können.

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Kritik und offene Fragen

Sozialverbände üben Kritik. Viele Menschen könnten sich private Vorsorge trotz staatlicher Förderung kaum leisten, warnt eine Vertreterin des Sozialverbands Deutschland. Auch Ökonomen sehen Risiken. Eine ab 2028 geplante verpflichtende kapitalgedeckte Rente könnte der Wirtschaft jährlich bis zu 40 Milliarden Euro an Kaufkraft entziehen, warnen Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung.

Die Reform ist Teil eines größeren Pakets. Ein Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums vom 9. Juli sieht zudem Änderungen im Versorgungsausgleich bei Scheidungen vor. Eine Rentenkommission empfiehlt, das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent zu sichern. Ab 2031 wird eine schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze diskutiert – nach einem 2:1-Modell, bei dem die Arbeitszeit proportional zur steigenden Lebenserwartung zunimmt.

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