Alkoholsteuer, Regierung

Alkoholsteuer: Regierung plant 20-Prozent-Erhöhung ab 2027

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Gesetzentwurf sieht höhere Abgaben auf Spirituosen und Schaumwein vor. Bier bleibt ausgenommen, Verbände warnen vor sinkendem Absatz.

Alkoholsteuer soll um 20 Prozent steigen: Branche protestiert
Ein minimalistischer Schreibtisch in einem modernen Büro mit Aktenstapeln in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat im Rahmen eines umfassenden Reformpakets eine deutliche Erhöhung der Steuern auf alkoholische Erzeugnisse auf den Weg gebracht. Das Vorhaben ist Teil eines Haushaltsbegleitgesetzes und sieht vor, die Steuersätze für Alkohol, Schaumwein, Zwischenerzeugnisse und Alkopops um jeweils 20 Prozent anzuheben. Der entsprechende Gesetzesentwurf wurde bereits in den Bundestag eingebracht.

Details der Steuererhöhung und finanzielle Auswirkungen

Die geplanten Neuregelungen sehen vor, die Steuer auf Reinalkohol von aktuell 13,03 Euro auf 15,64 Euro pro Liter anzuheben. Dies führt laut dem Entwurf zu spürbaren Preissteigerungen im Handel.

Beispielsweise ergebe sich für eine 0,7-Liter-Flasche Wodka mit einem Alkoholgehalt von 40 Volumenprozent ein rechnerischer Preisaufschlag von etwa 87 Rappen. Während Spirituosen und Schaumwein von der Erhöhung betroffen sind, bleibt Bier von der Anhebung ausgenommen; Wein bleibt weiterhin steuerfrei.

Finanzminister Klingbeil kalkuliert durch die höheren Abgaben mit jährlichen Mehreinnahmen von durchschnittlich rund 400 Millionen Euro. Konkret erwartet die Bundesregierung für das Jahr 2027 zusätzliche Einnahmen in Höhe von 380 Millionen Euro, die im Jahr 2028 auf 455 Millionen Euro ansteigen sollen. Für den gesamten Zeitraum von 2027 bis 2031 wird mit einem Gesamtplus von 2,2 Milliarden Euro für den Bundeshaushalt gerechnet.

Widerstand aus der Branche und fachliche Kritik

Gegen die Pläne hat sich eine breite Branchenallianz formiert, der unter anderem der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI), der Bundesverband Wein und Spirituosen (BWS) sowie der Deutsche Weinbauverband (DWV) angehören. In einem offenen Brief an den Bundestag forderten mehr als 100 Unternehmen, die Erhöhungen für Sekt und Spirituosen zu streichen.

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Die Vertreter der Allianz warnten vor sinkenden Absatzmengen und möglichen Kompensationseffekten. Es bestehe die Gefahr eines fiskalischen Nullsummenspiels, bei dem die höheren Steuersätze durch rückläufigen Konsum neutralisiert würden. Zudem verwiesen die Verbände auf die Drogenaffinitätsstudie 2025, die bereits einen Rückgang des Alkoholkonsums bei Jugendlichen belege. Eine weitere steuerliche Belastung sei daher nicht zielführend.

Einbettung in den Bundeshaushalt 2027

Die Steuererhöhung ist Teil eines größeren Maßnahmenbündels zur Konsolidierung des Bundeshaushalts. Der Entwurf für das Jahr 2027 sieht Gesamtausgaben von 555,4 Milliarden Euro vor, was eine Steigerung gegenüber den 524,5 Milliarden Euro des Vorjahres bedeutet.

Die Nettokreditaufnahme soll 118,7 Milliarden Euro betragen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Verteidigungsetat, der mit 109,7 Milliarden Euro rund 33 Prozent über dem Niveau von 2026 angesetzt ist. Die Ukraine-Hilfe wird mit 11,6 Milliarden Euro veranschlagt.

Neben der Alkoholsteuer plant die Regierung weitere fiskalische Maßnahmen:
- Die Tabaksteuer soll stufenweise über vier Jahre steigen, was 2027 zu Mehreinnahmen von 756 Millionen Euro und bis 2030 zu jährlich 3,59 Milliarden Euro führen soll.
- Neue Steuererhöhungen sind für Plastik und Zucker vorgesehen.
- Der Sofortzuschlag zum Kindergeld soll abgeschafft werden, was Einsparungen von 450 Millionen Euro bringen soll.
- Der Rentenzuschuss wird 2027 um eine Milliarde Euro gekürzt; zudem soll die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren entfallen.

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Das Reformpaket sieht zudem vor, die Tilgung des Bundeswehr-Sondervermögens erst 2033 statt wie ursprünglich geplant 2031 zu beginnen. Die Regierung strebt bis zum Jahr 2029 eine NATO-Quote von 3,5 Prozent an.

Ob der Entwurf in der vorliegenden Form den Bundestag passiert, bleibt abzuwarten, da insbesondere die Umwidmung von Mitteln aus dem Klima- und Transformationsfonds sowie die hohe Neuverschuldung von über 200 Milliarden Euro im Gesamtpaket Gegenstand politischer Debatten sind.

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