Altersteilzeit: Minister Schweitzer stellt sich gegen das Ende des Blockmodells
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deBundesarbeitsminister Alexander Schweitzer hat sich beim Chemie-Arbeitgeber-Tag 2026 in Berlin klar für die Beibehaltung des Blockmodells bei der Altersteilzeit ausgesprochen. Der SPD-Politiker hielt fest, dass es klug wäre, an dieser Regelung festzuhalten. Damit stellt er sich gegen gegenteilige Vorschläge, die eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission zuvor vorgelegt hatte.
Streit über die Vorschläge der Rentenkommission
Die Regierungskommission hatte im Sommer ein Paket mit insgesamt 32 Empfehlungen zur Zukunft der Altersvorsorge vorgelegt. Darin sprach sich das Gremium unter anderem für das Ende des Blockmodells sowie eine Anhebung der Mindestaltersgrenze für den Antritt der Altersteilzeit von 55 auf 58 Jahre aus.
Rückendeckung für seinen Kurs erhält der Bundesarbeitsminister von den Gewerkschaften. Diese wenden sich entschieden gegen eine Abschaffung des Modells und betonen, dass auf diesem Weg hunderttausende Beschäftigte sozialverträglich in den Ruhestand wechseln könnten.
Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unterstreichen die praktische Bedeutung des Instruments: Demnach nutzen rund 80 Prozent der in Altersteilzeit Beschäftigten das Blockmodell, bei dem die Arbeitszeit in eine voll gearbeitete Phase und eine anschließende Freistellungsphase unterteilt wird.
Koalitionsverhandlungen über das Rentenpaket
Die Auseinandersetzung um das Instrument ist Teil der übergeordneten Verhandlungen über die anstehende Rentenreform. Laut Schweitzer ist die Arbeit am entsprechenden Gesetzentwurf bereits zu 95 Prozent abgeschlossen. Die Koalition suche sehr hart und kreativ nach Lösungen.
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Sobald ein Kompromiss stehe, solle unverzüglich ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, da die Reform so schnell wie möglich kommen müsse. Friedrich Merz (CDU) kündigte an, wesentliche Teile der Rentenreform noch vor Weihnachten im Bundeskabinett verabschieden zu wollen. Ein Beschluss im Bundestag wird nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur für das erste Quartal 2027 angestrebt.
Als strittig gelten laut Schweitzer insbesondere drei Punkte:
- die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, die von der SPD abgelehnt wird,
- die Beendigung der Blockteilzeit,
- eine Reform oder Abschaffung der Minijobs.
Zu den weiteren geplanten Reformvorhaben der Koalition zählen eine schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze auf bis zu 67,5 Jahre bis zum Jahr 2041 sowie die Einführung einer neuen kapitalgedeckten Säule. Diese soll über zwei Prozent des Bruttolohns umfassen und paritätisch finanziert werden, um das Rentenniveau ab 2040 steigen zu lassen.
Wunsch nach flexiblen Übergängen trifft auf Hürden
Aktuelle Daten zeigen eine spürbare Diskrepanz zwischen den Wünschen der Erwerbstätigen und den betrieblichen Realitäten. Eine Untersuchung des Instituts zur Fortbildung von Betriebsräten (ifb) gemeinsam mit DataPulse Research unter 1.006 Beschäftigten im Alter von 18 bis 64 Jahren ergab, dass sich 40,1 Prozent der Befragten eine schrittweise Reduktion der Arbeitszeit vor dem Ruhestand wünschen.
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Allerdings rechnen nur 28,7 Prozent tatsächlich damit, eine solche Möglichkeit nutzen zu können. Zudem befürchten 39 Prozent finanzielle Einbußen bei der späteren Rente infolge einer Teilzeittätigkeit, während 37 Prozent angeben, sich vorübergehende Einkommensabschläge nicht leisten zu können.
Die ifb-Studie belegt zudem, dass über 80 Prozent der Altersteilzeit-Vereinbarungen mit Beginn in den Jahren 2009 bis 2018 im Blockmodell organisiert waren.
Gleichzeitig bestehen erhebliche Informationslücken: Lediglich ein Viertel der Befragten wusste von der Expertenempfehlung zur Abschaffung, während 54 Prozent noch nie vom Blockmodell gehört hatten. Zudem gaben 26 Prozent an, nicht zu wissen, ob ihr Arbeitgeber überhaupt Altersteilzeitmodelle offeriert.
Erhebungen des IAB verdeutlichen darüber hinaus die ungleiche Verbreitung nach Betriebsgrößen: Lediglich in 1,7 Prozent aller Betriebe befindet sich aktuell Personal in Altersteilzeit.
Während der Anteil bei Betrieben mit unter 20 Beschäftigten bei 0,4 Prozent liegt, erreicht er bei Großunternehmen ab 1.000 Mitarbeitern 60,5 Prozent. Zugleich gaben laut IAB 61 Prozent der Befragten an, im Falle einer flexiblen Arbeitszeitreduktion eher bereit zu sein, bis zur regulären Altersgrenze im Erwerbsleben zu verbleiben.
