Altersteilzeit: Blockmodell soll abgeschafft, Einstiegsalter erhöht werden
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung plant tiefgreifende Reformen bei den Modellen für den gleitenden Übergang in den Ruhestand. Wie am 16. August 2026 bekannt wurde, empfiehlt die zuständige Rentenkommission die Abschaffung des sogenannten Blockmodells bei der Altersteilzeit.
Parallel dazu soll das Einstiegsalter für diese Form der Arbeitszeitverkürzung von derzeit 55 auf 58 Jahre angehoben werden. Der Koalitionsausschuss hat bereits die Umsetzung von insgesamt 33 Empfehlungen der Kommission beschlossen.
Weitreichende Neugestaltung der Altersvorsorge
Die Vorschläge der Rentenkommission zielen auf eine langfristige Stabilisierung des Rentensystems ab. Neben den Änderungen bei der Altersteilzeit sieht das Konzept vor, die Regelaltersgrenze ab dem Jahr 2032 an die allgemeine Lebenserwartung zu koppeln. Hiervon wäre der Geburtsjahrgang 1965 erstmals betroffen. Ein weiterer zentraler Punkt ist das Ende der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren.
Nach vorliegenden Daten nutzten im Jahr 2024 insgesamt 268.751 von 937.107 Neurentnern diese Option, was einer Quote von 28,7 Prozent entspricht. Die Experten der Kommission gehen davon aus, dass eine Streichung dieser Regelung die Rentenversicherung um 9,5 Milliarden Euro pro Jahrgang entlasten würde.
Bedeutung des Blockmodells für den Arbeitsmarkt
Das Blockmodell, bei dem Arbeitnehmer die erste Hälfte der Altersteilzeit voll weiterarbeiten und in der zweiten Hälfte vollständig freigestellt werden, ist derzeit die dominierende Form der Inanspruchnahme. Im Jahr 2023 befanden sich bundesweit 284.000 Menschen in Altersteilzeit, wobei sich 82 Prozent für das Blockmodell entschieden hatten. Davon entfielen 189.000 Nutzer auf Männer und 95.000 auf Frauen.
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Besonders in der Finanzbranche genießt dieses Modell einen hohen Stellenwert. Während bundesweit im Schnitt etwa 4 Prozent der berechtigten Erwerbstätigen Altersteilzeit nutzen, liegt dieser Anteil im privaten Bankgewerbe bei knapp 12 Prozent der 55- bis 65-Jährigen. Innerhalb des Bankensektors werden 99 Prozent der entsprechenden Verträge als Blockmodell ausgestaltet.
Kritik von Gewerkschaften und aus der Politik
Die Empfehlungen stoßen auf deutlichen Widerstand bei Arbeitnehmervertretern und Teilen der Politik. Der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) und die Gewerkschaft Verdi fordern gemeinsam den Erhalt des Blockmodells. Sie warnen davor, dass ohne dieses Instrument ein sozialverträglicher Stellenabbau erschwert werde.
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Als Beispiel wird die Commerzbank angeführt, die derzeit den Abbau von 3.000 Stellen plant. Beide Organisationen pochen auf Vertrauensschutz für die Beschäftigten.
Auch auf politischer Ebene regt sich Protest. Jochen Ott, Spitzenkandidat der NRW-SPD, kritisierte die Vorschläge der Alterssicherungskommission und forderte ein längeres Festhalten am Blockmodell sowie klare Übergangsregelungen. Dies sei insbesondere für Beschäftigte in der Automobil- und Stahlindustrie von hoher Bedeutung. Zudem verlangte er eine Nachfolgeregelung für die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren. Kritik kam ebenfalls von der Partei Die Linke.
Das Bundesozialministerium bemühte sich derweil um eine Relativierung der Pläne. Das Ministerium betonte am 16. August 2026, dass eine vollständige Abschaffung derzeit nicht geplant sei und die Weiterführung der Modelle grundsätzlich möglich bleibe. Die genaue Ausgestaltung der gesetzlichen Umsetzung nach den Beschlüssen des Koalitionsausschusses steht damit noch unter Beobachtung der betroffenen Wirtschaftsbranchen.
