Altersvorsorgedepot: Deutsche Bank steigt in Preiskampf um staatliche Förderung ein
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Deutsche Bank steigt in den Wettbewerb um das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot ein, das Sparerinnen und Sparer ab 2027 über ETFs, Aktienfonds und Anleihen für die private Altersvorsorge nutzen können.
Deutsche Bank setzt auf mehrere Modelle
„Lockvogelangebote sind ganz klar nicht unsere Strategie“, sagte Deutsche-Bank-Manager Raffael Gasser der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. Kunden sollten wissen, worauf sie sich einließen und auch später keine negativen Erfahrungen machen, wenn sich die Spielregeln änderten.
Das von der Fondstochter DWS entwickelte Standarddepot soll ausschließlich digital angeboten werden. In den ersten zwei Jahren sollen die jährlichen Kosten 0,1 Prozent betragen, danach 0,28 Prozent.
Beratung kostet deutlich mehr
Zusätzlich plant die Deutsche Bank ein Vorsorgedepot mit Beratung. Dafür soll ein jährliches Entgelt von 0,99 Prozent anfallen. Gemeinsam mit der Zurich-Versicherung entwickelte die Bank außerdem zwei Versicherungsprodukte – eines mit und eines ohne Garantie –, bei denen persönliche Beratung möglich ist.
Dominik Hennen, verantwortlich für das Privatkundengeschäft von Deutscher Bank und Postbank mit insgesamt 19 Millionen Kunden, rechnet damit, dass viele Menschen Unterstützung benötigen. Nicht alle würden ihre Altersvorsorge selbstständig abschließen, sagte er.
Förderung und mögliche Preisänderungen
Der Staat will Einzahlungen in das Altersvorsorgedepot mit bis zu 540 Euro pro Jahr fördern. Für jedes Kind sind zusätzlich bis zu 300 Euro möglich. Förderfähig sollen Einzahlungen zwischen 120 und 1.800 Euro jährlich sein; Kapitalerträge würden während der Ansparphase nicht besteuert. Riester-Sparer sollen in das neue System wechseln und Guthaben übertragen können.
Das Gesetz erlaubt Anbietern, ihre Preise später zu erhöhen. Sie müssen dies vier Monate vorher ankündigen. Deshalb gibt es Befürchtungen, dass ein zunächst günstiger Wettbewerb langfristig zulasten der Kundinnen und Kunden gehen könnte.
Anbieter liefern sich Preiskampf
Den Preiswettbewerb hatte im August Scalable Capital eröffnet. Für das Standarddepot stellte der Neobroker ein Angebot ohne Gebühren für Depotführung, Sparpläne, Ein- und Auszahlungen sowie Käufe und Verkäufe in Aussicht. Die laufenden Kosten sollen höchstens 0,15 Prozent pro Jahr betragen.
Die Dekabank, die Produkte für die Sparkassen bereitstellt, plant für ihr Standarddepot jährliche Gebühren von 0,1 Prozent.
Aktien bieten Chancen und Risiken
Nach Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts erzielte ein Sparplan auf einen den Dax abbildenden Fonds in den vergangenen 20 Jahren trotz mehrerer Krisen durchschnittlich fast neun Prozent Rendite pro Jahr. Bei monatlich 50 Euro seien aus 12.000 Euro Einzahlungen gut 32.000 Euro geworden.
Viele Menschen in Deutschland stehen der Börse dennoch skeptisch gegenüber. In einer Ipsos-Umfrage für die ING stimmte im Sommer mehr als ein Drittel der 1.000 Befragten der Aussage zu, Anlegen sei wie Glücksspiel im Kasino. Nach Angaben der Dekabank legt derzeit nur etwa ein Fünftel der über 14-Jährigen Geld in Aktien, Fonds, Renten oder ETFs an.
Mehr Auswahl, aber auch mehr Verantwortung
Das geplante Altersvorsorgedepot soll die staatliche Förderung stärker mit dem Kapitalmarkt verbinden. Sparer können dadurch höhere Renditechancen nutzen als bei rein verzinsten Anlagen, tragen aber zugleich das Risiko von Kursschwankungen. Die Förderung kann insbesondere bei langen Anlagezeiträumen und für Familien mit Kindern einen erheblichen Teil der Einzahlung ausmachen.
Gebühren entscheiden über die Rendite
Im Wettbewerb werden deshalb nicht nur Zulagen und Anlageangebot, sondern vor allem laufende Kosten wichtig. Ein Unterschied von wenigen Zehntelprozentpunkten wirkt über Jahrzehnte, weil Gebühren nicht nur die aktuelle Rendite mindern, sondern auch den Zinseszinseffekt abschwächen. Die angekündigte Möglichkeit späterer Preiserhöhungen macht transparente Vertragsbedingungen zusätzlich bedeutsam.
Die entscheidende Hürde bleibt die Nutzung
Die Reform kann die private Altersvorsorge verbreitern, wenn sie verständlich und einfach zugänglich ist. Ein vollständig digitales Depot dürfte kostenarm sein, erreicht aber nicht automatisch Menschen, die Unterstützung bei der Auswahl von Produkten oder bei der Einschätzung von Risiken benötigen. Beratungsangebote können diese Hürde senken, erhöhen jedoch die laufenden Kosten. Für Kundinnen und Kunden kommt es daher darauf an, Gebühren, Garantien, Anlageumfang und Regeln für spätere Preisänderungen vor Vertragsabschluss miteinander zu vergleichen.
