Algorithmen-Management, BAuA

Algorithmen-Management: BAuA untersucht Risiken für Beschäftigte

05.06.2026 - 14:11:18 | boerse-global.de

Wirtschaftsverbände drängen auf wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit, während Gewerkschaften vor Gesundheitsrisiken warnen.

Arbeitszeitreform: Verbände fordern Ende des Achtstundentags
Algorithmen-Management - Mitarbeiter in einem modernen Büro, die Bildschirme mit Datenvisualisierungen betrachten und miteinander diskutieren, mit subtilen leuchtenden Linien, die sie verbinden. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Wirtschaftsverbände den Achtstundentag kippen wollen, bereiten Experten eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Risiken digitaler Steuerungssysteme vor. Im Zentrum steht der Schutz von Beschäftigten vor neuen Belastungsformen.

Fachdiskussion zu algorithmischem Management

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) kündigte einen Workshop zum Thema algorithmisches Management (AM) an. Die Veranstaltung findet am 3. September 2026 in Berlin statt. Im Rahmen eines europäischen Projekts der EU-OSHA werden Chancen und Risiken der digitalen Steuerung analysiert.

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Ein Schwerpunkt liegt auf den psychosozialen Belastungen durch automatisierte Zuweisung und Überwachung von Aufgaben. Die Teilnehmerzahl für die kostenfreie Veranstaltung ist auf 30 Personen begrenzt, Anmeldungen sind bis zum 27. August möglich.

Die Ergebnisse sollen in die Weiterentwicklung der Gefährdungsbeurteilung einfließen. Ziel ist es, den Arbeitnehmerschutz an die Bedingungen der digitalisierten Arbeitswelt anzupassen.

Verbände fordern Abkehr vom Achtstundentag

Parallel zur Diskussion über digitale Steuerung wächst der politische Druck zur Reform des Arbeitszeitrechts. Ein Bündnis aus 14 Wirtschaftsverbänden fordert den Übergang von einer täglichen zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Dazu gehören der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), der Deutsche Reiseverband (DRV) und der Verband der deutschen Messewirtschaft (AUMA).

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Innerhalb der Bundesregierung wird ein entsprechender Gesetzentwurf des Arbeitsministeriums noch vor der Sommerpause erwartet. Der Tourismus-Koordinator der Union, Christoph Ploß, drängt auf eine zügige Umsetzung. Er verweist dabei auf Vereinbarungen in der Nationalen Tourismusstrategie.

Arbeitsministerin Bärbel Bas kündigte den Entwurf zwar für Juni an, signalisierte jedoch inhaltliche Distanz zu den weitgehenden Forderungen der Wirtschaftsvertreter. Wie weit die Reform tatsächlich gehen wird, bleibt abzuwarten.

Gewerkschaften schlagen Alarm

Die Pläne zur Aufweichung des Achtstundentags stoßen auf scharfe Kritik bei Arbeitnehmervertretern. DGB-Chefin Yasmin Fahimi warnte vor einer einseitigen Machtverschiebung zugunsten der Arbeitgeber. Sie verwies auf wissenschaftliche Studien, die erhebliche Gesundheitsrisiken bei längeren täglichen Arbeitszeiten belegen.

Auch in großen Industriekonzernen formiert sich Widerstand. Auf einer Betriebsversammlung im Volkswagen-Werk Salzgitter sprach sich Betriebsratsvorsitzender Björn Harmening gegen eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes aus. Standortschließungen seien zwar aufgrund bestehender Vereinbarungen aus dem Jahr 2024 ausgeschlossen, doch die Lage sei angespannt.

Hohe Materialkosten und der Druck auf dem Markt für Elektrofahrzeuge machen dem Konzern zu schaffen. Im VW-Werk Zwickau zeigt sich die Krise bereits deutlich: Die Beschäftigtenzahl sank dort zuletzt von über 10.000 auf rund 8.000 Personen.

Neue Standards in der Rettungswirtschaft

Trotz der allgemeinen Flexibilisierungsdebatte wurden in Teilbereichen konkrete neue Standards vereinbart. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft schloss auf der Messe Interschutz in Hannover einen ersten Haustarifvertrag mit dem ASB Rettungsdienst Hamburg ab.

Die Vereinbarung sieht eine 39,5-Stunden-Woche vor, Nachtzuschläge von 20 Prozent sowie eine vollständige Nettoaufstockung im Krankheitsfall für bis zu 26 Wochen.

Gleichzeitig werden neue Modelle für die Gestaltung der Erwerbsbiografie diskutiert. Die IHK Halle-Dessau brachte ein Modell für eine Wahlrente ins Gespräch. Dieses sieht ein individuelles Renteneintrittsalter vor und soll Ausgleichsmechanismen für körperlich besonders belastende Berufe enthalten.

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