Altersvorsorge: Gender-Pension-Gap ist 36% breiter als Pay-Gap
26.05.2026 - 21:30:14 | boerse-global.deFrauen haben durchschnittlich 36 Prozent weniger Einkommen als Männer – der Gender-Pension-Gap ist mehr als doppelt so hoch wie der Gender-Pay-Gap (16 Prozent). Besonders groß ist das Gefälle in Westdeutschland mit 40,8 Prozent, während es in Ostdeutschland bei 13,2 Prozent liegt. Kein Wunder also, dass immer mehr Frauen auf Sachwerte wie Wohneigentum setzen.
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Immobilienkauf: Frauen holen auf
Trotz der Einkommensunterschiede zeigt sich ein klarer Trend: Der Anteil weiblicher Hauptantragsteller für Immobiliendarlehen stieg innerhalb eines Jahrzehnts von 23 auf 28 Prozent. Experten der Finanzierungsplattform Interhyp sehen Immobilien als wesentliche Säule der Altersvorsorge – neben klassischen Anlagen wie Aktien oder ETFs. Das ist umso bemerkenswerter, weil in Paarbeziehungen nur in 9,9 Prozent der Fälle die Frau als Hauptverdienerin auftritt.
Besonders in der Generation Z (18 bis 26 Jahre) kaufen zunehmend Single-Frauen frühzeitig Wohneigentum. Marktbeobachter raten dabei zu einer frühzeitigen Nachlassplanung: Testament, Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen und klare Begünstigtenregelungen gehören dazu. Um langwierige Nachlassverfahren zu vermeiden, empfehlen Experten widerrufliche Treuhandverhältnisse und Langzeit-Invaliditätsversicherungen.
Die Verbraucherzentrale Hessen betont die Flexibilität der Vorsorgeprodukte. Gerade bei Frauen mit wechselnden Einkünften durch Care-Arbeit oder Teilzeitphasen müssen Modelle anpassungsfähig bleiben. Regionale Beratungszentren wie in Bad Vilbel gehen gezielt auf diese Anforderungen ein.
Altersvorsorgedepot 2027: Große Hoffnung, große Lücke
Neben Immobilien rückt ein neues staatlich gefördertes Instrument in den Fokus. Eine Umfrage des Anbieters Quirion (puls Marktforschung, über 1.000 Befragte, Anfang Mai 2026) zeigt: 52 Prozent können sich die Eröffnung eines Altersvorsorgedepots (AVD) vorstellen. Fast die Hälfte plant den Einstieg direkt zum Start am 1. Januar 2027.
Doch die Umfrage offenbart auch geschlechtsspezifische Unterschiede. Die durchschnittlich geplante monatliche Sparrate liegt bei 181 Euro – Männer wollen 223 Euro investieren, Frauen nur 124 Euro. Diese Differenz droht die Rentenlücke weiter zu verfestigen, obwohl das Modell staatliche Förderungen von bis zu 540 Euro pro Jahr vorsieht. 26 Prozent der bisherigen Riester-Sparer wollen ihren Vertrag ruhen lassen und stattdessen ein AVD eröffnen.
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Steuertricks für Familien: Bis zu 800.000 Euro Freibetrag
Für Frauen in Partnerschaften bietet das Steuerrecht spezifische Gestaltungsmöglichkeiten. Die steuerfreie Übertragung von Eigenheimen zwischen Ehegatten ist eine Besonderheit – weder Schenkungs- noch Grunderwerbsteuer fallen an. Experten der X Capital GmbH erklären Modelle, die über die reine Selbstnutzung hinausgehen: Ein Eigenheim an den Partner verschenken und später zurückkaufen.
So lassen sich liquide Mittel steuerfrei übertragen und Freibeträge für Kindern optimal nutzen. Kinder können alle zehn Jahre 400.000 Euro pro Elternteil erhalten – durch geschickte Übertragungen zwischen Ehegatten verdoppelt sich dieser Betrag auf 800.000 Euro.
Staatliche Hilfe: Wohnraum für Frauen nach Gewalterfahrung
Die Relevanz von sicherem Wohnraum als Basis der Altersvorsorge zeigt sich auch in staatlichen Initiativen. In Hessen wurde ein Memorandum zur Initiative „Wohnen nach dem Frauenhaus" unterzeichnet. Ziel: Frauen, die von Partnerschaftsgewalt betroffen waren – allein 2023 in Hessen über 9.000 –, schneller Zugang zu bezahlbarem Wohnraum verschaffen.
Das Land stellt 2026 mindestens 16 Millionen Euro für ein Förderprogramm zum Erwerb von Belegungsrechten bereit. Die Nassauische Heimstätte verpflichtet sich, bis 2028 jährlich 10 bis 15 Wohnungen für diese Zielgruppe zur Verfügung zu stellen – mit Mietpreis- und Belegungsbindung von zehn Jahren. Wirtschaftsminister Mansoori betont die Dringlichkeit: Derzeit müssen etwa 20 Prozent der Frauen länger als sechs Monate in Frauenhäusern bleiben, weil sie keinen Anschlusswohnraum finden.
Marktumfeld: Solarförderung vor dem Aus
Das Marktumfeld bleibt von regulatorischen Diskussionen geprägt. Während sich die Vonovia-Aktie laut Analyst Maximilian Berger stabilisiert und Dividendenpotenzial zeigt, gibt es Unsicherheiten bei der privaten Infrastrukturförderung. Das Bundeswirtschaftsministerium unter Ministerin Katherina Reiche plant, die Einspeisevergütung für neue kleine PV-Hausdachanlagen ab 2027 zu streichen. Die Begründung: Marktfähigkeit der Anlagen. Kritiker befürchten einen Dämpfer für die private Energiewende.
Zudem belasten überlastete Stromnetze die Wirtschaft mit Milliardenkosten. Die geplante Umstellung auf Direktvermerkung erfordert Smart Meter – deren Ausbau in Deutschland weiter verzögert ist. Für Immobilienbesitzerinnen, die energetisch sanieren oder ihr Objekt als „Smart Home" zukunftssicher machen wollen, bleiben diese Rahmenbedingungen ein entscheidender Kalkulationsfaktor.
Ausblick: Umbruch in der Altersvorsorge
Die kommenden Jahre bringen signifikante Veränderungen. Mit dem Start des Altersvorsorgedepots Anfang 2027 und den zeitgleichen Änderungen bei der Solarförderung müssen Anlegerinnen ihre Strategien neu bewerten. Immobilien bleiben aufgrund ihrer Wertstabilität und steuerlichen Vorteile attraktiv. Doch die geringere Sparrate von Frauen in Depotmodellen erfordert verstärkte Sensibilisierung für Zinseszins und langfristigen Vermögensaufbau.
Die steigende Quote weiblicher Darlehensnehmer zeigt: Frauen übernehmen zunehmend die Kontrolle über ihre finanzielle Absicherung. Rechtliche und steuerliche Beratung wird dabei immer wichtiger, um die bestehenden Lücken in der Altersversorgung effektiv zu schließen.
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