Altersvorsorgedepot: ING startet 2027 mit zwei Varianten
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 14:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFörderung und Wettbewerb um Vorsorgedepots
- Die ING startet ab Anfang 2027 zwei Depotvarianten für Privatkunden in Deutschland.
- Das Selbstentscheider-Depot beginnt bei einer Gesamtkostenquote von 0,03 Prozent.
- Für Kinder sind zusätzlich bis zu 300 Euro staatliche Zulage pro Jahr möglich.
ING plant zwei Altersvorsorgedepots ab 2027
Die ING steigt in den Wettbewerb um das neue Altersvorsorgedepot ein und will ab Anfang 2027 zwei Varianten anbieten. Deutschlands größte Direktbank mit mehr als zehn Millionen Privatkunden verzichtet dabei auf Depotführungs-, Wechsel-, Order- und Ausführungsgebühren für Sparpläne.
Selbstentscheider oder Standardlösung
Beim Selbstentscheider-Depot können Anleger aus zahlreichen ETFs und Fonds auswählen; die Gesamtkostenquote beginnt bei 0,03 Prozent. Daneben bietet die ING ein Standarddepot aus zwei aktiv gemanagten ETFs an, deren Zusammensetzung das Institut festlegt und deren Gesamtkostenquote 0,20 Prozent beträgt.
Die Angebote sollen ab einer monatlichen Sparrate von zehn Euro zugänglich sein. Mit der Standardlösung grenzt sich die ING von rein passiven Modellen ab, liegt bei den Kosten aber über einigen Angeboten anderer Anbieter.
Staatliche Förderung für Börsensparen
Das Altersvorsorgedepot soll Einzahlungen in ETFs, Fonds und Anleihen staatlich fördern. Vorgesehen sind Zulagen von bis zu 540 Euro pro Jahr sowie bis zu 300 Euro zusätzlich je Kind; förderfähig sind Einzahlungen zwischen 120 und 1.800 Euro jährlich.
Erträge wie Kursgewinne, Dividenden und Zinsen bleiben während der Ansparphase steuerfrei und werden erst bei der Auszahlung besteuert. Inhaber eines Riester-Vertrags sollen ihr angespartes Guthaben in das neue System übertragen können.
Banken setzen auf niedrige Gebühren
Mit ihren Konditionen reiht sich die ING in einen intensiven Wettbewerb ein. Die Deutsche Bank plant unter anderem ein von ihrer Fondstochter DWS entwickeltes Standarddepot, während die Dekabank ein Modell für Sparkassen anbietet; auch Digitalbanken wie Scalable Capital und Trade Republic erhöhen den Preisdruck.
Nach einer Studie der DWPBank planen mehr als 90 Prozent von 88 befragten Instituten ein Altersvorsorgedepot. Trotz geringer Margen setzen die Banken demnach auf Kundenbindung und zusätzliche Geschäfte mit den gewonnenen Sparern.
Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot soll private Altersvorsorge stärker an den Kapitalmarkt herangeführt werden. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Versicherungsmodellen liegt darin, dass Sparer unmittelbar in ETFs, Fonds oder Anleihen investieren können und damit stärker an Kursentwicklungen beteiligt sind.
Für Anbieter entsteht dadurch ein neuer Massenmarkt. Niedrige Gebühren können den langfristigen Anlageerfolg spürbar verbessern, weil Kosten über Jahrzehnte die Rendite mindern. Zugleich konkurrieren die Institute nicht nur um Depotentgelte, sondern auch um den späteren Zugang zu Kunden für weitere Finanzprodukte.
Gebühren und Auswahl entscheiden
Die Angebote unterscheiden sich vor allem bei Kosten, Produktauswahl und dem Grad der Unterstützung. Ein selbst zusammengestelltes Depot bietet mehr Auswahl und Verantwortung, während standardisierte Lösungen die Entscheidung vereinfachen sollen. Für Sparer wird deshalb nicht allein die werbewirksame Depotgebühr zählen, sondern die Gesamtkosten der Fonds, die Anlagestrategie und die Bedingungen für einen Anbieterwechsel.
Ein aktueller Überblick des Bayerischen Rundfunks hebt hervor, dass bei mehreren Angeboten noch nicht sämtliche Kostenbestandteile bekannt seien.[1] Für Verbraucher bedeutet das, die vollständigen Preis- und Produktinformationen vor dem Abschluss zu vergleichen. Besonders relevant bleiben die langfristige Bindung des Geldes, die steuerliche Behandlung in der Auszahlungsphase und die Frage, wie flexibel die Anlage während der Ansparzeit angepasst werden kann.
BR24: „Altersvorsorgedepot: Darauf sollten Sparer achten“ (24.10.2026)
Der Beitrag erläutert die geplanten Grundzüge des neuen Depots und lenkt den Blick auf Kosten, die Anbieter vollständig ausweisen müssen. Damit ergänzt er die Meldung um die Verbrauchersicht und betont, dass bei einzelnen Angeboten noch nicht alle Details feststehen.
